Von Wolfgang Peters
27. April 2004 Das Beste am alten Panda war sein Name. Und vielleicht noch die pfiffige Werbung in Deutschland, die es verstand, aus seinen Nachteilen (tolle Kiste) noch Tugenden zu stricken. Der Neue ist ein seriöses Auto, das auch so auftritt und so verstanden werden will. Vielleicht sind die Zeiten nicht für Witze geeignet. Und klein sein ist ja eine Aufgabe, der man sich nur ernsthaft widmen sollte. Deshalb schaut der Fiat Panda II auch vorn grimmig und gibt sich hinten lasteneselig. Dazwischen leistet sich sein Design an der Dachlinie und mit einem kecken Fensterchen ein schmales Lächeln. Die einstige Fröhlichkeit, die aus der Unbeschwertheit im Umgang mit dem Minimalismus-Auto entsprungen war, die mag aber nicht aufkommen. Wahrscheinlich liegt das daran, daß wir früher glaubten, ihn zum Dosenpfand wieder loszuwerden. Dagegen ist der neue Fiat Panda der Kleinwagen mit Professorentitel.
Zur Zeit gibt es vier Ausstattungsversionen und zwei Ottomotoren. Der neue Diesel (im Fiat Punto hat er uns schon überzeugt) kommt Anfang nächsten Jahres mit zwei Varianten. Die Preise beginnen bei günstigen 8.290 Euro mit der 1,1-Liter-Maschine (40 kW/54 PS) und reichen bis zu auf den ersten Blick schwer verdaulichen 11.450 Euro mit 44 kW (60 PS). Das Bauchgrimmen verschwindet beim Blick auf die Ausstattung. Es ist alles und noch ein bißchen mehr von dem da, was der Zeitgeschmack erwartet. Der Panda II Emotion ist vollgestopft mit passiver Sicherheit und mit Komfortzutaten - das kleine Auto als Miniatur des großen Luxus. Und auf wundersame Weise nehmen wir das alles wie selbstverständlich zur Kenntnis und auch: daß alles funktioniert, die fernbediente Zentralverriegelung die Schlösser schnappen läßt, die Klimaautomatik wie der Teufel heizt und kühlt wie der Eisschrank, die Außenspiegel sich in Position schnurren und die Heizung gegen Dunst und Eis gegenhält. Mit kleinen Aufpreisen zieht man sich den Panda noch höher, das HiFi-System hat sechs Lautsprecher und Subwoofer (200 Euro), der CD-Wechsler geht mit fünf Scheiben um (300 Euro), und im Lenkrad gibt es "Multifunktionstasten" für 90 Euro. Auf das ESP muß man noch ein wenig warten, Anfang 2004 kann man es im Panda II für 500 Euro haben: ESP (und ABS ja sowieso) in einem Panda! Früher waren wir froh, wenn die Kiste überhaupt verzögerte und sich dabei nicht ihre eigene Spur suchte.

Nette Kleinigkeiten
Auch die Eigenschaften für den Alltag demonstrieren neue Qualitäten. Aber heutzutage hat man das. Auch in der Panda-Klasse. Dazu gehören vier Türen und mehr als ein Hauch von Großzügigkeit. Aber selbst ein neuer Panda kann innen nur größer wirken als außen sein. Wer sich mit 1,90 Meter Körpergröße, einem Gewicht von 94 Kilo und den Schultern eines in Freiheit aufgezogenen Bambusbären dem Panda nähert, darf nicht vergessen: Das Auto mißt in der Länge 3,54 Meter. Der Einstieg gelingt vorn mühelos, dort ist man auch gut aufgehoben. Bequeme Sitze, aber schmale Lehnen, dennoch eine gute Position für den Fahrer. Alle Instrumente sind fein abzulesen, das kleine Display in der Mitte ist keine Notwendigkeit, eher Grund zur Heiterkeit: "Instant Verbrauch" oder "Glatteis" bei 3 Grad plus und "Begrenzte Reichweite" in der Nähe des Reservevorrats sind Nachrichten, die wir gern zur Kenntnis genommen haben. Die Mittelkonsole wölbt sich wichtigtuerisch nach innen, dadurch rücken Tasten und Hebel schön heran, auf den Schaltknauf fällt die Hand wie von selbst.
Natürlich ist alles Plastik, aber von angenehmer Oberfläche, die Schalter haben jene sanften Druckpunkte, die hohe Wertigkeit signalisieren. Leider sind etliche Kunststoffteile an den Kanten schlecht entgratet und nicht mit ultimativer Genauigkeit eingepaßt. Hinten geht es enger zu, es kneift an Knien und Schultern. Dort gibt es Kurbeln für die Fenster, ein Drittel bleibt beim Versenken stehen. Immerhin kann man die Rücksitzbank komplett mit zwei Handgriffen um etwa 15 Zentimeter in Fahrtrichtung verschieben, so gibt es mehr Knieraum oder mehr Stauvolumen. Ist die Sitzbank mit der hälftig geteilten Lehne in der vordersten Position, dann liegt die Kofferraumtiefe bei 57 Zentimeter. Aber nun kann eigentlich weder vorn (aus Rücksicht auf die Hinterbänkler haben wir den Sitz in Richtung Volant verschoben) noch hinten ein Erwachsener wirklich angenehm sitzen. Wird alles so arrangiert, daß vier Figuren einigermaßen erträglich im Panda II wohnen, dann bleibt ganz hinten ein Fach für kleine, nette Dinge.
Tapfer im Einsatz
Am schluckfreudigsten für Barolo und so weiter gibt sich der Kleinwagen mit zwei Menschen vorn und umgeklappten Rücksitzlehnen hinten: Dann hat man eine Ladetiefe von fast 110 Zentimeter, der Boden ist aber uneben, und die Rückseite der hinteren Lehnen wartet mit unangenehm glatter, lackierter Oberfläche auf. Die Lehne der Rückbank ist in unterschiedlich geneigten Positionen zu arretieren, das klingt gut, ist aber kein wirklicher Fortschritt, weil sich die Veränderungen nur im Daumenbereich bewegen können. Der Panda II ist ein Auto nur für vier, mehr Gurte und Kopfstützen hat er nicht und mehr Platz auch nicht. Die Zuladung ist in Ordnung.
Der 1,2-Liter-Vierzylinder mit unmoderner Zweiventiltechnik geht in seiner Grundkonstruktion auf die Fire-Familie zurück, hier erfüllt er Euro 4 und gibt sich jung wie einst im Mai. Drehmoment und Nennleistung wirken auf dem Papier schmalbrüstig, treten im Alltag aber mit breiter Brust auf. Denn der Panda demonstriert modernen Leichtbau, gut 900 Kilogramm mitsamt allen Extras, die unser Wagen an Bord hatte, sind auch für ein kleines Aggregat keine Last. Die Maschine dreht flugs hoch, bleibt dabei ausreichend leise, läuft relativ vibrationsarm und läßt den Panda auf der Autobahn tapfer mitströmen, ohne den Ohren der Passagiere bleibende Schäden zuzufügen. Allerdings ist sie nicht so genügsam, wie wir erwarteten: Unter sieben Liter Superbenzin auf 100 Kilometer zu bleiben fordert Konzessionen, da ist man nicht schneller als mit 120 km/h unterwegs. Im gemischten Einsatz (Stadt, Land, Autobahn) kamen wir auf einen Durchschnitt von 7,4 Liter, allerdings bei teilweise winterlichen Temperaturen. Das Fünfganggetriebe läßt sich leicht schalten, die Positionen sind exakt definiert.
Ein wenig unmotiviert
Komfort beschränkt sich beim Panda II nicht auf die Ausstattung. Denn der Federungskomfort reicht über seine Klasse hinaus. Das Schluckvermögen von Federn und Dämpfern ist sehr gut, Bodenwellen werden mit leichtem Wiegeschritt durcheilt. Unangenehm sind das gelegentlich auftretende Poltern der Hinterachse und die in engen, zügig absolvierten Kurven zu beobachtende Neigung des Aufbaus zum Außenrand; der Panda gerät dabei in eine ungefährliche, aber Befremden auslösende Schieflage. Diese ist freilich allein optischer Natur. Denn das Kurvenverhalten ist von untersteuernder Bravheit geprägt, selbst abrupte Lastwechsel beschwören keine Probleme herauf. Die Bremsen (vorn Scheiben, hinten nur Trommeln) greifen kräftig und sind angenehm. Diese Eigenschaft offenbart die Lenkung nur selten. Denn sie hat nicht nur die Möglichkeit einer erhöhten Servowirkung in der Stadt zu bieten. Damit wird der sehr übersichtlich karossierte Panda zum Parkwiesel. Andererseits wirkt die über Land mit normaler Hilfskraft arbeitende Lenkung seltsam leblos, sie teilt wenig von dem mit, was zwischen Rädern und Straße gerade vor sich geht. Mitunter sind leichte Antriebseinflüsse zu spüren.
Der Fiat Panda der zweiten Generation ist ein moderner Kleinwagen, mit dem man auch mal auf die längere Strecke gehen kann. Er demonstriert überzeugend die Kernkompetenz von Fiat, das kleine Auto als ernsthaftes Fahr-Zeug aufzubereiten. Und er zeigt, daß der einstige Minimalismus ein neues Konzept finden müßte, um erfolgreich zu sein. Denn der neue Panda verzichtet nur in einer Disziplin: bei der Länge.
Daten und Meßwerte
Empfohlener Preis 11.450 Euro,
Preis des Testwagens 11.790 Euro
Vierzylinder-Reihenmotor, zwei Ventile je Zylinder, 1.242 Kubikzentimeter
Hubraum
Leistung 44 kW (60 PS) bei 5.000/min
Höchstes Drehmoment 102 Nm bei 2.500/min, 90 Prozent davon ab 1.800 bis
4.800/min
Erfüllt Euro 4
Manuelles Fünfganggetriebe
Antrieb auf die Vorderräder
Länge/Breite/Höhe 3,54/1,59/1,54 Meter
Radstand 2,30, Wendekreis 9,5 Meter
Leergewicht 860 (tatsächlich 905), zulässiges Gesamtgewicht 1.305,
Anhängelast 800 Kilogramm; Kofferraumvolumen 206 bis 775 Liter
Reifengröße 165/65 R14 T
Höchstgeschwindigkeit 154 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 16,1 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in
16,5/23,3 s
Verbrauch 6,3 bis 8,8, im Durchschnitt 7,4 Liter Superbenzin je 100 km;
Tankinhalt 35 Liter
Versicherungs-Typklasse HP 13, TK 27, VK 13
Kosten je km (bei 16.000 km/Jahr) 0,26 Euro
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z., Hersteller