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Fahrtbericht Toyota Urban Cruiser

Bekannte Mittel zum neuen Zweck

Von Gerold Lingnau

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10. November 2009 Urban Cruiser – wenn das keine Ansage ist! Toyotas jüngstes Produkt am deutschen Markt wird, so denken wir, nicht zuletzt auf jene junge Klientel angesetzt, die es in die Ballungsräume zurück zieht, nachdem ihre Eltern sich auf dem Land angesiedelt und weite Pendlerwege in Kauf genommen hatten – nicht zuletzt um ihre Kinder in frischer Luft aufwachsen zu lassen. Solche Lebensentwürfe werden heute in Frage gestellt, der Lauf der Welt ändert sich wieder einmal.

Ein Stadtauto muss vor allem eins sein: kompakt. Das ist der neue Toyota, denn er basiert auf der zweifellos kompakten kleinen Limousine Yaris. Die überragt er in der Länge zwar um 14 Zentimeter, und wenn man ihn so anschaut, möchte man ihm auch 4,20 Meter zutrauen.

Doch ein kleines Stadtauto sollte möglichst auch der eigentlich unerfüllbaren Forderung gehorchen, innen größer zu sein als außen. Dafür bietet der Urban Cruiser mit seiner überdurchschnittlichen Höhe und seinem steilen Heck gute Voraussetzungen.

Hinten deutlich eingeschränkter

Er hält in der Tat Platz für fünf bereit: vorn diskussionslos bequem, hinten deutlich eingeschränkter, denn ohne Not hat Toyota die Tiefe der – mit 1,28 Meter ansehnlich breiten – Rückbank viel zu knapp gehalten, erst recht auf dem dritten Platz, der im Übrigen gar nicht so übel ist, weil der übliche Mitteltunnel hier fehlt.

Der Knieraum hinten reicht jedenfalls ebenso aus wie die Kopffreiheit, nur die Lehne müsste mindestens fünf Zentimeter höher sein. Zwei Isofix-Halterungen im Fond machen den Urban Cruiser kinder- und enkeltauglich. Und die Großeltern werden lobend vermerken, dass es sich gut einsteigt in den Toyota, über den recht hohen Schweller und an Dachholmen vorbei, die auch weniger Gelenkigen keine Kopfnüsse verpassen.

Erst beim Kofferraumvolumen spielt der Urban Cruiser seinen Längenvorteil gegenüber dem Yaris aus. Im Normalzustand ist es mit 314 Liter um etwa 40 Liter größer als dort; zieht man die (bei beiden Modellen) um bis zu 15 Zentimeter längs verschiebbare Rückbank ganz nach vorn, beträgt das Cruiser-Plus mit 388 immer noch 25 Liter.

Und wenn man die geteilte Lehne umklappt – dann entsteht leider eine mit 17 Zentimeter noch höhere Stufe im Ladeboden als beim Yaris –, kommen maximal 750 Liter heraus, eine Kleinigkeit mehr als bei der Limousine, jeweils bis zum Fensterrand gemessen (bis zum Dach sind es 1010 Liter gegenüber 1085 beim Yaris). Nicht so toll sieht es mit der Einfachheit des Beladens aus: 75 Zentimeter hoch liegt die Bordkante über der Straße, und nach innen geht es wieder 21 Zentimeter hinab – nichts für vorgeschädigte Rücken.

Abzüge beim Wendekreis

Der Innenraum wirkt etwas trist mit seinen dunklen Farben, aber die verwendeten Materialien beleidigen das Auge nicht. Der Bodenteppich hält nicht jeden Fussel krampfhaft fest – das verdient erwähnt zu werden, weil kaum ein Hersteller darauf Innovationskraft verschwendet.

Anders als beim Yaris sind die Instrumente am gewohnten Platz vor dem Fahrer versammelt, aber nach dem Ratschluss der Designer müssen sich Tacho und Drehzahlmesser eine gemeinsame Rundskala teilen, so dass man keinen von beiden vernünftig ablesen kann.

Alles andere ist wie gewohnt, der Farbbildschirm des relativ preisgünstigen DVD-Navigationsgeräts (950 Euro) ist allerdings etwas zu tief angebracht. Es gibt also Abzüge bei der Stadt-Eignung des Urban Cruiser, ebenso für den Wendekreis, der mit elf Meter ein so kleines Auto geradezu disqualifiziert; hier ist der Yaris bei gleichem Radstand weit besser. Dafür hat der Neue einen minimalen Vorsprung bei den Sichtverhältnissen vor allem nach hinten, zumal die Heckscheibe bei Nässe erstaunlich wenig verschmutzt.

Die Autobahn ist nicht sein Revier

Das Fahrwerk teilen sich die beiden Toyotas, und so ist auch der Urban Cruiser ein leicht zu beherrschender Untersteurer, der allenfalls auf feuchter Fahrbahn in Kurven ein wenig geradeaus schiebt. Das ESP ist wie die sieben Airbags grundsätzlich serienmäßig, es kann jenseits von 50 km/h nicht mehr ausgeschaltet werden und mischt sich nicht voreilig in die Entscheidungen des Fahrers ein.

Die Exaktheit der Lenkung kann nicht voll befriedigen, dagegen verdienen die Bremsen jedes Lob – selbst in der Stadt eine beruhigende Tatsache. Und weil die Bürgermeister der Schlaglöcher ja nicht mehr Herr werden, ist auch gut zu wissen, dass der Urban Cruiser ordentlich gefedert ist, sich zwar manchmal etwas schaukelig gebärdet, aber die üblichen Unebenheiten gelassen wegsteckt. Karosseriegeräusche kennt er kaum, wohl aber Windlärm schon ab 100 km/h: Die Autobahn ist so gesehen nicht sein Revier.

Anspringen von Geisterhand

An Leistung für Schnellstraßen fehlt es ihm dagegen nicht. Wenn man aus dem auf zwei Motoren beschränkten Angebot den Benziner wählt – dann kommt der Urban Cruiser mit Frontantrieb, während die Diesel-Version serienmäßig einen automatisch zuschaltenden Allradantrieb hat –, erhält man den aus dem Yaris bekannten neuen 1,33-Liter mit variabler Ventilsteuerung und Start-Stopp-Automatik.

Die Fahrleistungen unterscheiden sich kaum, weil auch die Leergewichte fast gleich sind. Der höhere Cruiser ist mit 176 km/h ein wenig langsamer als die Limousine (179). Dank kürzerer Übersetzungen der sechs federleicht schaltbaren Getriebegänge kann er auch beim Beschleunigen (0 auf 100 km/h in 12,6 Sekunden) und bei den hier wie dort nicht eben berauschenden Elastizitätswerten gut mithalten.

Und im Verbrauch geht die Differenz – 6,8 gegenüber 6,5 Liter Super im Durchschnitt je 100 Kilometer – in der üblichen Schwankungsbreite unter. Wie im Yaris ist der drehfreudige Vierzylinder im Urban Cruiser ein Leisetreter zumindest bis 3000 Umdrehungen je Minute, jenseits davon bleibt er zumindest erträglich. Die Start-Stopp-Automatik, die das Triebwerk beim Anhalten ausschaltet, hat so ihre Eigenheiten: Gemäß einem umfänglichen Kriterienkatalog (siehe die Betriebsanleitung) startet sie manchmal den Motor während der Pause überraschend aufs Neue, obwohl der Fahrer rein nichts dazu getan hat. Da erschreckt man sich, und das hat uns den Spaß an dieser spritsparenden Einrichtung ein wenig vergällt.

Der Yaris erfüllt denselben Zweck

Den Benziner-und-Frontantriebs-Cruiser kann man in der Basisausstattung für 16.950 Euro haben, das sind 1900 Euro mehr als der billigste viertürige und gleich motorisierte Yaris. Die Version Town kostet zusätzlich 2250 Euro und bietet dafür zum Beispiel die Klimaanlage (sonst 1200 Euro), aber auch Leichtmetallräder, Nebelscheinwerfer und elektrische Fensterheber.

Man sollte Town wählen. Der Town+ als Spitzenmodell enthält dann nichts mehr, was man unbedingt haben müsste, erfordert aber weitere 1050 Euro. Der Zuschlag für Dieselmotor (66 kW/90 PS) und Allradantrieb ist mit 3750 Euro happig. Auf der kurzen Aufpreisliste verlockt neben dem Navigerät allenfalls die Einparkhilfe (390/350 Euro für vorn/hinten): Denn die kann ein Stadtauto jeden Tag mehrmals brauchen. Alles in allem spielt der Urban Cruiser aber diese Rolle nicht so überzeugend, wie sein Name es nahelegt. Mit dem Yaris ist man für diesen Zweck ebenso gut bedient.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 20.250 Euro
Preis des Testwagens 21.650 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1329 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 74 kW (101 PS) bei 6000/min

Höchstes Drehmoment 132 Nm bei 3800/min, mindestens 90 Prozent davon ab 2800 bis 5000/min

Manuelles Sechsganggetriebe (kein Automatikgetriebe lieferbar)

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 3,93/1,73/1,53 Meter

Radstand 2,46, Wendekreis 11,0 Meter

Leergewicht 1130 (tatsächlich 1143), zulässiges Gesamtgewicht 1590, Anhängelast 800 Kilogramm; Kofferraumvolumen 314 - 1010 Liter

Reifengröße 195/60 R 16 89 H

Höchstgeschwindigkeit 176 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 12,6 s
Von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 14,7/19/26,2 s

Verbrauch 6,2 bis 7,4, im Durchschnitt 6,8 Liter Super je 100 km; 129 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,5 Liter; Tank 42 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 16, TK 20, VK 16

Garantie 3 Jahre oder 100.000 km, auch auf Lack, 12 Jahre gegen Durchrostung, Mobilitätsgarantie 3 Jahre bei autorisiertem Service, Wartung alle 15.000 km oder jährlich

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
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