Fahrtberichte

Fahrtbericht Mini Clubman Cooper S

Alles nur eine Frage des besseren Stils

Von Michael Kirchberger

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07. Januar 2008 Am ersten Schlagloch steht die Erkenntnis: Die verlängerte und mit einem vermeintlichen Kofferraum ausgerüstete neue Version des britisch-bayrischen Klassikers hat nicht nur das Westentaschenformat verlassen, sondern auch die Erwartung an den Komfort. Clubman nennt die BMW-Marke Mini die ausgedehnte Variante jenes Autos, das sich im Gegensatz zu seinem Urahn aus den siebziger Jahren mittlerweile ganz schön streckt.

Der praktische Nutzen des 3,94 Meter langen Kombis mäandert durch den Geist des Betrachters. 260, maximal 930 Liter Kofferraumvolumen stehen Werten des bisherigen, zweitürigen Modells von 160 beziehungsweise 680 Liter gegenüber. Das sind keine baumarkt- oder abenteuersportarttauglichen Mehrwerte, aber die vornehmste Tugend des Mini ist ja auch nicht der Transport der Last. Er befördert vielmehr stilsicher die Lust seines Chauffeurs. Die leistungsstärkste Version Cooper S tut dies obendrein auf höchst agile Art, 128 kW (175 PS) kosten in der Basisversion 23.900 Euro.

Easy-Entry-Funktion

Der Clubman ist genau 238 Millimeter länger als der bisherige Mini. Sein Radstand legte um acht Zentimeter auf 2,55 Meter zu. Klar, dass er hierdurch gestreckter und erwachsener wirkt. Die Dachlinie wird zusätzlich von einer Windabrisskante über der doppelten Tür am Heck verlängert, auch der letzte Hauch der Niedlichkeit des Zweitürers geht so verloren.

Abgesehen von der Luke am Heck, hat der Mini Clubman drei Türen. Die auf der Fahrerseite ist ganz konventionell gehalten, der Kopilot hat dagegen eine weitere Pforte im Rücken: Sie öffnet gegenläufig zur vorderen Tür und erleichtert den Einstieg in den Fond oder das Beladen wesentlich.

Ohnehin kann die Rückbank anders als im zweitürigen Mini als vollwertige Sitzgelegenheit zumindest für zwei Mitfahrer gelten. Das Raumangebot für Beine und Köpfe ist gut, der längere Radstand schafft vor allem Platz für die Passagiere. Eine Easy-Entry-Funktion der Vordersitze, bei der nach dem Vorklappen der Rückenlehne das ganze Gestühl nach vorne rutscht, macht das Einsteigen obendrein einfacher.

Lichtreflexe erschweren das Ablesen

Der Arbeitsplatz des Clubman-Fahrers ist wie bisher von eingeschränkter Funktionalität geprägt. Der Tacho thront im Maxiformat in der Mitte des Armaturenbretts, der Blick für die Tempokontrolle fällt daher nicht leicht. Obendrein spiegelt das Glas über der sehr großen Skala arg; verwirrende Lichtreflexe erschweren das Ablesen zusätzlich. Die in der Mittelkonsole untergebrachten Schalter der elektrischen Fensterheber sehen zwar schick aus, sitzen aber am falschen Platz und sind außerdem schlecht gekennzeichnet.

Die Sitze bieten guten Seitenhalt und ermöglichen dank hoher Rückenlehnen ermüdungsfreies Fahren über lange Strecken, die Verstellung ist jedoch nicht sonderlich tauglich. Um den passenden Winkel der Lehnen einzustellen, bedarf es erheblicher Feinfühligkeit, und es dauert eine Weile, bis eine angenehme Sitzposition gefunden ist. Das zweifach verstellbare Lenkrad hilft hierbei ein wenig.

Ablagen gibt es in ausreichender Zahl, sogar das Handschuhfach im Mini hat eine angemessene Größe. Die Mittelarmlehne steigert den Komfort und stört dennoch nicht beim Schalten. Das kleine, lederbezogene Dreispeichen-Lenkrad liegt angenehm in der Hand, beim Druck auf den Startknopf erwacht der aufgeladene Vierzylinder mit einem wunderbar kernigen Klang zum Leben.

Reifen haften bei Nässe nicht

Satte 128 kW (175 PS) liefert das Triebwerk und stellt seine Leistung schon bei geringen Drehzahlen bereit. Das höchste Drehmoment liegt bei nur 1600 Umdrehungen in der Minute, 240 Newtonmeter stehen dann bereit und warten fast ungeduldig darauf, den knapp 1300 Kilogramm schweren Kombi voranzutreiben. Sehr agil wirkt der Motor, vom oft beklagten „Turboloch“ ist nicht die Spur zu bemerken.

Mit wacher Präsenz reagiert die mit vier Ventilen je Brennraum bestückte Maschine auf das Gaspedal, 7,6 Sekunden vergehen bei der Sprintübung von 0 auf 100 km/h. Die Werksangabe lässt sich mit Erfolg und auf Anhieb nachvollziehen, denn das Sechsganggetriebe glänzt mit hervorragender Präzision und macht den flinken Gangwechsel zur Fingerübung.

Allerdings ist eine trockene Fahrbahn Voraussetzung für schnelle Beschleunigung, denn die Bärenkräfte des Vierzylinders führen die Reifen bei Nässe regelmäßig an ihre Haftgrenze. Mit viel Gefühl im rechten Fuß will der Mini Cooper S Clubman bei Regen über die Kreuzung pilotiert werden, sonst bremst die Traktionskontrolle die Fahrt nachhaltig ab. Die Ausstattung mit dem 160 Euro kostenden Sperrdifferential für die Vorderachse ist durchaus empfehlenswert; aber jenen Komfortfetischisten, die den Wagen mit dem sechsstufigen Automatikgetriebe (1540 Euro Aufpreis) bestellen, bietet sich diese Option nicht.

Hoher Verbrauch

Die Übersetzung des manuellen Getriebes führt in jedem Gang zu höheren Touren und trägt zur Munterkeit des Clubman bei. Bei fast jeder Drehzahl reagiert er erfrischend lebhaft und die Schaltanzeige im Drehzahlmesser empfiehlt meist früh den Wechsel in einen höheren Gang.

Allerdings kann dies auch in Kombination mit der zuverlässig funktionierenden Start-Stopp-Automatik den Benzinkonsum nicht in wirklich moderate Regionen senken. So kommt der Durchschnittsverbrauch leicht in die Nähe der Neun-Liter-Marke, den vom Hersteller angegebenen Normverbrauch von 6,3 Liter Superplus für 100 Kilometer konnten wir trotz ernsthafter Bemühungen nicht erreichen.

Kräftige Windgeräusche

224 km/h schafft der starke Clubman als Höchstgeschwindigkeit. Die Spurstabilität gewinnt durch den längeren Radstand deutlich, ohne dass darüber die Agilität bei Kurvenfahrten verlorenginge. Sehr zielgenau und direkt lässt sich der Mini auch als Kombi um die Biegungen lenken. Die Servounterstützung am Volant ist verhalten, was stets zu einem guten Kontakt zur Fahrbahn führt. Die Einflüsse des Antriebs in de Lenkung sind gering, die aufwendige Vorderachskonstruktion verhindert, dass der Clubman beim Gasgeben aus dem Ruder läuft.

Die Bremsen arbeiten angenehm und mit fein definiertem Druckpunkt. Weniger erfreuen die kräftigen Windgeräusche, die sich schon bei 150 km/h einstellen, und die bereits erwähnte Härte der Federung macht Fahrten auf schlechten Straßen zu unvergesslichen Erlebnissen.

Alles aus einem Guss

Durchweg ordentlich ist die Verarbeitung. Fast zu straff sind die Türen eingepasst, nur mit einem kräftigen Zug am Griff lassen sie sich öffnen. Aber selbst in jenen Ecken, in denen sich andere Marken gerne Nachlässigkeiten gestatten, ist beim Mini alles aus einem Guss.

Das gilt besonders für den Kofferraum. Unter dem stabilen Zwischenboden – er ist bei den Ausstattungen Pepper und Chili serienmäßig, kostet sonst 180 Euro Aufpreis –, findet sich ein fein ausgekleidetes Fach mit 50 Liter Volumen für kleinere Gepäckstücke. Die falt- und herausnehmbare Einlage macht den Laderaumboden nach dem Umklappen der Rückbanklehnen bis zu den Vordersitzen topfeben. Die beiden Türflügel am Heck des Mini öffnen sich unterstützt von Gasdruckfedern, allerdings sind deswegen vor dem Einladen großen Gepäcks immer zwei Handgriffe notwendig.

Teure Aufpreisliste

Ein echter Kombi ist der Clubman nicht, auch wenn alle Zutaten dieser Gattung vorhanden sind. Den Vergleich mit den Stauvolumina seiner Kollegen verliert er. Und heftig sind die Preise: Schon der zweitürige Mini ist nicht gerade ein Schnäppchen, für den Clubman muss man sogar noch tiefer in die Tasche greifen – er ist satte 2300 Euro teurer.

Dieser Preis lässt sich mühelos steigern, allein das Ausstattungspaket Chili kostet 3100 Euro. Und wer Komfortzubehör wie Telefon, Audioanlage, Navigationssystem oder Lederausstattung bestellt, lässt die Grenze von 30.000 Euro weit hinter sich. Der gehobenere Lebensstil will eben bezahlt werden.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 23.900 Euro
Preis des Testwagens 34.254 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, Abgasturbolader, 1598 Kubik Hubraum

Leistung 128 kW (175 PS) bei 5500/min

Höchstes Drehmoment 240 Nm bei 1600/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1500 bis 5400/min

Manuelles Sechsganggetriebe (Automatik für 1540 Euro)

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 3,94/1,68/1,43 Meter

Radstand 2,55, Wendekreis 11 Meter

Leergewicht 1205 (tatsächlich 1290), zulässiges Gesamtgewicht 1690, Anhängelast nicht angegeben, Kofferraumvolumen 260 bis 930 Liter

Reifengröße 195/65 R 16 V

Höchstgeschwindigkeit 224 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 7,6 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 6,9/8,3/9,8 s

Verbrauch 6,8 bis 8,6, im Durchschnitt 7,7 Liter Superplus je 100 km; 150 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,3 Liter; Tankinhalt 50 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 14, TK 23, VK 20

Wartung und Reparaturen zwei Jahre ohne Kilometer-Begrenzung; Inspektion nach Serviceanzeige



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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