Fahrtberichte

Fahrtbericht Peugeot 308 Filou 95 VTi

Diese Basis lässt nur Muskeln vermissen

Von Boris Schmidt

05. Juni 2008 Das Basismodell hat im Programm eines jeden Herstellers eine undankbare Aufgabe. Es soll mit seinem Preis locken, gleichzeitig wollen Hersteller und Handel aber viel lieber die stärker motorisierten und besser ausgestatteten Versionen verkaufen, weil es da mehr zu verdienen gibt. Beim neuen Peugeot 308 spielt der „Filou 95 VTi“ diese Rolle des Lockvogels. Er ist mit 15.150 Euro in der Preisliste notiert.

Das ist nicht wirklich wenig Geld, doch dafür bekommt man einen immerhin 4,28 Meter langen, zweitürigen Kompaktwagen mit einer Mitgift, die 2008 nicht mehr so schlecht ist, wie sie in einem Basismodell vor zehn Jahren gewesen wäre: Servolenkung, ABS und ESP sowie sieben Airbags sind selbstverständlich, elektrisch verstellbare Außenspiegel und elektrische Fensterheber fehlen ebenso wenig wie Wärmeschutzverglasung, ein in Höhe und Tiefe verstellbares Lenkrad oder die Zentralverriegelung mit Fernbedienung.

Freude am Fahren vermag der Motor nicht zu vermitteln

Extra zahlen muss und kann man noch für eine Klimaanlage (1130 Euro), Metalliclack (430 Euro) und die Audioausrüstung (620 Euro). Vier statt zwei Türen kosten weitere 800 Euro. Sonst aber gibt es nichts, was man noch dazubestellen könnte, dem Filou-Käufer werden Tempomat, Sitzheizung, Kurvenlicht oder Handyvorbereitung schlicht vorenthalten. In Verbindung mit dem Basismotor kann man nur noch die nächsthöhere Ausstattungslinie Tendance ordern (1650 Euro Mehrpreis), die noch besseren Linien Sport, Sport Plus oder gar Platinum verkauft Peugeot nicht in Verbindung mit dem 1,4-Liter-Triebwerk, das 70 kW (95 PS) leistet.

95 PS für die Basis? Das ist doch üppig, früher sind wir mit viel weniger unterwegs gewesen, mag man denken. Das stimmt schon. Aber die Ansprüche sind im gleichen Maß gewachsen, wie die Autos aufgrund der hohen Sicherheitsausstattung immer schwerer geworden sind. Der kleine Motor mag all jenen genügen, die nur von A nach B wollen. Freude am Fahren, die über die reine Transportleistung hinausgeht, vermag der Motor nicht zu vermitteln. Es geht nur einigermaßen zügig voran, wenn die Gänge voll ausgedreht werden, dann nervt aber das Triebwerk mit lautem Dröhnen. Maximal sind 182 km/h möglich, dafür muss sich die Kurbelwelle aber 5800 Mal je Minute drehen. Leider gibt es keinen drehzahlsenkenden sechsten Gang, so dass die Maschine selbst bei Richtgeschwindigkeit mit 4200/min gehörig drehen muss. Bis Tempo 120 km/h ist es im Innenraum einigermaßen leise, danach wird es laut und lauter.

Wir alle sind nur viel zu verwöhnt

Bei einem Drehmoment von nur 136 Newtonmeter darf man auch keine Elastizitätswunder erwarten. Die 15,5 und 24,2 Sekunden, die der Peugeot für die Beschleunigung von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang braucht, sind unterdurchschnittlich. Doch bei aller Kritik: Natürlich kann man mit diesem Motor leben, wir alle sind nur viel zu verwöhnt. Wenigstens geht er einigermaßen sparsam mit dem Kraftstoff um. Der Schnitt von 7,7 Liter Super auf 100 Kilometer ist keine Ruhmestat, aber guter Durchschnitt. Mit großer Zurückhaltung lassen sich auch Werte von weniger als 6,5 Liter realisieren. Bringt man den Motor ständig an seine Grenzen, werden es mehr als acht Liter.

Die Maschine treibt die Vorderräder an, und das ohne Traktionsprobleme. Kurven lassen sich mit der präzisen Lenkung genau und ohne Korrekturen abarbeiten, Kombinationen absolviert das Fahrwerk mit Bravour. In dieser Hinsicht kann der 308 durchaus überzeugen. Die Karosserieneigung hält sich in Grenzen, das harmlose Untersteuern kann mühelos kontrolliert werden, außerdem hat man ja noch ESP in der Hinterhand. Die Bremsen packen fest zu und ermüden nicht so schnell. Auch das Schalten geht flott von der Hand, die Gänge sind hinreichend definiert, die Kupplung tritt sich leicht. Eine Automatik gibt es für dieses Modell nicht. Basis bleibt eben Basis.

Es muss nicht immer Leder sein

Französische Autos gelten gemeinhin als komfortabel. Das ist beim 308 nicht anders. Nur vor wirklich großen Löchern in der Fahrbahn kapituliert er, sonst liegt er ruhig und satt auf der Straße. Ungeachtet der schwachen Motorleistung könnte der Wagen sogar Langstreckentalent haben, wären da nicht die viel zu weichen und unbequemen Vordersitze. Sie machen weite Strecken nach einer gewissen Zeit zur kleinen Tortur. Dafür sitzt man hinten überraschend passabel, wenn man es in den Fond geschafft hat. Der Hebel an der Lehne des Vordersitzes, der jeweils gezogen werden muss, um das Fauteuil nach vorn zu klappen, ist nur mit Nachdruck zu bedienen, Kinderhände scheitern an dieser Übung. Danach folgt, wie bei jedem Zweitürer, dieses unwürdige Ins-Auto-Hineinklettern.

Hinten angekommen, beschweren sich vor allem die Kleinen über die starren Seitenfenster dort. Eine Mittelarmlehne gibt es im Basismodell nicht, wenigstens kann man in der Mitte einigermaßen sitzen. Ausgesprochen gut sind Bein- und Kopffreiheit. Ebenfalls nichts auszusetzen gibt es an der Bedienung und der Übersichtlichkeit der Instrumente, sobald man sich mit der französischen Tacho-Einteilung 50/70/110 angefreundet hat. Es finden sich zahlreiche Ablagen, statt eines Handgriffs am Dachhimmel gibt es auf der Fahrerseite ein Brillenfach. Das Kunststofflenkrad fasst sich angenehm an, es muss nicht immer Leder sein.

Sitzfläche senkrecht, Kopfstützen runter

Ebenfalls zufrieden sein darf man mit der Größe des Kofferraums: 348 Liter sind klassenüblich, die Rückbanklehne lässt sich asymmetrisch geteilt nach vorn legen, maximal ergeben sich gut 1200 Liter Ladevolumen. Die Prozedur, den 308 zum Kleintransporter zu machen, ist freilich beschwerlich. Einfach die Lehne umlegen geht kaum, weil sie im 45-Grad-Winkel stehenbleibt. Also muss zunächst die Sitzfläche senkrecht gestellt werden, dann müssen die Kopfstützen runter, und endlich hat man eine halbwegs ebene Ladefläche. Als Pluspunkt werten wir inzwischen das Notrad im Kofferraumboden (statt des immer öfter vorhandenen Tirefit, das einen bei schweren Reifenpannen im Regen stehenlässt).

Kaum als Pluspunkt lässt sich das Design des 308 werten. Das mag jeder anders sehen, im ersten Fahrtbericht zum neuen kompakten Peugeot schrieben wir von einem „schnittigen Meister des Alltags“ (5. Februar, 308 Sport HDi 110). Und: „Die Form fordert Entscheidungen. Vor allem von den Kunden. Denn vorn ist der neue Peugeot 308 scharf geschnitten für das Spiel mit den Winden, und hinten trägt er das Volumen eines Hecks, das Raum und Solidität signalisieren soll.“ Doch man kann sich auch auf den Standpunkt stellen, die Karosserie wirke viel zu schwülstig, wobei die größeren Blechflächen des Zweitürers diesen Eindruck gewiss noch verstärken. Die beiden Außenspiegel, die zudem zu klein sind, hängen wie Schlappohren am Auto, die Schnauze (Pardon, die Motorhaube) streckt sich spitz weit nach vorn.

Dennoch, der 308 hat schon seinen Freundeskreis gefunden, aber mit dem Filou können sich die Kunden nicht anfreunden. Nur knapp zwei Prozent der Käufer begnügen sich mit dem Grundmodell, die Hälfte davon bestellt die Tendance-Variante. Mit 95 PS ist heute einfach kein Staat mehr zu machen. 308-Favorit bei den Benziner-Käufern ist der 1,6-Liter-Motor mit 88 kW (120 PS) in der Sportausstattung für 20.100 Euro (als Viertürer). Dem ist nichts hinzuzufügen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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