Fahrtberichte

Fahrtbericht: Ford S-Max 2.5 T

Mit großem Volumen und sportlichen Genen

Von Michael Kirchberger

22. November 2006 Die Nische für große Autos ist gar nicht klein. Zusammen mit dem neuen Van Galaxy hat Ford ein Modell vorgestellt, das sich wegen seiner kühner und emotionaler geschwungenen Linien deutlich von den üblichen Kastenformen der Gattung abwendet. S-Max heißt die im Vergleich zum Galaxy fünf Zentimeter kürzere Version, ihre Spitzenmotorisierung gibt dem S im Namenszug, das wohl oder übel Sport bedeuten soll, seine Berechtigung. 162 kW (220 PS) leistet der turbogeladene 2,5-Liter-Fünfzylinder, er verleiht dem Fronttriebler beachtliche Fahrleistungen und treibt den Basispreis um rund 7000 auf 31 450 Euro für die höchste Ausstattungsstufe Titanium.

Fast 4,8 Meter streckt sich der viertürige Sportvan in die Länge und schiebt dabei einen mächtigen Bug vor sich her. Der Überhang ist nicht zwecks Fußgängerschutz weit nach unten gezogen, Wabengitter vor den Lufteinlässen stützen mit ihrer martialischen Anmutung den kraftvollen Auftritt. Hinter den angedeuteten Kotflügelverbreiterungen vorn lassen Kühlschlitze die Hitze von Motor und Bremsen entweichen. Von der Seite betrachtet, kann der Sportmax seine Wahlverwandtschaft nicht verleugnen; trotz der im Gegensatz zum Galaxy stark nach hinten abfallenden Dachlinie hat er Van-Statur, darüber können die bis zum Heck kräftig angeschrägten Flanken unter den D-Säulen nicht hinwegtäuschen. Sie stehen allerdings dem Gedanken an große Volumina eher entgegen, wir schätzen, die nicht der Funktion folgende Form schränkt das Stauvolumen des S-Max um etwa 100 Liter ein.

Tolles Raumgefühl dank Panoramadach

Allerdings kann man sich nicht über einen zu klein geratenen Kofferraum beklagen. 775 Liter bei voller Besetzung (fünf Sitze) stellt Fords Raumkönig bereit. Das Maximum erreicht, wer die drei Einzelsitze im Fond in ihre vorderste Position rückt. Selbst dann und bei vollständig zurückgeschobenen Vordersitzen hocken mittelgroße Menschen hinten eben noch bequem, Raum für die Ellbogen und über dem Kopf ist reichlich vorhanden. Noch mehr Komfort stellt sich mit dem Zurückfahren der Sitze um rund 20 Zentimeter ein. Jeder Passagier kann seine Position individuell einstellen, die Neigung der Rückenlehne variieren, die Sitzfläche macht die Bewegung mit, und stets findet sich eine passende Einstellung.

Das Raumgefühl gewinnt durch das große Panoramadach über den Köpfen, das seine 785 Euro extra wert ist. Zum Vergrößern des Kofferraums lassen sich die Lehnen im Fond umklappen, das geht mit links, nur beim Aufstellen muß die rechte Hand mithelfen. Wenn der S-Max zum Schulbus oder Kindergarten-Expreß gemacht werden soll, empfiehlt sich die Anschaffung der dritten Sitzreihe für 775 Euro. Dann kann der Sportvan außer dem Fahrer sechs Passagiere befördern, auf der hintersten Reihe sollten diese jedoch noch im Kindesalter sein, sonst wird es arg eng im Heck. Die Fahrerposition ist höher als in herkömmlichen Limousinen, es wird überdies ein vorzüglicher Seitenhalt geboten. Der schmeichelnde Bezug aus Leder und Alcantara steigert das Wohlbefinden nochmals, leert die Kasse aber um 1760 Euro.

Mäßig gelungene Verzierung des Interieurs

Das ausladende Armaturenbrett überspannt eine weite Fläche bis zur schräger als beim Galaxy stehenden Windschutzscheibe und ist mit griffsympathischem Material bezogen. Es droht hier jedoch schnelle Verschmutzung bei mangelnder Reinlichkeit, sonderlich pflegeleicht wirkt der Bezug nicht. Mittig thront ein Fach mit Klappe auf der Schalttafel, darunter finden sich Navigation und Audio-System, der Farbmonitor sitzt in passender Höhe und ist gut abzulesen, darunter die Bedienung der Klimaautomatik. Der Handbremshebel macht seinem Namen keine Ehre mehr. Er ist zum Griff geworden, der nun quer über die Mittelkonsole ragt und dabei die Schalter der Sitzheizungen beschattet. Die Armlehne mit einem großzügigen Fach darunter schließt den Lauf der Mittelkonsole ab, Ablagen und Getränkehalter finden sich in ausreichender Zahl.

Wenig gefällt dagegen die nur mäßig gelungene Verzierung des grau-schwarzen Interieurs mit silberfarbenen Dekorleisten und Flächen. Der Versuch, das Plastikmaterial wie Aluminium aussehen zu lassen, ist gescheitert. Mit mehr Genuß packt man ans lederbezogene Lenkrad, freut sich über die vielen Funktionen von Bordcomputer und Audioanlage, die man mit den in die drei Speichen eingelassenen Tasten fernbedienen kann. Keine Auffälligkeiten weisen die Instrumente auf, ordentliche Skalen geben klare Auskünfte über Tempo und Drehzahl. Bei Dunkelheit fehlt eine ausreichende Beleuchtung des Zündschlosses, irgendwann rutscht der Bart dann doch in den Schließzylinder, und munter springt der S-Max an.

Rabiate Einflüsse auf die Vorderräder

Ein feines Ansprechverhalten legt die Maschine an den Tag. Das Pedal braucht keinen Tritt, ein sachtes Streicheln reicht bereits, um den Turbobenziner anzuspornen. Der fünfte Zylinder ist erfolgreich im Kampf gegen die Massenkräfte zweiter Ordnung, Drehzahlgipfel erklimmt der Motor mit spielerischer Leichtigkeit. Von Anfahrschwäche keine Spur, die Reaktion auf Leistungsabruf erfolgt unmittelbar und ohne die turbotypische Atempause. Allerdings resultiert daraus eine gewisse Nervosität, die von einer Lenkung mit kräftiger Servounterstützung noch gesteigert wird.

Die rabiaten Einflüsse des Antriebs auf die Vorderräder bleiben sensiblen Fahrerhänden nicht verborgen, der S-Max keift und giftet, wenn das maximale Drehmoment von 320 Nm auf die Antriebswellen drückt. Auf nasser Fahrbahn ist das ESP beim Anfahren im gefühlvollen Dauereinsatz, in scharf gefahrenen Kurven greift es nicht minder beruhigend und zum rechten Zeitpunkt ein. Die Neigung der Karosserie bleibt dabei sehr gering, die Lenkung strafft sich ein wenig obendrein und vermittelt ein Gefühl der Sicherheit und leichten Kontrolle über den Wagen. Eine nicht zu harte Federung und nur geringe Wind- und Abrollgeräusche bei schneller Fahrt tragen dazu bei, daß Reisen komfortabel und entspannt gelingen. In schnellen Kurvenkombinationen bleibt der S-Max fein kontrollierbar, das Fahrwerk macht seine Sache gut, die Bremsen greifen sehr beherzt zu, die Dosierbarkeit leidet freilich darunter.

Ein rechter Hingucker als Freund der Familie

Das manuelle Sechsganggetriebe gehört beim 2,5-Liter-Turbomax zur Serienausstattung. Der knappe Hebel sitzt gut positioniert in der Mittelkonsole, kurze Wege und eine präzise ausgeführte Schaltkulisse erlauben schnelle und genaue Wechsel der Übersetzungen. Dabei läßt sich der kräftigste S-Max ohne übermäßig häufiges Schalten flott und zügig bewegen. Schon bei rund 2000 Umdrehungen in der Minute schwellen die Motor-Muskeln, oberhalb davon liegt immer genügend Kraft für einen flinken Zwischenspurt an. Doch selbst das drehzahlreduzierte Fahren führt nicht zum gewünschten Ziel. Der Ford entwickelt einen erheblichen Durst. Es erfordert schon einen starken Willen und einen hyperempfindlichen Gasfuß, um den Verbrauch unter die Zehn-Liter-Marke zu treiben. Eher mühelos schnellt der Konsum dagegen auf 12,9 Liter für 100 Kilometer. Der Durchschnittswert von 11,6 Liter Superbenzin ist trotz der Motorleistung und der großen Stirnfläche kein befriedigender Wert.

Dennoch macht sich der S-Max Freunde. Im Verkehrsfluß ist er ein rechter Hingucker, andere scheinen auf den Raum auf Rädern Neid oder zumindest Interesse dafür zu entwickeln. Als Zusatzausstattung ist der Parkpilot für 325 Euro zu empfehlen, denn vorn verliert sich die Nase des geräumigen Ford in den Weiten der Straßenschluchten, besonders die breite A-Säule schränkt den Blick in die Kurven ein. Kluge Rechner finden unterdessen passende Ausstattungsumfänge in den Paketangeboten von Ford, die komfort- oder sicherheitsorientiert den S-Max zu günstigen Preisen aufwerten. Dann schmeichelt er sich noch eleganter als Freund der Familie in die Herzen von Fahrer und Beifahrern.



Text: F.A.Z., 21.11.2006, Nr. 271 / Seite T3
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

 
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