Fahrtberichte

Fahrtbericht: BMW 120d Cabrio

Für das Leben mit dem offenen Diesel

Von Michael Kirchberger

20. Juni 2008 Die Form folgt der Funktion und entbehrt nicht einer gewissen Schönheit. Das 1er-Cabrio von BMW lockt mit vollendetem Frischluftvergnügen und bietet dennoch ein ordentliches Maß an Alltagstauglichkeit. Mit dem kräftigen Dieselmotor folgt es trotz steigender Preise für den öligen Kraftstoff der Tendenz im Cabrio-Geschäft, die Verbrauchswerte bei aller Liebe zum leistungsstarken Motor im Zaum zu halten. Für recht happige 33.500 Euro stellt der BMW-Händler das 120d Cabrio bereit.

Vier Sitze sollen es sein, damit die engsten Freunde sich nicht durch ständiges Daheimbleibenmüssen immer mehr vom Cabrio-Besitzer entfernen. Das Angebot von zwei einzeln ausgeformten Plätzen im Fond raubt dem kleinsten BMW jegliches Roadster-Gefühl, und seine Flanken wirken steil und hoch wie die Eiger-Nordwand, mehr Dynamik vermitteln Front und Heckansicht. Dann sorgen die wohlgefüllten Radhäuser für dynamische Bulligkeit, 16-Zoll-Räder gibt es serienmäßig, größere Dimensionen auf Wunsch, und sie verleihen dem kompakten Wagen noch mehr Format. Gleichwohl sitzen die Passagiere im 1er-Cabrio hinter hohen Mauern, sind umschlossen von der hohen Gürtellinie. Aus- und Einblicke leiden nur ein bisschen darunter.

Kräftiges Brummen und kein bisschen nervig

130 kW (177 PS) liefert der selbstzündende Zweiliter-Vierzylinder unter der vergleichsweise langen Haube. Im BMW-Konzern ist nur der Mini knapper geschnitten, den aber gibt es als Cabriolet nicht mit einem Dieselmotor. 350 Newtonmeter Drehmoment gibt der Diesel im BMW als Spitzenwert bei 1750 Umdrehungen in der Minute ab, das erlaubt in Verbindung mit dem etwas knorrig, aber stets präzise zu schaltenden Sechsganggetriebe ein sehr entspanntes Fahren ohne übermäßig viele oder gar hektische Übersetzungswechsel. Die Souveränität der Durchzugskraft ist ein guter Begleiter auf allen Fahrten, trotz des tadellosen Sprintvermögens des 120d überlässt der der Fahrer hektische Eile gern anderen.

Bereits um 1600/min baut die Maschine kräftige Leistung auf, dann bleibt ihre Kraftentfaltung bis fast 4000/min weitgehend konstant. Ebenso gleichmäßiges wie vehementes Beschleunigen oder die eilige Tempoaufnahme beim Überholen sind mühelos möglich. Das Arbeitsgeräusch des Diesels ist dabei nicht unangenehm. Selbst bei Fahrten mit geöffnetem Verdeck brummt er kräftig und nicht nervig. In 8,1 Sekunden treibt er das 1510 Kilogramm schwere Cabrio von 0 auf 100 km/h, das sind 0,4 Sekunden mehr als die gleichermaßen motorisierte Limousine in dieser Disziplin benötigt, sie ist rund 50 Kilogramm leichter.

Gleiten bei moderaten Geschwindigkeiten

Auch in der Höchstgeschwindigkeit hat die geschlossene Version die Nase um Haaresbreite vorn, sie erlaubt 226 km/h Spitzentempo, das Cabrio bringt es auf 222 km/h. Das ist gewiss kein Manko. Zwar gibt sich der offene Viersitzer auch während forcierter Fahrt keine Blöße bei Geradeauslauf und Seitenwindempfindlichkeit, doch es liegt seine Stärke im Gleiten bei moderaten Geschwindigkeiten. Dabei macht die stramme Verdeckkonstruktion selbst bei Spitzentempo keinen Ärger, sie spannt sich unnachgiebig über den Köpfen der Passagiere und lässt sich von keinem Lüftchen zausen.

Diese Stoffhaube macht ihre Sache weit besser als die vergangener Cabrio-Generationen bei BMW. Und die aktuelle offene 3er-Reihe hat sich vom textilen Wetterschutz zu- gunsten einer stählernen Konstruktion ohnehin schon verabschiedet. Dass unser 1er-Cabrio dennoch mit lauten Windgeräuschen ein gutes Maß an Zuneigung verspielte, lag an der Dichtung der Frontscheibe, die sich am oberen Rand leicht gelöst hatte und in ein vom Fahrtwind angeregtes Sirren verfiel.

Die Autobahnhatz macht das kleine Cabrio durstig

Der durchschnittliche Verbrauch schwankt in Abhängigkeit der Leistungsanforderung stark. Wer den 120d mit gefühlvollem Fuß um die Kurven treibt, wird, ohne sich anzustrengen, mit einem Konsum von 6,5 Liter Diesel für 100 Kilometer belohnt. Die Autobahnhatz dagegen macht das kleine Cabrio durstig, schnell steigt sein Kraftstoffbedarf auf mehr als acht Liter. Der Durchschnittswert von 7,1 Liter Diesel ist nicht eben gering, selbst die peinlich genaue Beachtung der Schaltempfehlungen in der zentralen Anzeige zwischen Tacho und Drehzahlmesser und die automatische Start-Stop-Funktion beim Halten vor Ampeln helfen da nicht. Verglichen mit dem ähnlich kräftig motorisierten Benziner fährt das Diesel-Cabrio jedoch erheblich genügsamer, man kann mit einem Minderverbrauch von mindestens 1,5 Liter rechnen.

Die Karosserie weist eine ordentliche Verwindungssteifigkeit auf. Kurvenräubern bleibt stets eine kontrollierbare und komfortable Angelegenheit, selbst dann, wenn schlechte Fahrbahnbeläge die nicht zu harte Federung fordern. Der Hinterradantrieb fördert die Agilität erheblich, wirkt sich obendrein sehr positiv auf den Wendekreis aus. 10,7 Meter braucht der offene 1er bei der Kehrtwende, manch ein frontgetriebener Kollege muss da weiter ausholen. Die Lenkung ist angenehm unterstützt, fast wirkt sie zu direkt, auf den ersten Kilometern muss der 1er-Pilot das gefühlvolle Drehen am Volant erst lernen, wenn er nicht die lange Gerade in Sinus-Kurven überwinden oder die Kehren knapper als nötig nehmen will.

Das Sahnestückchen der Fahrwerkskonfiguration

Die Bremsen sind das Sahnestückchen der Fahrwerkskonfiguration. Sie sprechen höchst gefühlvoll an, der Weg des Pedals von sanfter Verzögerung bis zur brachialen Notbremsung könnte kaum optimaler bemessen sein. Die Bedienung ist ebenfalls einfach, wer sich durch die Tiefen der i-Drive-Menüs navigiert hat und dann doch noch lernt, wie eine Routenführung gestoppt werden kann, steht kaum mehr vor unlösbaren Aufgaben. Das Stoffverdeck senkt sich in knapp 22 Sekunden und erfreulicherweise bei Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 40 km/h zuverlässig und schützend über die Passagiere. Das tröstet über die Dauer des Schließvorgangs hinweg, selbst der überraschende Wolkenbruch lässt sich so ohne nennenswerte Durchfeuchtung der Garderobe und des Innenraums überstehen.

Zurückhaltung ist unterdessen beim Beladen gefordert. Die Mitfahrer müssen sich beim Gepäck zurückhalten, zumindest wenn die Reise zu viert angetreten wird. Maximal 305 Liter finden im Kofferraum Platz, legt das Cabrio die Stoffmütze nach hinten, bleiben gar nur 260 Liter übrig. Der Zwischenboden, der Fehlfunktionen bei der Verdeckablage verhindern soll, verlangt vor allem nach weichem und knautschfähigem Reisegepäck, der Hartschalenkoffer findet nur schwerlich Platz.

Für die Reise in die Sommerfrische

Das Raumangebot auf den beiden Einzelsitzen im Fond taugt ohnehin eher für die Kurzstrecke, zumal der Einstieg bei geschlossenem Dach nach hinten nicht ganz einfach ist. So empfiehlt sich das 120d Cabrio durchaus für die Reise in die Sommerfrische, doch sollte man die eben eher nur zu zweit beginnen.

Der kleinste offene BMW ist gewiss kein Schnäppchen, und zudem ist die Liste der Extras lang und von kräftigen Forderungen geprägt. Gut 2000 Euro sind für die Lederpolsterung fällig, eine Klimaanlage kostet knapp 1000 (!), mit Automatikfunktion 1540 Euro. Mit nützlichen Helfern wie Tempomat und Parkpilot (zusammen 680 Euro) und Navigation (2800 bis 3530 Euro) sowie einigen kleinen Individualisierungen des Designs und der Interieur-Gestaltung überspringt das 120d Cabrio flink die 40.000-Euro-Marke. Es erfüllt dann aber auch die gehobenen Ansprüche an die offene Mobilität.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

 
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