Fahrtberichte

Fahrtbericht Peugeot 308 Sport

Ein schnittiger Meister des Alltags

Von Michael Kirchberger

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07. Februar 2008 Die Form fordert Entscheidungen. Vor allem von den Kunden. Denn vorn ist der neue Peugeot 308 scharf geschnitten für das Spiel mit den Winden, und hinten trägt er das Volumen eines Hecks, das Raum und Solidität signalisieren soll. Wer es gut meint mit dem 308, der spricht von stämmigen Hüften.

Aber im Ensemble sieht das gar nicht mal schlecht aus, auf den zweiten Blick stimmen die Proportionen, und der Peugeot bleibt trotz seines Wachstums in der kompakten Mittelklasse. Dazu gehören eine stattliche Motorenfamilie und ein nicht unangemessener Preis: Die zweitstärkste Dieselversion, der HDi 110 in Sport-Ausstattung, steht für 21.950 Euro in der Preisliste und entpuppt sich als ein angenehmer Zeitgenosse.

Kopfstützen für Sitzzwerge

Vorerst nur viertürig tritt der 308 an, und die beiden Pforten im Fond sind ein Versprechen, das eingelöst wird. Denn das Platzangebot auf der Rückbank ist wahrlich großzügig, der Raum für Beine und Füße entspricht dem höherer automobiler Klassen, allerdings sitzen die Kopfstützen auf unstatthaft niedrigem Niveau, Sitzzwerge könnten sie in eine passende Position schieben.

Der Einstieg nach hinten gelingt in würdevoller Haltung, die Türen öffnen weit genug, und wenn nur zwei Passagiere im Fond Platz nehmen, ist der Sitzkomfort fürstlich. Für einen dritten Mitfahrer ist dort immer noch genug Raum, doch sitzt er etwas verloren ohne den Seitenhalt, der auf den anderen, fein ausgeformten Plätzen offeriert wird. Wenig Freude bereiten die elektrisch zu öffnenden Seitenfenster hinten: Sie sind höchstens auf die Hälfte des Türausschnitts zu senken.

Panoramadach fast bis zum Heckfenster

Vorn vermittelt die große und sehr schräg stehende Windschutzscheibe einen sehr luftigen Eindruck. Besonders in Verbindung mit dem fast bis zum Heckfenster reichenden Panoramadach gibt sich der 308 sehr offenherzig. Eine elektrisch betriebene Jalousie verdeckt die Glasfläche wirksam, wenn die Sonne auf die Scheitel der Mitfahrer brennt.

Das Armaturenbrett mit seinen weichen Rundungen und einem hübschen Bezug aus sympathischem, rautenförmig gemustertem Kunststoff liegt wie ein Schreibpult vor dem Fahrer. Das schafft Raum und Bewegungsfreiheit, das Handschuhfach ist zwar ein wenig versteckt in der Unterschale der Schalttafel, bietet aber viel Stauraum.

Ablagen auf der Mittelkonsole, in den Türen und unter der Mittelarmlehne nehmen die notwendigen Dinge der Alltagsmobilität auf, große Getränkeflaschen finden jedoch keinen Platz. Die beiden Becherhalter hinter dem Handbremshebel sind zum sicheren Verstauen ungeeignet.

Spracherkennung für die Audioanlage

Der Chauffeur des Peugeot 308 findet sich an einem Arbeitsplatz, der weitgehend korrekt gestaltet ist. Die Bedienung der einzelnen Funktionen ist einfach, allein die Auslösetaste der Spracherkennung zur Steuerung der Audioanlage und des Navigationssystems am Blinkerhebel hat schon in der vorigen Generation nicht begeistern können.

Zwar hat der Fahrtrichtungsanzeiger eine komfortable Tipp-Funktion – leichtes Antippen genügt, und der Blinker lässt die Leuchten dreimal aufblitzen –, aber immer wieder wird dabei versehentlich die falsche Taste berührt. Das führt nicht nur zur Aufforderung, Sprachbefehle zu erteilen, sondern es unterbricht auch den momentanen Musikgenuss.

Die Instrumente sind ebenso wie die Luftaustrittsöffnungen mit filigranen Chromringen stilvoll umrandet, die weiß unterlegten Skalen hinreichend gut ablesbar. Der Bordcomputer nennt Durchschnitts- und Momentanverbrauch, auch über die Reichweite gibt er Auskunft. Die Nadel des Drehzahlmessers gerät bei 4500 Umdrehungen in der Minute in ein rot schraffiertes Feld.

Keine brachialen Gebaren

80 kW (109 PS) leistet der 1,6-Liter-Diesel. Und das tut er auf eine höchst angenehme Weise. Fern liegen ihm die Gebaren der drehmomentgewaltigen Kollegen aus der Sportlerriege, sanft setzt der Schub bei etwa 1700/min ein und bleibt bis über 3000/min nahezu konstant.

Die Mitfahrer wissen das zu schätzen, wirken doch keine plötzlich und brachial einsetzenden Kräfte auf ihre Köpfe. In Verbindung mit dem weich und dennoch genau manuell zu schaltenden Fünfganggetriebe kann der 308 HDi 110 ebenso komfortabel-sanft wie agil und munter bewegt werden.

Gemäßigter Durst

An Mut, den dunklen Drehzahlkeller zu betreten, sollte es dem Bändiger des Löwen-Markenzeichens nicht mangeln. Mit eben mal 1000/min rotiert die Kurbelwelle des Vierzylinders im fünften Gang bei Tempo 50. Das Beschleunigen wird dann ohne Zurückschalten zur langwierigen Übung; zum Dahinrollen und den Spritverbrauch zu reduzieren, dafür ist diese Drehzahl jedoch allemal gut.

Der Peugeot dankt es seinem Fahrer mit gemäßigtem Durst. Zwar gelang es nicht, den vom Hersteller genannten Durchschnittswert auch nur annähernd zu erreichen, die Freude am Fahren mag überwogen haben. Doch bewegte sich unser niedrigster Verbrauch immerhin schon in der Nähe der Norm. 60 Liter Tankinhalt sind da durchaus angemessen.

Unübersichtliche Karosserie

Trotz des schweren Diesels auf der Vorderachse kommt der 308 HDi 110 gut um die Ecken. Kurven lassen sich mit der recht präzisen und guten Rückmeldung über den Fahrbahnzustand liefernden Lenkung genau und ohne weitere Kurskorrekturen ansteuern, Kombinationen absolviert das Fahrwerk mit Bravour. Die Karosserieneigung hält sich in Grenzen, das harmlose Untersteuern kann mühelos kontrolliert werden.

Gute Noten gibt es ebenfalls für den Fahrkomfort. Die Abstimmung der Federung ist ein gelungener Kompromiss zwischen sportlicher Note und der Offerte angemessener Streicheleinheiten auf der Langstrecke.

In der Stadt stört die von den Säulen um die Dreiecksfenster links und rechts verursachte Einschränkung der Übersichtlichkeit: Beim Abbiegen muss sich der Peugeot-Fahrer um die Ecken tasten. Und die Außenspiegel liefern wegen ihrer geringen Dimensionen keine eindeutigen Ansichten des rückwärtigen Verkehrsgeschehens. Beim Rangieren heißt es, den Kopf stark nach hinten wenden und durch die große Heckscheibe spähen, was gerade von der älteren Generation nicht sonderlich geschätzt wird.

Volumen eines Kombis

Kaum Blößen gibt sich der 308 bei Transportaufgaben. 328 Liter Volumen sind ein gutes Mittelmaß in dieser Klasse, so viel wartet auf Beladung, wenn die Rücksitzbank aufrecht steht. Nach dem Umklappen steigt das Volumen auf 1201 Liter, manch ein Kombi könnte sich über ein solches Stauvermögen freuen.

Das Einrichten der Ladezone ist allerdings nicht ganz einfach. Das Klappen der Lehnen wird durch die Sitzflächen behindert, die soliden Bankteile ragen dann nach oben. Wirklich eben wird der Laderaumboden jedoch auch nach dem aufwendigen Demontieren der Kopfstützen an der Lehne und dem Hochstellen der Sitzflächen nicht. Das ist mehr als ein Schönheitsfehler, denn von der Kompaktklasse darf heute mehr Ladetauglichkeit erwartet werden. Immerhin bietet die Gepäckraumabdeckung ein flaches, aber praktisches Staufach, das auch vom Fahrzeugheck aus gefüllt werden kann.

Der Peugeot 308 kann vieles gut, in manchen Disziplinen ist er noch besser. Seine unauffällige Stärke: Mehr Auto braucht der Mensch kaum, und der Preis ist aufgrund der durchaus ansehnlichen Serienausstattung höchst attraktiv.

Empfohlener Preis 21.950 Euro
Preis des Testwagens 25.580 Euro

Vierzylinder-Dieselmotor, Turboaufladung, Common-Rail-Direkteinspritzung, vier

Ventile je Zylinder, 1560 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 80 kW (109 PS) bei 4000/min

Höchstes Drehmoment 240 Nm bei 1750/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1500 bis 3300/min

Manuelles Fünfganggetriebe (Automatik wird nicht angeboten )

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 4,28/1,55/1,5 Meter

Radstand 2,61, Wendekreis 10,7 Meter

Leergewicht 1322 (tatsächlich 1420), zulässiges Gesamtgewicht 1850, Anhängelast 1520 Kilogramm; Kofferraumvolumen 328 bis 1201 Liter

Reifengröße 205/55 R 16 84 V

Höchstgeschwindigkeit 190 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 11,3 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 8,9/12,2 s

Verbrauch 5,1 bis 8,2, im Durchschnitt 6,8 Liter Diesel je 100 km; 125 g/km CO2 bei Normverbrauch von 4,7 Liter; Tankinhalt 60 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 16, TK 20, VK 16

Wartung und Reparaturen Wartung alle 20.000 Kilometer, zwei Jahre Garantie, sechs Jahre Garantie gegen Durchrostung



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

 
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