Von Michael Kirchberger
18. April 2008 Ein kleiner Schritt für das Automobil, ein großer Schritt für Hyundai. Das jüngste Produkt der koreanischen Marke schließt mit Design und einem kräftigen Diesel zu den Konkurrenten aus Japan und Europa auf.
i30 heißt der viertürige Kompaktwagen, der mit harmonischen Karosserielinien und vor allem mit einem guten Platzangebot gefallen will. Der Selbstzünder soll für sparsames Vorankommen sorgen. 19.390 Euro kostet der neue Hyundai mit dem 85 kW (116 PS) starken 1,6-Liter-Vierzylinder.
Modische Allüren auf Kosten der Sicherheit
Der i30 will seriös und geschäftsmäßig wirken. Anthrazit ist die bevorzugte Farbe des Innenraums, unterbrochen wird die Tristesse von anderen, sanft abgestuften Grautönen, das macht die Atmosphäre nicht wirklich freundlicher. Immerhin setzen Chromringe um die Lüftungsdüsen kleine Kontraste.
Wirklich Farbe ins Spiel kommt erst des Nachts, wenn die hinterleuchteten Bedienelemente und die Skalen der Rundinstrumente in sattem Blau erstrahlen. Der Ansatz ist gut gemeint, aber falsch, denn blaues Licht ist deutlich schlechter wahrzunehmen als weißes. Zugunsten einer modischen Allüre wird der Sicherheitsstandard gesenkt. Tagsüber lassen sich Tempo und Drehzahl dagegen tadellos ablesen.
Der Schalthebel schmeichelt zarten Händchen nicht
Die Materialwahl für Bezüge, Knöpfe und Schalter ist weitgehend in Ordnung. Die meisten Bedienelemente fassen sich sogar ausgesprochen sympathisch an. Das gilt leider nicht für jene, die man am häufigsten in den Händen hat.
Das Lenkrad - in Höhe und Tiefe verstellbar - hat einen rauhen Kunststoffkranz, der in der Handfläche kratzt. Die Schaltwege sind kurz, der Hebel auch, aber sein Knauf schmeichelt einem zarten Händchen nicht. Eine gute Sitzposition lässt sich im i30 schnell einstellen, der Neigungswinkel der Lehne sowie die Sitzhöhe sind schnell justiert. Einen Einparkhelfer bietet Hyundai nicht an, er würde dem i30 gut stehen.
Dass es keine Komfort-Blink-Funktion gibt, bei der ein Antippen für ein dreimaliges Aufleuchten der Blinkleuchten genügt, wollen wir ihm noch verzeihen, obwohl das mittlerweile selbst in der Kompaktklasse fast schon Standard ist. Dass aber die Rückstellautomatik nicht funktioniert und der i30 über Kilometer ein falsches Signal über die Absichten seines Fahrers sendet, ist wahrlich ungehörig.
Viel Platz im Innenraum
Der Innenraum bietet reichlich Platz für alle. Vorn finden sich Ablagen in angemessenen Größen, allerdings nur zwei mit rutschfesten Böden. Wer etwa Münzen in einer der anderen unterbringt, muss spätestens nach der zweiten Kurve neu stauen. Über dem Innenspiegel wartet ein ausklappendes Fach auf die Sonnenbrille, Getränkehalter bieten für Flaschen bis 1,5 Liter Platz.
Im Fond herrscht kein Mangel an Beinfreiheit, über den Scheiteln der Rückbank-Passagiere ist ebenfalls ausreichend Luft. Die Lehnen der Rückbank klappen vom Anhauchen nach vorn, bleiben dann etwa im 30-Grad-Winkel auf den Polstern der Sitzfläche liegen. Die gilt es in eine vertikale Position zu stellen, wenn eine ebene Ladefläche gewünscht wird, dazu müssen die drei Kopfstützen herausgezogen und anderswo verstaut werden, 1250 Liter passen dann in den Kofferraum, minimal 340 Liter.
Beeindruckende Verbrauchswerte
Mit dem 1,6-Liter-Diesel ist der i30 ordentlich motorisiert. Der Vierzylinder ist die leistungsschwächere Ausgabe eines Pärchens, der kräftigere Bruder leistet 103 kW (140 PS). Aber so viel braucht es nicht, um den 1340 Kilogramm schweren Hyundai angemessen anzuschieben. In 11,4 Sekunden geht es von 0 auf 100, 195 km/h Spitze schafft der frontgetriebene Viertürer.
Seine Verbrauchswerte beeindrucken durchaus: 4,9 Liter für 100 Kilometer, und dabei muss man sich nicht übermäßig zurückhalten oder schleichen. Kräftiges Gasgeben führt auf bis zu 6,9 Liter. Der Durchschnitt von 5,7 Liter Diesel für 100 Kilometer verleiht dem koreanischen Kompaktwagen in Belangen der Umwelt einen weißen Hemdkragen, ein Partikelfilter gehört zur Serienausstattung.
Die Bremsen rubbeln
Im Drehzahlkeller fühlt sich der Selbstzünder gar nicht wohl, doch wird er aufgrund eines extrem lang übersetzten Getriebes häufig an diesen dunklen Ort geschickt. 50 km/h im fünften Gang sind kaum möglich, selbst im vierten dreht die Maschine bei dieser Geschwindigkeit mit nur 1400 Touren.
Auf diesem Drehzahlniveau treten heftige Vibrationen und lautes Brummen auf, so dass nur leidensfähigste Chauffeure nicht flink einen niedrigeren Gang wählen. Ein Leisetreter ist der kleine Diesel im i30 beileibe nicht. Bei höheren Drehzahlen vergehen ihm die brummigen Launen nicht. Die stören bei längeren Fahrten erheblich, zumal sie sich mit lauten Wind- und Abrollgeräuschen mischen. Das gute Durchzugsvermögen und der harmonische Verlauf der Drehmomentkurve können nur bedingt dafür entschädigen. Ordentlich Kraft stemmt der Vierzylinder von 1700/min an auf die Antriebswellen.
Das manuelle Fünfganggetriebe lässt sich mit kurzen Wegen hinreichend präzise schalten, die Bremsen arbeiten zuverlässig und mit einem gut definierten Druckpunkt. Leichtes Rubbeln stellt sich ein, wenn man aus hoher Geschwindigkeit heftig bis zum Stillstand verzögert, ihre Wirksamkeit verlieren die Bremsen deswegen nicht.
Kein gutes Fahrgefühl
Ein paar Streicheleinheiten wünschten wir der Federung. Sie ist nicht wirklich hart, sie verhindert vor allem nicht die erhebliche Seitenneigung der Karosserie in Kurven. Dennoch gibt sie Stöße und Schläge der Fahrbahn nur wenig gemindert nach innen weiter. Daraus resultiert ein eher unharmonisches Fahrverhalten.
Hohes Tempo in Autobahnkurven macht keine Freude, zu unruhig gibt sich der i30. Bei Nässe geht bald die Traktion der Vorderräder verloren, selbst der eiligste Fahrer bewegt sich dann lieber vorsichtig und zurückhaltend im Hyundai fort. Dass die Lenkung keine vernünftigen Rückmeldungen über den Fahrbahnzustand und die Traktionsbedingungen gibt, erleichtert den Fahrer seine Aufgabe ebenfalls nicht. Beim Rangieren neigt sie obendrein zum Verhärten.
In Korea lernt man schnell und reagiert unverzüglich
Bei der Ausstattung braucht sich der kompakte Hyundai nicht zu verstecken. Zwar steht das höchste Niveau mit dem Namen Premium für diese Motorisierung nicht bereit, doch schon die Ausstattungsstufe Comfort erfüllt die meisten Ansprüche. Eine manuell zu bedienende Klimaanlage ist an Bord, elektrisch lassen sich die Fenster vorn und hinten öffnen und die Spiegel verstellen.
Ein Radio mit CD-Spieler einschließlich der hilfreichen USB-Anschlüsse für MP3-Spieler ist ebenfalls serienmäßig. Der Bordcomputer informiert über Verbrauch und Reichweite, das Außenthermometer über Frostgefahr. An Extras wird nicht viel geboten, mit einem Panoramadach für 790 Euro und einer Vierstufen-Automatik für 1190 Euro erschöpft sich die Liste. Bei der Lackierung darf der i30-Kunde nicht wählerisch sein. Fünf Metallic-Farben können für 450 Euro Aufpreis bestellt werden, ansonsten gibt es nur roten Lack.
Hyundai stellt mit dem neuen Kompakten ein beachtenswertes Angebot bereit. Kleine Unzulänglichkeiten bei Komfort und Fahrverhalten müssen freilich in Kauf genommen werden. Aber, und das haben wir schon lange begriffen, in Korea lernt man nicht nur schnell, man reagiert auch unverzüglich auf Kritik.
Daten und Messwerte
Empfohlener Preis 19.390 Euro
Preis des Testwagens 19.840 Euro
Vierzylinder-Turbodieselmotor, Common-Rail-Direkteinspritzung, vier Ventile je Zylinder, 1582 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 85 kW (116 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 255 Nm bei 1900/min, 90 Prozent davon ab 1750 bis 3300/min
Manuelles Fünfganggetriebe (Vierstufen-Automatik 1190 Euro)
Antrieb auf die Vorderräder
Länge/Breite/Höhe 4,25/1,78/1,48 Meter
Radstand 2,65, Wendekreis 10,2 Meter
Leergewicht 1291 (tatsächlich 1340), zulässiges Gesamtgewicht 1820, Anhängelast 1400 Kilogramm, Kofferraumvolumen 340 bis 1250 Liter
Reifengröße 185/65 R 15 103 V
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 11,4 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 9/15,1 s
Verbrauch 4,9 bis 6,9, im Durchschnitt 5,7 Liter Diesel je 100 km; 125 g/km CO2 bei Normverbrauch 4,7 Liter; Tankinhalt 53 Liter
Versicherungs-Typkl. HP 20, TK 22, VK 19
Garantie 3 Jahre Fahrzeuggarantie ohne Kilometerbegrenzung, 10 Jahre gegen Durchrostung von innen nach außen, Mobilitätsgarantie 15 Jahre.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller
