Von Boris Schmidt
20. März 2008 Bald kostet Benzin zwei Euro. Nun, bald ist relativ, aber wir werden es erleben. Als einer der ersten Automobilhersteller hat BMW begriffen, dass die Motoren in unseren Fahrzeugen noch spürbar sparsamer werden müssen als sie es in den vergangenen Jahren schon geworden sind. Autofahren muss erschwinglich bleiben, und die Umwelt freut sich über jedes nicht verbrannte Gramm CO2.
Da aber BMW seine Autos stets über den Fahrspaß definiert, versucht man zurzeit, Sparsamkeit und die Freude am Fahren zu verbinden: Efficient Dynamics“ hat man dieses Programm genannt, mit dem – was die Normverbräuche angeht – schon beachtliche Erfolge erzielt worden sind.

Mit verschiedensten technischen Maßnahmen wird der Motor beziehungsweise das gesamte Auto aufs Maßhalten getrimmt. Wichtig für BMW: Die Motorleistung wird nicht zurückgenommen, im Gegenteil, sie steigt sogar.
Start-Stopp-Innovation aus den achtziger Jahren
Das Einzige, was der Fahrer von der neuen Effizienz mitbekommt, ist die Start-Stopp-Automatik und die Schaltanzeige. Start–Stopp? Das gab es in den achtziger Jahren schon von VW, nur konnte es sich nicht durchsetzen.
So funktioniert’s: Der Motor geht vor der Ampel einfach aus, wenn der Wagen steht, der Leerlauf eingelegt ist und die Kupplung nicht getreten wird. Sobald die Kupplung betätigt wird, springt die Maschine wieder an. Und zwar so flugs, dass es keinerlei Zeitverzögerung gibt.
An das Aus und An im Stadtverkehr kann man sich gewöhnen. Mit der Zeit lernt man, den Fuß auf der Kupplung zu lassen (Motor läuft weiter), wenn abzusehen ist, dass der Halt nur von sehr kurzer Dauer sein wird. Aber bei modernen Motoren genügen schon zwei, drei Sekunden Halt, und der Stopp hat sich gelohnt.
Hilfe für Schaltanfänger
Das System läuft nicht immer, zu den Voraussetzungen gehört, dass der Motor warm ist und die Batterie noch genügend Kraft hat. Bei Temperaturen unter drei Grad Celsius bleibt Start–Stopp generell ausgeschaltet.
Nur Beiwerk ist die Schaltanzeige im Armaturenbrett, die vorgibt, wann der nächsthöhere Gang gewählt werden sollte. Sie müsste konsequenterweise in die Scheibe eingespiegelt werden, und eine Hilfe kann sie allenfalls für den sein, der gar keine Ahnung vom effizienten Umgang mit einem Schaltgetriebe hat.
Der Normwert und die Wirklichkeit
Bis zu 27 Prozent Kraftstoffersparnis verspricht BMW durch Efficient Dynamics“, zu deren weiteren technischen Kniffen unter anderem das Laden der Batterie (die ist im Boden des Kofferraums) beim Bremsen und eine elektrische Lenkung, die weniger Energie benötigt, gehören.
Mit dem stärksten Dieselmotor (2,0 Liter Hubraum, kräftige 150 kW/204 PS – neu im 1er-Programm) benötigten wir im 123d im Schnitt 7,6 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Das ist angesichts der Leistung kein schlechter Wert, aber versprochen werden 5,2 Liter (kombiniert) und gar nur 4,4 Liter außerorts.
Man kann es nicht oft genug wiederholen: Diese Norm-Angaben, die nach bestimmten Prüfzyklen ermittelt werden, haben mit der täglichen Praxis kaum etwas zu tun. Unsere Erfahrung zeigt immer wieder, dass im Alltag zum kombinierten Wert fast immer 1,5 bis 2,0 Liter addiert werden müssen. Andererseits sind 40,29 Liter für eine 560-Kilometer-Etappe, die eilig auf der Autobahn zurückgelegt wurde, aller Ehren wert. Schneller als 210 km/h waren wir jedoch nicht unterwegs, wegen der Winterreifen.
Sprint von 50 bis 100 km/h ohne Schalten
Der kleine, starke BMW ist mit 238 km/h Spitzengeschwindigkeit angegeben, und er enttäuscht alle nicht, die einen echten Kerl suchen. Das Aggregat ist für einen Diesel nahezu untypisch drehfreudig, gleichzeitig glänzt es mit einer vorbildlichen Elastizität. Es spielt beinahe keine Rolle, in welcher Fahrstufe man niedertourig unterwegs ist, der Motor beschleunigt nach dem Tritt aufs Pedal gehörig.
Die Messwerte in der Disziplin Sprint von 50 bis 100 km/h ohne Schalten in den großen Gängen“ sind der beste Beweis dafür (siehe Tabelle). Zudem sind die Gänge gut aufeinander abgestimmt und lassen sich flüssig wechseln, der sechste sorgt dafür, dass man auf der Autobahn mit hohem Reisetempo bei moderaten Touren unterwegs sein kann. Wie alle BMW-Diesel hat auch der 123d einen Partikelfilter serienmäßig.
Die Landstraße wird zum Erlebnis
Ein Familienauto kann und will der 1er aber nicht sein – trotz vier Türen, die den Wagen im Vergleich zum Zweitürer 850 Euro teurer machen. Das fängt schon beim Antriebskonzept an: Hinterradantrieb bietet sonst niemand in der Kompaktwagenklasse. Er ist die Voraussetzung für keinerlei Antriebsflüsse in der Lenkung, und nur mit angetriebenen Hinterrädern kann man den Wagen im Drift schön durch die Kurven pfeifen lassen.
Man wagt es ja kaum noch zu schreiben, aber das geht tatsächlich, wenn man das ESP (von BMW DTC genannt) abschaltet. Das kann man aber nur verantwortungsbewussten Fahrern raten, die etwas am Volant können, sonst landet man (vor allem auf nasser Straße) schnell mit dem Heck zuerst im Graben.
Mit ESP ist das fast unmöglich, es reagiert sehr früh und nimmt die Leistung sofort von den Hinterrädern weg. Der 123d ist ein vorbildlich fahraktives Auto, ganz in der Tradition der ersten 3er-Serien. Hier wird die Landstraße zum Erlebnis, auch weil Fahrzeug und Fahrer eine Einheit bilden.
Kein bequemes Auto
Man spürt einfach mehr als in anderen Autos, dass man fährt, auch weil die Lenkung die Befehle des Piloten sofort umsetzt. Auch die Bremsen (vorn und hinten innenbelüftet) sind vorzüglich. Zum sportlichen Touch gehört selbstverständlich eine Federung von der straffen Sorte.
Sie trägt zwar einen großen Teil zur Agilität auf der Landstraße bei, ein bequemes Auto ist der 1er aber gewiss nicht. Dafür versöhnt er wieder mit seiner Funktionalität. Alle Hebel und Schalter sitzen am rechten Fleck, die Instrumente sind klar gezeichnet, das Lenkrad ist griffig und liegt prima in der Hand. Größer sein könnten die Außenspiegel, und auch mit der Übersichtlichkeit ist es nicht weit her.
Eng und knapp geschnitten
Eine große Schwäche hat der 1er auf jeden Fall: Er ist ein enges, relativ knapp geschnittenes Auto. Der Fahrer schmiegt sich nah an die Tür, gleich über ihm ist das Dach, kurz vor ihm die kleine Windschutzscheibe. Noch enger geht es hinten zu. Nominell ist der viertürige 1er zwar ein Fünfsitzer, allenfalls Kinder kommen auf der Rückbank kommod unter, und dann sollten Papa und Mama ihre Sitze etwas nach vorne fahren.
Der Kofferraum hat ein Volumen von 350 Liter, für den Urlaub zu viert reicht das kaum. Klappt man die asymmetrisch geteilte Rückbanklehne um, steigt das Volumen auf 1150 Liter. Doch Größe hin oder her – es gibt gewiss geräumigere Kompaktwagen –, der 1er-BMW ist unglaublich beliebt. In Deutschland ist er in der Zulassungs-Statistik seit seinem Erscheinen im Jahr 2004 in den Top Ten, ungeachtet der hohen Preise.
Verführerische Liste
Stolze 31.700 Euro kostet der 123d. Zwar ist die Grundausstattung beileibe nicht schlecht, doch die Liste der Sonderausstattungen hält so viel Verführerisches parat, dass man aus einem 32.000-Euro-Auto auch ein 46.000-Euro-Auto machen kann.
Unser Testwagen hatte unter anderem Lederpolster (1780 Euro), Navigation Professional (2800 Euro) oder elektrisch verstellbare Vordersitze (1250 Euro), um nur drei große Posten zu nennen. Wirklich ärgerlich ist, dass sich BMW auch so Kleinigkeiten wie Fußmatten (100 Euro), Getränkehalter und Lehnen-Netze an den Vordersitzen, 12-Volt-Steckdose (130 Euro) oder sogar klappbare Fondkopfstützen (30 Euro) zusätzlich bezahlen lässt.
Den Kunden stört das scheinbar wenig. Er liebt seinen BMW. Wir können ihn verstehen. Mit der effizienten Dynamik ist BMW zweifelslos auf dem richtigen Weg. Sie ist eine Option für die Zukunft.
Daten und Messwerte
Empfohlener Preis 31.700 Euro
Preis des Testwagens 45.627 Euro
Vierzylinder-Dieselmotor, zwei Turbolader, Common-Rail-Einspritzung, vier Ventile je Zylinder, 1995 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 150 kW (204 PS)
Höchstes Drehmoment 400 Nm, 90 Prozent davon ab 1500 bis 3500/min
Manuelles Sechsganggetriebe (Sechsgang-Automatik-Getriebe 2050 Euro)
Antrieb auf die Hinterräder
Länge/Breite/Höhe 4,24/1,75/1,60 Meter
Radstand 2,66, Wendekreis, 10,70 Meter
Leergewicht 1410 (tatsächlich 1480), zulässiges Gesamtgewicht 1910, Anhängelast 1200 Kilogramm; Kofferraumvolumen 330 bis 1150 Liter
Reifengröße 205/50 R17 89W RSC
Höchstgeschwindigkeit 238 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 7,5 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 7,3/9,3/13,2 s
Verbrauch 6,9 bis 9,4, im Durchschnitt 7,6 Liter Diesel je 100 km; 138 g/km CO2 bei Normverbrauc h von 5,2 Liter; Tankinhalt 51 Liter
Versicherungs-Typklassen HP 17, VK 20, TK 23
Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf Lack, 12 Jahre auf Durchrostung, 5 Jahre Mobilitätsgarantie, Wartung nach Service-Intervallanzeige
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller
