Von Gerold Lingnau
03. Juli 2008 Was ein paar Zentimeter mehr doch ausmachen können: 20 davon verhelfen dem Renault Grand Espace auch mit Siebener-Besatzung zu einem Kofferraum, der den Namen einigermaßen verdient, 23 schaffen die Voraussetzung dafür, auch im Scenic sieben statt nur fünf Personen unterzubringen, und neuerdings sollen bescheidene 16 dem Modus die Karriere retten.
Renaults kleinster Van hatte nämlich einen Geburtsfehler: Er war mit nur 3,79 Meter Länge zu kurz geraten, um wirklich praktisch zu sein. Auch die Deutschen haben ihm das übelgenommen und im vergangenen Jahr nicht einmal 10.000 Stück gekauft.

Das reichte nur zu Platz 8 im Segment Mini-Vans der offiziellen Zulassungsstatistik, das 2007 rund 215.000 Autos umfasste. Also kein Jagdglück für den kleinen Gallier, der beim Facelift im Januar zwar auf 3,87 Meter gewachsen ist, doch ohne den geringsten Gewinn beim Nutzraum.
Maximallösung nur für Singles
Der Grand Modus soll jetzt den Erfolg nachholen. Natürlich durfte er dem kurzen Scenic (4,26 Meter) nicht allzu dicht auf den Pelz rücken, und so blieb es beim etwas halbherzigen Zuwachs auf 4,03 Meter. Der ging mit einer soliden Verlängerung des Radstands um fast zehn Zentimeter einher.
Profitiert hat davon vor allem der Kofferraum. Die hintere Sitzbank ist hier nämlich um etwa 15 Zentimeter längs verschiebbar, und so lässt sich das Gepäckvolumen allein damit von 305 auf 410 Liter vergrößern. Bei dieser Maximallösung - eine verlängerte Abdeckung schützt die Bagage vor neugierigen Blicken - kann hinten freilich niemand mehr sitzen, so dass sie nur für reisende Singles oder Duos in Frage kommt.
Komplizierter Umbau
Will man noch mehr Platz im Kofferraum schaffen, gehen die Probleme erst richtig los. Man kann zwar die Bank nebst ihrer ungleich geteilten Lehne nach vorn wickeln, aber nur, wenn man sie ganz vorgerückt hat, denn sonst kommt man nicht an die Entriegelungshebel heran. Dann sind jedoch die vorderen Sessel im Weg, und sie müssen ihrerseits erst um mindestens 14 Zentimeter - von ihrer hintersten Position aus gerechnet - vorgeschoben werden, um das Maximalvolumen von kaum glaubhaften 1454 Liter entstehen zu lassen.
Hinter dem Lenkrad haben dann nur noch Kinder (wenn sie denn fahren dürften) oder Zwergwüchsige Platz. Man wird sich also in den meisten Fällen mit dem Klappen der Rückbanklehnen begnügen müssen; dann entsteht eine 25 Zentimeter hohe Stufe, die den Kofferraum für sperriges oder schweres Gut disqualifiziert.
Viel Raum nach oben
Zum hilfreichen Gelegenheitstransporter ist der Grand Modus also nicht geboren. Wer ihm das nachsehen kann, lernt ihn wenigstens als passagierfreundliches Auto kennen. Das fängt beim Einsteigen an, das vorn nicht weniger bequem verläuft als hinten. Die Sitze für Fahrer und Beifahrer haben vernünftiges Maß, doch der Fond ist eher für Vorschüler als für Gymnasiasten geeignet: viel zu kurze Sitzflächen, viel zu niedrige Lehne (doch ausreichend hohe Kopfstützen), für drei kaum genügende Breite.
Wirklich Raum gibt es nach oben, denn der Grand Modus ist stolze 1,59 Meter hoch. So hat er auch große Fensterflächen, die der Übersicht des Fahrers sehr zugutekommen - nicht einmal die vorderen Dachsäulen sind ihr gefährlich im Weg. Der kurze Bug ist freilich nicht im Blick, hier wie am Heck kann eine Einparkhilfe beim Händler nachgerüstet werden (zusammen 478 Euro plus Montage).
Der Beschleunigung immer ein Stück hinterher
Die Instrumente thronen, wie beim kurzen Modus, in der Mitte auf dem Armaturenbrett, und daran muss man sich ebenso gewöhnen wie an den digitalen Tachometer mit seinen riesigen Ziffern, die dem tatsächlichen Beschleunigungsgeschehen immer ein Stück hinterherspringen. Ganz untauglich ist der Drehzahlmesser mit seiner Klötzchen-Skala, eine reine Designer-Spielerei.
Auch sonst ist der Innenraum nicht frei von ergonomischen Ungereimtheiten, etwa in Gestalt des kombinierten Gebläse- und Temperatur-Drehschalters oder des mit Funktionen überfrachteten Bordcomputers. Eine zuschaltbare Klimaanlage ist beim Basismodell Authentique ein Aufpreis-Extra, das nur zusammen mit einem CD-Radio nebst Bedienungssatellit an der Lenksäule zu haben ist (ab 1250 Euro).
Zum Sparprogramm gehört auch, dass die Außenspiegel manuell einzustellen sind - dagegen wäre nichts zu sagen, wenn damit nicht auch ihre Beheizbarkeit entfiele. Immerhin gibt es elektrische Fensterheber vorn, während die Fenster-Airbags für 380 Euro zugekauft werden müssen.
Selbst grobe Unebenheiten werden geschluckt
Auch der Fahrsicherheit muss beim Authentique mit zusätzlichem Geld aufgeholfen werden: ESP kostet hier 300 Euro, und die sollte man trotz der gutmütigen Fahreigenschaften des Grand Modus nicht scheuen. Er lässt sich in Kurven jederzeit sicher beherrschen - die Lenkung könnte etwas weniger leichtgängig sein -, erlaubt sich hier als braver Untersteuerer wenig Eigenleben und wird im Bedarfsfall von der Elektronik harsch gezügelt.
Tadellos arbeiten die Bremsen. Wenig zu bemängeln gibt es auch am Fahrkomfort. Auf schlechten Fahrbahnen neigt der Renault zwar zu Poltern und kleinen Karosseriegeräuschen, schluckt aber selbst gröbste Unebenheiten sehr gefasst und ohne seine Insassen damit zu belästigen.
Eingeschränkte Motorenauswahl
Wenn man sich beim Grand Modus mit dem Basismodell Authentique bescheidet, ist auch die Motorenauswahl auf zwei Benziner und einen Diesel beschränkt. Ergreift man die billigste Möglichkeit, wie im Fall unseres Wagens, gibt es den 1,2-Liter-Ottomotor mit 55 kW (75 PS).
Wer freilich viel mit voller Besetzung, auf längeren Strecken oder in gebirgiger Topographie unterwegs ist, sollte lieber eine stärkere Motorisierung nehmen. Denn wenn man häufig zurückschalten muss, um im Verkehr Schritt zu halten, büßt man den erhofften Verbrauchsvorteil bald wieder ein.
Hoher Verbrauch und lauter Innenraum
Obwohl unser Grand Modus mit 1170 Kilogramm Leergewicht nicht unmäßig schwer war, kamen wir im Durchschnitt auf 7,3 Liter Super je 100 Kilometer und auf der Autobahn an 9 Liter. Die bei dieser Motorschwäche eigentlich richtigen kurzen Übersetzungen der mit leichter Hand zu schaltenden Getriebegänge wirken sich auch eher negativ aus: auf den Verbrauch ohnehin, aber mehr noch auf das Geräuschbild, denn der Vierzylinder tönt schon von mittleren Drehzahlen an laut und scharf.
In 14 Sekunden bringt er den Grand Modus von 0 auf 100 km/h, aber schon 16,3 Sekunden braucht er, um ihn im 4. Gang von 50 auf 100 km/h zu beschleunigen, im 5. Gang gar 25,3 Sekunden. Mit der Höchstgeschwindigkeit von 162 km/h können auch nur moderate Ansprüche erfüllt werden.
So bieten sich, wenn der Grand Modus nicht bloß als Nahverkehrsmittel dienen soll, entweder der 68-PS-Diesel mit seinem um die Hälfte höheren Drehmoment, der 100-PS-Benziner oder gleich die Ausstattungsvariante Dynamique an, mit dem Zugriff auf die übrigen, stärkeren Motorisierungen.
Viel Geld für einen mager ausstaffierten VanSerious Games
Mit 12.950 Euro ist der Einsteiger-Grand Modus auf den Cent genauso günstig wie der Basis-Modus in kurzer Ausführung, um den Preis einer geringfügig ausgedünnten Serienausstattung. Das ist aber ein singuläres Sonderangebot, in allen sonstigen Fällen kostet der Grand 1500 Euro mehr.
Ärgerlicher ist, dass der Version Authentique viele nützliche Aufpreis-Extras grundsätzlich verwehrt bleiben. Der Übergang zum Dynamique muss mit weiteren 2500 Euro bezahlt werden, und dann erhält man eine ansehnliche, doch von komplett immer noch weit entfernte Ausstattung. Unser Exemplar kam auf 15.448 Euro, und das ist für einen recht mager ausstaffierten kleinen Van mit bedauerlichen funktionellen Mängeln ein schönes Stück Geld.
Daten und Messerte
Empfohlener Preis 12.950 Euro
Preis des Testwagens 15 448 Euro
Vierzylinder-Benzinmotor, vier Ventile je Zylinder, 1149 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 55 kW (75 PS) bei 5500/min
Höchstes Drehmoment 105 Nm bei 4250/min, mindestens 90 Prozent davon ab 2500 bis 5400/min
Manuelles Fünfganggetriebe (Automatikgetriebe nicht lieferbar)
Antrieb auf die Vorderräder
Länge/Breite/Höhe 4,03/1,71/1,59 Meter
Radstand 2,58, Wendekreis 10,2 Meter
Leergewicht 1150 (tatsächlich 1170), zulässiges Gesamtgewicht 1640, Anhängelast 900 Kilogramm; Kofferraumvolumen 305 bis1454 Liter
Reifengröße 165/65 R 15 81 T
Höchstgeschwindigkeit 162 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 14,0 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 16,3/25,3 s
Verbrauch 7,1 bis 7,8, im Durchschnitt 7,3 Liter Super je 100 km; 140 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,9 Liter; Tankinhalt 51 Liter
Versicherungs-Typklassen HP 14, TK 17, VK 16
Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbeschränkung, 12 Jahre auf Durchrostung, Mobilitätsgarantie unbegrenzt bei autorisiertem Service, Wartung alle 30.000 Kilometer oder jährlich
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller