Fahrtberichte

Fahrtbericht Subaru Legacy Kombi 3.0 R Comfort

Mehrere Herzen in der Brust

Von Boris Schmidt

31. Januar 2007 Subaru ist wahrscheinlich die am meisten unterschätzte Automarke auf dem deutschen Markt. Die Jungs bauen tolle, solide und inzwischen ansehnliche Autos, nur kaum einer merkt es. Das Jäger-und-Förster-Image, das man sich einst einhandelte, lässt sich nicht so leicht abstreifen, und auf die Hälfte der Kunden verzichtet Subaru mehr oder minder freiwillig, schlicht deswegen, weil es keinen Dieselmotor im Angebot gibt. Das soll sich zwar bald ändern, ein hauseigener Selbstzünder ist fast fertig entwickelt (ein Boxer-Aggregat wie alle Subaru-Triebwerke), doch noch ist es nicht so weit.

Aber auch ohne Diesel hat Subaru bemerkenswerte Fahrzeuge zu bieten. Nein, jetzt soll nicht die Rede vom brandneuen Geländewagen Tribeca sein (Fahrtbericht folgt), sondern vom Legacy 3.0: sechs Zylinder, 245 PS, sattes Drehmoment, Allradantrieb, Automatik. Schon in unserem großen Fahrtbericht vor drei Jahren (17. Februar 2004) waren wir voll des Lobes über den Wagen.

Wie drei verschiedene Motoren

Dass er jetzt schon wieder an dieser Stelle steht, hat weniger mit der leichten Modellpflege zu tun, die Subaru dem Legacy inzwischen angedeihen ließ, auch ist der Motor immer noch der Gleiche. Aber er hat jetzt „SI-Drive“. So nennt Subaru eine neuentwickelte Form der Motorsteuerung, die es dem Fahrer möglich machen soll, mit drei verschiedenen Triebwerks-Temperamenten unterwegs zu sein. Das SI-System (SI für Subaru Intelligent) greift über die Motorsteuerung in den Aufbau von Leistung und Drehmoment ein, verändert das Ansprechverhalten auf Gaspedalbewegungen und bindet das Automatikgetriebe ein. Dadurch soll die Maschine im sogenannten „Intelligent Mode“ besonders komfortabel und sparsam laufen, sich im „Sport Mode“ eher leistungsorientiert geben und im „Sharp Sport Mode“ mit einer noch agileren und aggressiveren Leistungsabgabe auftreten.

Und Subaru verspricht nicht zu viel. Das Auto fährt tatsächlich so, als hätte es verschiedene Motoren unter der Haube: im Sparprogramm einen eher trägen und ruhigen, im Sportprogramm einen aggressiven und fordernden, und schließlich setzt „Sport Sharp“ dem noch eins drauf, wobei der Unterschied zwischen diesen beiden Programmen nicht sehr groß ist. Beide Male wird das Drehmoment von fast 300 Newtonmeter voll ausgeschöpft, bei „Sharp“ steigt die Drehzahlkurve nur steiler. Bei unseren Beschleunigungsmessungen waren keine größeren Differenzen festzustellen.

Gar nicht sparsames Sparprogramm

Wohl aber zwischen Sport und Spar: Da die Automatik auch bei Kickdown nicht zurückschaltet, solange man im manuellen Modus fährt, konnte trotz Automatik der übliche 50-bis-100-km/h-Beschleunigungstest in den großen Gängen absolviert werden. So benötigt der Legacy in der vierten Stufe im Sparmodus für diese Prozedur 15,8 Sekunden, in Sport sind es nur 10,8. In der fünften Stufe lautet das Verhältnis 19,0 zu 13,1. Selbstverständlich geht auch der Spurt von 0 auf 100 km/h in „Sport“ schneller vonstatten: 7,9 statt 10,6 Sekunden. Wählen kann man den Modus mit einem Drehschalter an der Mittelkonsole oder über eine Taste am Lenkrad. Dort sitzen auch Paddel (hässlich!) für die manuelle Gangwahl der Automatik.

Ob es gefällt, ein Auto mit zwei oder sogar drei verschiedenen Motorcharakteristika zu fahren, muss jeder für sich entscheiden. Den versprochenen Minderverbrauch im Sparprogramm von zehn Prozent konnten wir nicht beobachten. Im Gegenteil. Wer lange Autobahnstrecken fährt, braucht unter Umständen im Spar- sogar mehr als im Sportmodus, weil er das Gaspedal tiefer durchdrückt. Rund 200 km/h ist die Maximalgeschwindigkeit im Sparmodus, sage und schreibe 14,3 Liter Superbenzin verfeuerten wir im Schnitt auf 100 Kilometer bei eiliger Autobahnfahrt. Auf der gleichen Strecke kamen wir im Sportmodus nicht über 13,6 Liter hinaus. Beide Werte sind natürlich viel zu hoch, auch der Gesamtschnitt auf mehr als 3000 gefahrenen Kilometern ist mit 12,6 Liter kein Ruhmesblatt. Allrad und Automatik fordern ihren Tribut und natürlich die formidable Leistungskraft der Maschine. 245 PS wollen gefüttert sein. Vor drei Jahren kamen wir ebenfalls im Winter mit im Schnitt 11,3 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer aus. Der Minimalverbrauch war auch damals 9,7 Liter, diesmal erzielten wir ihn im Sparmodus und im tempolimitierten Österreich.

Federung von der straffen Sorte

Im Sparmodus fährt sich der Subaru immer ein bisschen wie zugeschnürt, lasch und schläfrig, aber durchaus harmonisch. Vielleicht sollten Väter für ihre Söhne diesen Modus fest einstellen können. Die Schaltvorgänge der Automatik sind nicht zu spüren, während es in „Sport“ schon mal ruckt, erst recht gilt das für „Sport Plus“. Mit zurückhaltendem Fahren im Sportprogramm gefällt der Legacy am besten, aber die gesamte Kraft des Motors sollte mit einfachem Kickdown auch abzurufen sein. Im Sparmodus müsste man erst noch umschalten, wenn man plötzlich voll beschleunigen muss. Wer auf der Autobahn dahingleitet, fährt übrigens im selben Drehzahlbereich, gleich in welchem Programm: Bei Tacho 140 liegen moderate 3000 Umdrehungen an, in der Spitze sind in „Sport“ knapp 240 km/h möglich, wobei es nicht übermäßig laut wird, auch die Straßenlage ist bei solch hohen Geschwindigkeiten exzellent.

Weniger exzellent ist der Federungskomfort im Subaru. Der ist von der straffen Sorte, daran hat sich seit 2004 nichts geändert. Gelobt werden muss der Allradantrieb, von dessen Anwesenheit man nichts spürt, sieht man vom unglaublich neutralen Fahrverhalten auf kurvigen Sträßchen ab. Auch an Lenkung und Bremsen gibt es nichts auszusetzen.

Beleuchtete Becher geben Oberklasse-Atmosphäre

Am allermeisten mag überraschen, wie weit Subaru inzwischen hinsichtlich der haptischen Qualität gekommen ist. Große Unterschiede zu Audi, Benz und BMW sehen wir nicht mehr. Kein Wunder, 45.140 Euro sind auch kein Pappenstiel. Dafür bekommt man aber einen wahrlich komplett ausgestatteten Wagen, der alles hat, auch ein Schiebedach (riesig) nebst einer aufwendigen Audioanlage, elektrisch verstellbaren Vordersitzen, Xenonlicht und einem Navigationssystem mit Touchscreen. Da auch Metalliclack serienmäßig ist, gibt es nichts, was man noch dazukaufen kann oder muss. Der Verzicht auf das Navi-System spart 2.565 Euro.

Bemängeln kann man allenfalls das Fehlen einer horizontalen Gepäckraumabtrennung, und der Mittelplatz im Fond ist sehr unbequem. Zudem ist dieser Gurt umständlich im Wagendach verankert. Über mangelnden Platz kann man sonst weder vorn noch im Fond klagen. Der Fahrer sitzt hinter einem aufgeräumten, klar gegliederten Armaturenbrett, die vier Hauptinstrumente im permanent illuminierten Cockpit liegen optimal im Blickfeld. Alle wichtigen Hebel und Schalter sind gut plaziert, nur die Sitzheizungsregelung versteckt sich rechts unten zwischen den Sitzen. Mit dem Facelift kam eine Beleuchtung für die zwei Becherhalter zwischen den Vordersitzen, im Dunkeln sieht das apart aus und schafft Oberklasse-Atmosphäre.

Formidables Auto mit zu großem Durst

Der Gepäckraum fasst nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbank mehr als 1600 Liter, die Länge des Laderaums beträgt dann 1,80 Meter. Hinter die Rückbank und unter die Gepäckraumabdeckung passen 433 Liter, was für ein 4,72-Meter-Auto eher knapp ist. Kleinkram kann aber noch in ein Fach im Boden, dort liegt auch das Ersatzrad, leider ist es kein vollwertiges.

Auf alle Fälle ist der Legacy, der auch mit einem hervorragenden Ergebnis beim Euro-NCAP-Crashtest glänzen kann, ein formidables Auto. Den SI-Drive, den es in dieser Form sonst nirgends in der Autowelt gibt, mag man als Spielerei abtun, er sollte einen aber nicht hindern, diesen Wagen zu kaufen - das tut schon eher der viel zu hohe Kraftstoffverbrauch.



Text: F.A.Z., 30.01.2007, Nr. 25 / Seite T3
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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