Fahrtberichte

Fahrtbericht Fiat 500

Wenn Bescheidenheit Spaß macht

Von Boris Schmidt

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01. April 2008 Das hat es bei Fiat lange nicht gegeben: Plötzlich hat man ein Auto im Portfolio, für das es Wartezeiten gibt, das Menschen interessiert, die zuvor nie im Traum daran gedacht hätten, sich einen Fiat zuzulegen. Der kleine 500 macht es möglich. Ähnlich wie der Mini von BMW zitiert er gekonnt die Vergangenheit und tritt gleichzeitig eigenständig modern auf, seine runde Form ist ein Volltreffer. Wir kennen niemanden, der den Kleinen nicht schön findet.

Und der 500 ist nicht nur schön oder süß, er hat zudem praktische Qualitäten. Das fängt bei der umfangreichen Ausstattung an. Wer sich mit dem Basismotor begnügt (1,2 Liter Hubraum, 51 kW/69 PS) - und das tun 70 Prozent der deutschen Kunden -, bekommt zum Listenpreis von 12.500 Euro mit der höherwertigen Lounge-Ausstattung so ziemlich alles, was der Autofahrer in dieser Klasse erwarten kann: Genannt seien nur die elektrisch verstellbaren Außenspiegel, die Leichtmetallräder, die Klimaanlage, das Glasdach oder die Nebelscheinwerfer. Das CD-Radio, die elektrischen Fensterheber, die Zentralverriegelung mit Fernbedienung sowie die Servolenkung und ABS sowie sieben Airbags und anderes sind schon in der Grundausstattung „Pop“ (2000 Euro günstiger) enthalten.

Da kann man wahrlich nicht meckern. Hervorheben muss man die hohe passive Sicherheit des 500, beim berüchtigten Euro-NCAP-Crashtest bekam er die Bestnote. Allerdings ist ESP beim kleinen Motor aufpreispflichtig (350 Euro, inklusive Hillholder). Neben diesem 1,2-Liter-Motor wird noch ein 1,4-Liter (73 kW/100 PS) sowie ein 1,3-Liter-Turbodiesel (55 kW/75 PS) angeboten, beide sind jeweils 2000 Euro teurer.

Viele Informationen mit einer Anzeige

Mit das Schönste am neuen 500 ist sein gelungener Innenraum. Endlich schaut man in der Kleinwagen-Klasse nicht auf eine lieblos gestaltete Plastiklandschaft, sondern die Designer haben viel Mut bewiesen und bieten ein „Armaturenbrett“ in Wagenfarbe auf; es gibt nur ein Rundinstrument, in dem Drehzahlmesser, Tacho sowie Benzinuhr, Kühlwassertemperatur und die Informationen des Bordcomputers ineinander verschachtelt sind.

Das mag zunächst verwirren, doch man kann sich daran gewöhnen, auch an den Mix zwischen analoger (Tacho/Drehzahlmesser) und digitaler Darstellung. Zur Lounge-Ausstattung gehört ein hübsches Lederlenkrad mit Bedienelementen fürs CD-Radio. Man mag das Fehlen eines geschlossenen Handschuhfachs bemängeln, doch uns genügt die offene Ablage, zumal es noch einige andere Plätze gibt, an denen man Kleinkram unterbringen kann, etwa die großen Fächer in den Türen.

Sitze für viele Kilometer tauglich

Sehr gut und von hoher Qualität sind die Sitze: Das ist richtig festes Gestühl, das für viele, viele Kilometer taugt. Was stört, sind die steinharten Kopfstützen (vorn wie hinten), außerdem sind die Umlenkpunkte der Gurte nicht höhenverstellbar.

Der Fond ist auf nur zwei Mitfahrer ausgelegt, und von vier vollwertigen Sitzplätzen zu sprechen, ist etwas vermessen. Aber zwei Kinder, auch größere, lassen sich auf der Rückbank sehr gut unterbringen und zur Not auch Erwachsene.

Vier Türen sind im 500er-Konzept nicht vorgesehen, der Weg nach hinten ist dementsprechend umständlich, aber durchaus zu bewältigen. Die Vordersitze fahren jedoch nicht in die angestammte Position zurück. Dem Beifahrersitz kann man es für 50 Euro Aufpreis beibringen.

Kleinwagen-Tristesse beim Kofferraum

Während der Innenraum einen qualitativ sehr hochwertigen Eindruck macht, kommt spätestens nach dem Öffnen der kleinen Kofferraumklappe die sonst übliche Kleinwagen-Tristesse auf: Das Gepäckabteil ist sehr klein (maximal 185 Liter Volumen) und mit billigen Materialien ausgelegt, die Rückseite der hinteren Banklehne zeigt blankes Metall.

Ein Reserve-Notrad kostet 50 Euro, serienmäßig ist Tirefit. Durch Umlegen der mittig geteilten Rückbanklehne kann der Laderaum erweitert werden, es ergibt sich aber kein ebener Boden, und die maximale Kofferraumlänge von 1,15 Meter ist Zeugnis des insgesamt knappen Zuschnitts: Länger als 3,55 Meter ist das Auto einfach nicht.

Mehr als ein Stadtwagen

Dennoch hat man am Lenkrad zu keiner Zeit das Gefühl, in einer unterlegenen Position zu sein. Im Gegenteil, man fährt ein vollwertiges Auto, das einen soliden Eindruck macht. Die Bedienelemente sind alle gut zu erreichen, die rechte Hand fällt fast von selbst auf den Schalthebel.

In der Stadt ist man mit dem 500 natürlich am besten aufgehoben, hier kann er mit seiner Wendigkeit und seiner Kürze auftrumpfen. Doch der 500 ist mehr als ein reiner Stadtwagen. Es ist erstaunlich, wie gut der Fiat gefedert ist. So muss man keine Angst vor langen Strecken haben, aber man sollte an den 1,2-Liter-Benziner keine zu großen Ansprüche stellen.

Der Motor muss mit viel Schaltarbeit bei Laune gehalten werden

Zwar fährt man im 500 mit dem 69-PS-Motor keine lahme Ente, doch die Maschine ist wenig elastisch und muss mit viel Schaltarbeit bei Laune gehalten werden. Fünf Gänge (1.4 mit sechs Gängen) stehen zur Verfügung, auf der Autobahn fühlt sich das Triebwerk bei Tacho 120 und 3300 Umdrehungen in der Minute am wohlsten. Mehr als 160 km/h (bei 4600/min und Tacho 175) sind nicht drin, wobei es selbst bei diesem Tempo immer noch relativ leise im Fahrzeug bleibt.

Apropos leise: Wir fuhren beide Benziner-Versionen im direkten Vergleich, und der 1.4 entpuppte sich als das etwas lautere Triebwerk. Die 31 PS mehr fallen vor allem an Steigungen sofort ins Gewicht, während der 100-PS-500 noch kräftig durchzieht, geht dem 69er-500 schnell die Puste aus.

Und wie erwartet hat der stärkere Motor den größeren Durst: Wir kamen mit ihm auf einen Schnitt von 7,7 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer, während der kleine Motor mit 6,9 Liter Super zu bewegen war. Das mag relativ gesehen wenig sein, wir wünschen uns den Motor aber noch sparsamer und vergeben deswegen ein Minus. Wie immer ist der tatsächliche Verbrauch deutlich höher als der auf dem Papier so vorbildliche Normverbrauch.

Anfang und Ende des Fiats nur zu erahnen

Nicht kritisieren kann man hingegen das übrige Fahrverhalten. Als Fronttriebler stellt der kleine Fiat auch Fahranfänger nicht vor Probleme, der Wagen lässt sich jederzeit gut beherrschen und drängt in zu schnell gefahrenen Kurven - wenn überhaupt - über die Vorderräder nach außen, wenn nicht zuvor das ESP eingreift.

Im ESP-Aufpreis ist auch eine Anti-Schlupf-Regelung inbegriffen, die jedoch nicht verhindern kann, dass die Vorderräder auf nasser Straße bei starkem Beschleunigen zunächst durchdrehen. Die Bremsen (beim 1.2 hinten Trommeln) packen fest zu und ermüden so schnell nicht. Die Lenkung arbeitet schön direkt, ohne aber das Gokart-Feeling vermitteln zu können, das zum Beispiel den Mini auszeichnet. Völlig überflüssig ist die sogenannte City-Funktion für die Stadt, die Lenkung ist leichtgängig genug.

Zwar findet man im kurzen Fiat eigentlich immer eine Parklücke, doch übersichtlich ist der Wagen nicht. Wo er anfängt und aufhört, muss man erahnen, das hat man aber schnell raus. Fürs Heck hält Fiat Parksensoren bereit (300 Euro extra). Das Geld würden wir lieber in einen Heckträger investieren (250 Euro), dann taugt der Fiat 500 vielleicht sogar für den Kurzurlaub mit den Kindern.

Lebensfreude und Spaß an der Fortbewegung

Gewiss, ein vollwertiges Familienauto kann und will der 500 nicht sein, aber mit Kleinwagen, die nicht zunächst nach Verzicht schmecken, sondern nach Lebensfreude und Spaß an der Fortbewegung, macht Bescheidenheit richtig Spaß. Wir wollen mehr davon und denken dabei neben weiteren 500er-Varianten (Cabrio, Kombi) an eine Neuauflage der BMW Isetta.

Übrigens, billig ist der 500 nicht: Bei 10.500 Euro beginnt die Preisliste, fürs gleiche Geld bietet der viertürige Fiat Panda, der die technische Basis des 500 ist, viel mehr Platz. Doch gegen den Charme des 500 kommt er nicht an. Dafür zahlt man gern ein paar Euro mehr.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 12.500 Euro
Preis des Testwagens 13.300 Euro

Vierzylinder-Reihenmotor, zwei Ventile je Zylinder, 1242 Kubikzentimeter Hubraum

Leistung 51 kW (69 PS) bei 5600/min

Höchstes Drehmoment 102 Nm bei 3000/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1800 bis 4800/min

Fünfgang-Getriebe Automatik erhältlich

Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 3,55/1,63/1,49 Meter

Radstand 2,30 Meter, Wendekreis 9,2 Meter

Leergewicht 870 (tatsächlich 910), zulässiges Gesamtgewicht 1305, Anhängelast 800 Kilogramm; Kofferraumvolumen 185 bis 610 Liter

Reifengröße 185/55 R 15

Höchstgeschwindigkeit 160 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 13,5 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 17,9/27,2 s

Verbrauch 6,2 bis 7,6, im Durchschnitt 6,9 Liter Superbenzin je 100 km; 119 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,1 Liter; Tankinhalt 35 Liter

Versicherungs-Typkl. HP 15, TK 17, VK 11

Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre auf Lack, 8 Jahre auf Durchrostung, zwei Jahre Mobilitätsgarantie, Wartung alle 30.000 Kilometer oder jährlich



Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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