Fahrtberichte

Fahrtbericht Škoda Fabia

Raus aus den Kleidern des Kleinwagens

Von Michael Kirchberger

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07. August 2007 Einen guten Ruf hat Škoda schon zu verlieren. In beachtlich kurzer Zeit ist die Marke unter der Fürsorge des VW-Konzerns zum Musterschüler avanciert und kann mittlerweile manches besser als das Wolfsburger Mütterchen.

So waren die Erwartungen, als die zweite Generation des Kleinwagens Fabia in diesem Frühjahr erschien, entsprechend hoch. Was auf Anhieb gefallen konnte, waren die Preise. Die mit der 1,4-Liter-Maschine motorisierte Spitzenversion Elegance kostet 15.490 Euro und stapelt auf gekonnte Weise tief.

Das Geheimnis liegt in der Höhe

Obwohl die Bodengruppe mit der des Vorgängermodells weitgehend identisch ist, steht der neue Fabia völlig anders da als der bisherige. Selbstbewusster reckt sich der Kühlergrill nach vorn; die konturierte Motorhaube betont die Kotflügelansätze, die schon dem Octavia Charakter gegeben haben. Und die steil stehende Windschutzscheibe verleiht dem Fabia zusammen mit der sich nach hinten verjüngenden Fensterlinie eine sehr markante Gestalt.

Letzteres schränkt den Ausblick der Fondpassagiere zwar ein, sie können sich aber insgesamt über ein Raumangebot auf der Rückbank freuen, das in dieser Klasse durchaus rekordverdächtig ist. Beine und Köpfe der Hinterbänkler haben beste Bewegungsfreiheit. Vorne ist das Platzangebot um keinen Deut knapper:

So recht nimmt man dem Viertürer die Rolle des Kleinwagens also nicht ab. Aber er bleibt mit seiner Länge in der Tat knapp einen Zentimeter unter der Vier-Meter-Marke. Das Geheimnis des Wachstums liegt in der Höhe: Fast fünf Zentimeter überragt er seinen Vorgänger. Die aufrechtere Sitzposition, die hierdurch möglich wird, ist nicht nur bequem, sie schafft auch Raum und erleichtert in Verbindung mit den weit öffnenden Türen das Ein- und Aussteigen.

Umständlicher Umbau

In den Kofferraum passen 300 Liter, nach dem Umklappen von hinteren Sitzflächen und Rückenlehnen sind es stattliche 1163 Liter. Das ist ebenfalls ein Wert, der zu den besten im Feld der Wettbewerber zählt.

Der Umbau des Laderaums wird wegen der Kopfstützen umständlicher als nötig: Sie müssen aus ihren Halterungen gezogen und an anderer Stelle verstaut werden, damit die Lehnen hinter den Vordersitzen vorbeirutschen können.

Kurze Strippen werden rausgezupft

Nicht sonderlich schick ist die unverkleidete Unterseite der Sitzbank, deren weißes Schaumstoffpolster dann sichtbar wird. Der Kofferraum selbst ist dagegen sehr elegant verkleidet, unter der Bodenplatte wartet ein vollwertiges Reserverad hoffentlich vergeblich auf seinen Einsatz.

Die Abdeckung des Laderaums ist zwar solide und gut verarbeitet, das gilt jedoch nicht für die beiden Strippen rechts und links, die sie anheben, wenn die Heckklappe geöffnet wird. Bei unserem Probanden waren sie sehr knapp geschnitten, so dass die Abdeckung beim zügigen Öffnen aus ihren Aufnahmen an den Seiten gezupft wurde. Nichts gegen den Willen zum Sparen, aber hier ist der falsche Ort dafür.

Der Innenraum gewinnt durch eine zweifarbige Gestaltung. Die obere Hälfte des Armaturenbretts ist dunkler als die untere gehalten, das wirkt elegant und stilsicher. Die durchweg solide verarbeiteten Materialien haben einen edlen Charakter, die feine Narbung der Verkleidungen vermittelt die Qualität von höheren automobilen Klassen.

Unfreiwilliges Wechseln des Rundfunksenders

Vorne genießen Fahrer und Beifahrer überdurchschnittlichen Reisekomfort auf ebenso bequemen wie guten Seitenhalt gebenden Sitzen. Die Lehnen führen bis weit über die Schultern hinauf – beste Voraussetzungen für ermüdungsfreies Fahren.

Das Lenkrad, in der Elegance-Version mit Leder bezogen, kann axial und horizontal verstellt werden, dies ist in der Kleinwagenklasse keineswegs üblich. Die Instrumente geben mit funktionaler Sachlichkeit klare Auskünfte über Tempo und Drehzahl. Ein Multifunktionsmodul links neben dem Lenkrad soll die Bedienung von Radio und Telefon erleichtern; allerdings sitzt der Satellit so tief, dass gelegentlicher Kniekontakt nicht auszuschließen ist. Der wiederum führt zu ungewollten Wechseln des Rundfunksenders.

Ablagen finden sich in großer Zahl: Gleich zwei Handschuhfächer bewahren kleines Bordgepäck auf, und selbst die klappbare Armlehne zwischen den beiden Sitzen ist mit Fach und Deckel für Aufgaben des Aufbewahrens gerüstet.

Beachtliches Durchzugsvermögen

Der 1,4-Liter-Ottomotor des Fabia leistet 63 kW (86 PS) und bringt es auf ein maximales Drehmoment von 132 Newtonmeter bei 3800 Umdrehungen in der Minute. Er erweist sich bereits auf den ersten Kilometern als munteres Bürschchen mit dem Talent zur spontanen Kraftentfaltung.

Sehr sensibel hängt er am Gas, gibt sich drehfreudig und arbeitet ohne übertriebene Geräuschentwicklung, klingt dabei fast ein wenig sportlich. Einzig um 5000/min herum erlaubt er sich ein zartes Dröhnen. 176 km/h Höchstgeschwindigkeit verleiht er dem Fabia und beschleunigt dessen 1130 Kilogramm Leergewicht in 12,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Trotz geringen Hubraums ist sein Durchzugsvermögen beachtlich, schnelle Überholvorgänge auf der Landstraße gelingen ihm mühelos. Weniger Gefallen findet allerdings sein Treibstoffkonsum: 7,2 Liter Benzin für 100 Kilometer sind als durchschnittlicher Verbrauch gewiss keine Meisterleistung. Bei 45 Liter Spritvorrat gilt es nach etwa 500 Kilometern nach einer Tankstelle Ausschau zu halten.

Schlechte Wege werden geglättet

Darin erschöpfen sich allerdings die kleinen Schwächen des Fabia. Unterwegs erfreut der frontgetriebene Škoda mit einem höchst agilen Fahrverhalten. Flink lässt er sich um die Kurven treiben, sanftes Untersteuern kündigt rechtzeitig an, wenn der Chauffeur zu beherzt zur Sache geht.

Das serienmäßige ESP hilft ebenso wie das ABS mit Bremsassistent in Notsituationen. Die Karosseriebewegungen bleiben bei allen Fahrmanövern gering, dennoch ist die Federung nicht zu hart und glättet schlechte Wege mit Bravour. Die elektrohydraulische Lenkung arbeitet mit wohlbemessener Unterstützung, verhärtet nie und gibt stets gute Rückmeldungen über die Traktionsbedingungen und Fahrbahnbeschaffenheit.

Tadellose Bremsen

Die Schaltung des Fünfganggetriebes ist leichtgängig und exakt, schnelle Gangwechsel sind dank des kurzen Hebels und kurzer Wege möglich. Tadellos arbeiten ebenso die Bremsen, ein fein definierter Druckpunkt und beste Dosierbarkeit zeichnen sie aus, selbst mehrmaliges Verzögern aus hohem Tempo bis zum Stillstand bringt sie nicht in Verlegenheit.

Der Fabia bereitet durchaus Fahrspaß: auf der Landstraße mit vorzüglichen Fahreigenschaften, in der Stadt mit guter Wendigkeit – zehn Meter Radius genügen ihm, um umzudrehen.

Die Ausstattung ist auch nicht von schlechten Eltern, zumindest die feine Elegance-Version kann mit vielen serienmäßigen Details aufwarten. Sechs Airbags und eine Geschwindigkeitsregelanlage sind an Bord, die Vordersitze sind höhenverstell- und beheizbar, eine Klimaanlage sorgt für Kühlung, und eine Audioanlage mit acht Lautsprechern, CD-Spieler sowie einer Anschlussbuchse für externe Speicher übernimmt die Unterhaltung.

Waffeln aus Karlsbad oder Urquell aus Pilsen

Mit einer Reihe von Extras, die jedoch durchweg günstig angeboten werden, erklimmt der Fabia das Komfortniveau der Mittelklasse. Für nur 230 Euro kann er mit Kurven- und Abbiegelicht ausgerüstet werden, eine Reifendruck-Überwachung offeriert Škoda für 50 Euro.

Die Automatikfunktion der Klimaanlage lässt man sich mit 290 Euro bezahlen, und die Einparkhilfe hinten kostet 240 Euro. Die teuersten Extras sind das Glasschiebedach (490 Euro), die Lederausstattung (740 Euro) und das Navigationssystem (990 Euro). Als Alternative zum festeingebauten Wegweiser gibt es die portable Via-Michelin-Anlage für 549 Euro, die aber mit ihrem stark spiegelnden Display nicht besonders empfehlenswert ist.

Der Fabia ist ein feiner Partner, der mit nahezu allen Anforderungen an Mobilität fertig wird. Selbst auf der Langstrecke bietet er ein für Kleinwagen-Verhältnisse überraschendes Komfortniveau. Die Zeiten sind vorüber, als stets an Waffeln aus Karlsbad oder Urquell aus Pilsen gedacht wurde, wenn von Tschechien die Rede war. Heute bietet das Land wieder feine Automobile, und die kommen aus Mladá Boleslav.

Daten und Messwerte

Empfohlener Preis 15.490 Euro
Preis des Testwagens 16.560 Euro

Vierzylinder-Benzinmotor, vier Ventile je Brennraum, 1390 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 63 kW (86 PS) bei 5000/min
Höchstes Drehmoment 132 Nm bei 3800/min, 90 Prozent davon ab 3100 bis 5100/min

Manuelles Fünfganggetriebe (keine Automatik)
Antrieb auf die Vorderräder

Länge/Breite/Höhe 3,99/1,64/1,51 Meter
Radstand 2,46, Wendekreis 10 Meter

Leergewicht 1060 (tatsächlich 1130), zulässiges Gesamtgewicht 1575, Anhängelast 1000 Kilogramm; Kofferraumvolumen 300 bis 1163 Liter
Reifengröße 185 60 R15 82 T V

Höchstgeschwindigkeit 176 km/h
Von 0 auf 100 km/h 12,2 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang 14,1/22,2 s

Verbrauch 6,1 bis 8,8, im Durchschnitt 7,2 Liter Superbenzin je 100 km; 155 g/km CO2 bei Normverbrauch 6,5 Liter; Tankinhalt 45 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 15, TK 15, VK 13

Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre auf Lack, 12 Jahre auf Duchrostung, lebenslange Mobilitätsgarantie



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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