Fahrtberichte

Fahrtbericht Toyota Auris 2.0 D-4D

Kreuzbrav und mit wenig Liebe zum Detail

Von Michael Kirchberger

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12. Juni 2007 Nach Avensis und Yaris hat Toyota nun eine weitere Modellreihe mit der auffälligen Endung "-is" vorgestellt: den Auris, abgeleitet vom lateinischen "aurum", "Gold". Er ist 4,22 Meter lang, und der Nachfolger des Corolla will dem VW Golf kräftig Konkurrenz machen. Dafür wurde sein Kleid gefällig, aber nicht atemraubend geschneidert. Bei allem Ballyhoo um den Hybridantrieb im Modellprogramm von Toyota und der noblen Schwestermarke Lexus: Der Auris muss mit konventionellen Maschinen auskommen, vor allem zwei kräftige Vierzylinder-Dieselmotoren mit Leistungsangeboten von 93 und 130 kW (126/177 PS) sollen ihm ein manierliches Konsumgebaren verschaffen.

Die kleinere Version mit zwei Liter Hubraum wird in allen vier Ausstattungslinien angeboten. Für das Spitzenmodell "Executive" verlangt der Toyota-Händler ohne Rabatte 23.950 Euro, das sind rund 9000 Euro mehr, als für das billigste und von einem 1,4-Liter-Benziner angetriebene Basismodell berechnet werden. Der Preisabstand zum billigsten Diesel mit Zweiliter-Triebwerk beträgt 4900 Euro.

Kombination aus Navigationssystem und Klimaanlage

Haben die Designer die Außenhülle noch mit vorsichtigen Strichen gezeichnet, so ist ihnen im Innenraum das Tuschefass umgefallen: Graue und schwarze Flächen schüren keine besondere Lebenslust. Arg unkomfortabel wird der Fahrerplatz zudem aufgrund einer weitgehend überflüssigen Formgebung der Mittelkonsole: Sie zieht sich im Bogen aus der Armaturentafel bis hinunter zum Mitteltunnel und integriert Schaltung und Handbremshebel. Das sieht zwar hübsch aus, steht aber der Funktion im Wege, weil das rechte Knie des Fahrers ständig Kontakt mit dem harten Kunststoff hat.

Das stört nicht nur auf langen Reisen erheblich, der Fahrer sitzt einfach unbequem. Außerdem überspannt die bogenförmige Konstruktion die Ablage darunter und behindert den Zugriff auf diese. Dafür hat der Auris dann zwei Handschuhfächer mit Deckel, Noch mehr Platz gibt es in der Ablage unter der Mittelarmlehne vorn. Bei aller Kritik am Innenraumkonzept - mit etwas Kompromissbereitschaft kann man sich im neuen Toyota ordentlich arrangieren.

Der kleine Instrumententräger wird von den beiden runden Anzeigen für Drehzahl und Geschwindigkeit gut ausgefüllt, die Skalen sind dank der Hinterleuchtung gut ablesbar. Gewissermaßen um die Nadelnaben haben die Anzeigen für Kühlmitteltemperatur und Spritvorrat sowie des Bordcomputers ihren Platz, diese pfiffige Gestaltung findet unsere ungeteilte Zustimmung. Sehr aufgeräumt und übersichtlich wirkt die Kombination aus Navigationssystem und Klimaanlage: Alle Elemente sind weit oben plaziert und daher ohne übermäßige Wechsel der Blickrichtung zu bedienen.

Schalten aus dem Handgelenk

Eine passende Sitzposition ist schnell gefunden, die Polster sind komfortabel, die Rückenlehne bietet guten Seitenhalt. Das recht kleine, zweifach verstellbare Lenkrad ist mit Leder bezogen, fasst sich aber eher hart an; in zwei der drei Speichen sind die Fernbedienungstasten für die Audio-Anlage und das Telefon untergebracht. Der Ausblick auf die Straße wird jedoch von den kräftigen A-Säulen eingeschränkt, die beiden Dreiecksfenster zwischen Frontscheibe und den vorderen Türen verbessern ihn nicht wesentlich. Ohnehin wirkt der Innenraum aufgrund des ausladenden Armaturenbretts wie der eines Minivan, mit allen dazugehörigen Nachteilen bei der Übersichtlichkeit.

In der Executive-Ausstattung kommt der Auris serienmäßig mit einem schlüssellosen Zugangs- und Startsystem. Dieses funktioniert einwandfrei, der kleine Sender kann stets in der Hosentasche bleiben, die Tür entriegelt sich bei Zug am Griff, und der Motor springt nach dem Druck auf den Start-Stopp-Knopf willig an.

Und schon nimmt der Vierzylinder nicht ganz ohne Vibrationen seine Arbeit auf. Aber so wenig die Innenraumgestaltung mit der ausladenden Mittelkonsole begeistert, so trefflich ist die Positionierung des Schalthebels darin. Er sitzt am besten denkbaren Platz, ist gewissermaßen der Vater aller Schalthebel. Noch feiner ist die Schaltkulisse definiert: Mit kurzen Wegen, förmlich aus dem Handgelenk, lassen sich die sechs Gänge schnell und mit mustergültiger Präzision wechseln.

Pfeile als Schaltempfehlung

Gelungen ist ebenfalls die Abstimmung des Kupplungswegs mit dem Ansprechverhalten des Motors. Anfahrschwächen erlaubt sich der Auris 2.0 D-4D nicht, auch wenn die Maschine wenigstens 1800 Umdrehungen in der Minute verlangt, um angemessene Leistung abzugeben. Hohe Drehzahlen führen dagegen zu nichts außer einem höheren Geräuschniveau, das nutzbare Drehzahlband erstreckt sich etwa über 3000/min. Einen Zwischenspurt beim Überholen ermöglicht das Triebwerk ohne Mühen, Zurückschalten ist dabei nicht immer notwendig, obwohl die höheren Gänge relativ lang übersetzt sind.

Das senkt die Drehzahl und den Verbrauch, verhindert aber, dass die sechste Übersetzungsstufe im Stadtverkehr genutzt werden kann. Bei 50 km/h im sechsten Gang liegt die Motordrehzahl deutlich unter 1000/min, niedriger, als der Motor im Leerlauf dreht. Als weitere, indirekte Maßnahme zur Verbrauchsreduzierung hat Toyota den Auris mit einer Schaltempfehlung ausgestattet. Nach oben oder unten weisende Pfeile neben dem Kilometerzähler fordern zum Wechseln in den nächst höheren oder niedrigeren Gang auf.

Diesem Rat folgt man gern, auch wenn die Empfehlung zum Zurückschalten nach unserem Empfinden zu früh erfolgt. Gleichwohl genehmigt sich der knapp 1,5 Tonnen schwere Viertürer 5,9 bis 8,5 Liter Diesel je 100 Kilometer, im Durchschnitt lag sein Verbrauch bei 6,6 Liter auf der Normdistanz. Einen wartungsfreien Partikelfilter hat der Auris serienmäßig.

Plötzlich herrscht der Rotstift

Weniger gefallen kann die Lenkung dieses Toyotas. Sie gehört nicht zu den allerfeinsten. Besonders auf langen Autobahnkurven vermittelt sie ein teigiges Gefühl und gibt keine aufschlussreichen Rückmeldungen von den Traktionsbedingungen. Gerade um die Mittellage gibt sie sich widerspenstig, die Antriebseinflüsse werden deutlich spürbar, wenn der Diesel zum Beschleunigen seine Muskeln spannt. Besser bewältigt die Federung ihre Aufgabe.

Der Tendenz zu erbarmungsloser Härte folgt der Auris nicht, er widmet sich vielmehr mit Hingabe dem Glätten kleiner Stöße und Wellen und muss selbst vor kräftigeren Unebenheiten nicht kapitulieren. Dass die Hinterachse dabei gelegentlich etwas halbstark ins Rumpeln gerät, macht das Reisen nicht weniger angenehm. Das Fahrverhalten des Auris ist kreuzbrav. Wie es sich für einen frontgetriebenen Wagen gebührt, untersteuert er wohlbemessen und kontrollierbar. Das ESP springt ein, wenn es kritisch wird, dabei wirkt es gefühlvoll und wohldosiert auf das Fahrzeug ein. Die Bremsen stehen diesem Feingefühl nicht nach.

Während es vorn im Auris doch eher knapp zugeht, können sich die Fondpassagiere über eine luftige und geräumige Atmosphäre freuen. Die Rückenlehnen lassen sich zwecks Kofferraumvergrößerung einfach und schnell umklappen, ganz eben ist die Ladefläche aber nicht. Schade: Unter der dicken und nur auf den ersten Blick wertig wirkenden Bodenmatte aus Nadelfilz herrscht plötzlich der Rotstift. Dort zu sparen, wo keiner gleich hinsieht, wird zunehmend beliebt. Dass jedoch Kabel lieblos verlegt werden und Schweißnähte die Ästhetik des Puristen liebkosen, ist gerade von Toyota nicht zu erwarten. So enttäuscht der Auris im Detail, und die schon sprichwörtliche Qualität der Marke wird nicht durchgehend gehalten. Sein Preis liegt auf dem Niveau der Wettbewerber, allenfalls die gute Ausstattung verschafft ihm einen Vorteil. Nur der Metallic-Lack muss mit 480, das Navigations- und Audio-System mit 2620 Euro extra bezahlt werden.



Text: F.A.Z., @bra
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller

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