WM-Serie: 1950

Das furchtbare Ende der Fußball-Samba

Die besten der Welt versammelten sich in Brasilien

Die besten der Welt versammelten sich in Brasilien

31. März 2006 Jeden Montag und Freitag blickt FAZ.NET bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland in einer Serie auf die vergangenen Turniere zurück. Der vierte Teil beschäftigt sich mit dem Turnier 1950 in Brasilien.

Fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde wieder WM-Fußball gespielt. Die erste Nachkriegs-Weltmeisterschaft hatte 1950 nur einen Favoriten: Gastgeber Brasilien. Doch die erwartete Fußball-Samba wurde nicht getanzt - Brasilien trug nach dem entscheidenden letzten Spiel der Endrunde gegen Uruguay Trauer. Der Außenseiter aus dem Nachbarland hatte den designierten Weltmeister vom Sockel gestoßen. Weit mehr als 200.000 Zuschauer im riesigen Maracana-Stadion weinten - wie die ganze Nation.

Feuerwerkskörper und Freudentänze

Später entlud sich der Zorn der Masse an Trainer Flavio Costa. Fast beschwörend hatte Uruguays Coach Juan Lopez vor der Partie auf Verteidiger Varela eingeredet. Ademir, sagte Lopez immer wieder, Ademir müsse er an die Kette legen: „Er darf nicht zum Schuß kommen.“ Und tatsächlich war Brasiliens Mittelstürmer, ein Dribbelkönig wie 1938 Leonidas da Silva, ein Totalausfall. Das sollte spielentscheidend sein, obwohl die Brasilianer zwei Minuten nach der Pause durch Rechtsaußen Friaca 1:0 in Führung gingen.

Das Stadion glich einem Tollhaus. Feuerwerkskörper wurden abgeschossen und Freudentänze aufgeführt. Die überfüllten Tribünen drohten einzustürzen. Die Katastrophe auf den Rängen blieb aus. Doch auf dem Feld geschah Fürchterliches. Juan Schiaffino leitete mit dem 1:1 die Wende ein. Das Fußball-Drama nahm seinen Lauf. Als Rechtsaußen Ghiggia Torhüter Barbosa zum 2:1 überwand, war Brasiliens Schicksal besiegelt und Uruguay zum zweiten Mal nach 1930 Weltmeister.

Deutschland blieb von der WM ausgeschlossen

England war 1950 zum ersten Mal dabei. Insgesamt aber nahmen an der ersten WM nach dem Krieg wie schon bei der allerersten WM 1930 in Uruguay nur 13 Länder teil. Deutschland blieb ausgeschlossen, andere - Schottland, Frankreich, Portugal - scheuten die weite Reise. Besonders groß war deshalb der Jubel, daß Titelverteidiger Italien antrat, obwohl im Jahr zuvor die halbe Nationalmannschaft mit dem AC Turin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Für die „Azzurri“ war in der Vorrunde ebenso Endstation wie für den „ungekrönten Weltmeister“ England, der gegen die Vereinigten Staaten sensationell 0:1 unterlag.

Brasilien in tiefer Depression

Nach einem ersten Warnschuß zum Auftakt der WM beim 2:2 gegen die Schweiz lief es für Brasilien in der Endrunde der besten Vier glänzend. Dank Torschützenkönig Ademir (neun Treffer) wurden Schweden (7:1) und Spanien (6:1) in Grund und Boden gespielt. Uruguay dagegen verlor nach dem 3:2 gegen Schweden gegen Spanien (2:2) einen Punkt. Brasilien brauchte zum ersten Titelgewinn also im letzten Spiel gegen die „Urus“ nur noch ein Unentschieden. Das ganze Land war siegessicher - und wurde in tiefe Depression gestürzt.



Text: dpa
Bildmaterial: AP, picture-alliance/ dpa

 
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