WM-Serie: 1970

Ein Jahrhundertspiel: das Drama gegen Italien

Eine WM in bunten Farben: Mexiko 1970

Eine WM in bunten Farben: Mexiko 1970

18. April 2006 Schon vor dem ersten Anstoß stand die Fußball-WM 1970 in der Kritik. Die Schreckensbilder von den Olympischen Spielen 1968 in der Höhe Mexikos waren allgegenwärtig - Athleten unter Sauerstoffmasken, Sportler mit hohlen Wangen, von der Darmgrippe „Montezumas Rache“ geschwächt.

Die FIFA hatte eigens die Regeln geändert und ließ erstmals zwei Auswechslungen zu. Und trotz der geographischen und klimatischen Erschwernisse gab es eine Renaissance des Angriffsfußballs und der großen Individualisten: Pele, Riva, Bobby Charlton und Gerd Müller, der mit zehn Toren Schützenkönig wurde. Und nicht zu vergessen: Franz Beckenbauer.

Renaissance des Angriffsfußballs

Lange wurde kontrovers über den Nord-Süd-Gipfel im deutschen Sturm gestritten. Das Tandem Müller/Seeler gab die Antwort und harmonierte prächtig. Hamburgs Uwe Seeler spielte zurückgezogen und ackerte unermüdlich, Münchens Müller stand im Zentrum meist goldrichtig. Zwar klappte es zum Auftakt gegen Marokko (2:1) noch nicht wie gewollt, doch schon gegen Bulgarien (5:2) und Peru (3:1) lief es glänzend.

Im Viertelfinale stand die Wembley-Revanche gegen England an. High Noon. Die Mittagssonne brannte erbarmungslos, als England schnell 2:0 durch Peters und Mullery führte. Auch Beckenbauers 1:2 ließ die Briten noch nicht nervös werden. Bis Seeler einen frechen Kopfball mit dem Hinterkopf zum 2:2 ins Netz zauberte. Müller machte in der Verlängerung alles klar: 3:2 - Deutschland war im Halbfinale.

Zweistündige Hitzeschlacht

War diese Dramatik noch zu überbieten? Bis heute gilt die zweistündige Hitzeschlacht gegen Italien als eines der besten und spannendsten Länderspiele der Geschichte. Italien spielte offensiv statt „Catenaccio“ und führte durch Boninsegna. Seeler & Co. kämpften gegen vielen Fouls an und wurden belohnt. Schnellinger traf in der Nachspielzeit zum 1:1: Verlängerung. Die Elf von Trainer Schön spielte wie aufgedreht; Held gelang das 2:1. Die Entscheidung? Nein. Erst knallte Burgnich den Ball zum 2:2 ins Tor, dann war Riva erfolgreich. Aber das DFB-Team, wegen des an der Schulter lädierten Beckenbauer stark gehandicapt, wehrte sich. Vergeblich. Nach Müllers Ausgleich gelang Rivera der 4:3-Siegtreffer.

Als schwacher Trost wurde Uruguay im Spiel um Platz drei bezwungen. Das Halbfinale gegen Italien überstrahlte alles. Sogar Weltmeister Brasilien mit Pele, Rivelino und Dribbelkünstler Jairzinho stand im Schatten dieses Jahrhundertspiels. Dabei bezwangen sie Italien glatt 4:1, wurden zum dritten Mal Weltmeister und durften den „Coupe Jules Rimet“ endgültig behalten.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AP, picture-alliance/ dpa

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