Von Cai Tore Philippsen, Frankfurt
14. Juni 2006 Nur einer war ganz allein nach dem Abpfiff - Otto Pfister. Der deutsche Trainer der togoischen Nationalmannschaft saß nach dem 1:2 im WM-Vorrundenspiel gegen Südkorea minutenlang allein und zusammengesunken auf seinem Platz auf der Bank. Zwei Funktionäre kamen vorbei, klopften dem 68 Jahren alten Mann kurz auf die Schulter und zogen schnell wieder ab. Kein Spieler ging zu seinem Coach.
Wer geglaubt hatte, mit der Rückkehr von Otto Pfister seien Togos Probleme beseitigt, sah sich getäuscht. Nichts ist geklärt. Innerhalb der Fédération Togolaise de Football (TFT) tobt ein selbstzerstörischer Machtkampf zwischen dem Präsidenten Rock Gnassingbe und dem Generalsekretär Espoire Komlan Assogbavi. Gewinnt der Präsident, bleibt Pfister. Gewinnt der Generalsekretär, ist Pfister weg. Die Wasserstandsmeldungen, die bis zum nächsten Spiel aus dem togoischen Lager in Wangen im Allgäu, wo sich Spieler, Funktionäre, Trainer und Politiker in beträchtlicher Anzahl eingemietet haben, werden zahlreich sein. Und man muß wissen, auf wessen Seite der Verkünder steht, um den Wahrheitsgehalt und die Halbwertszeit der Meldung einzuordnen.
You don't unterstand me? You can't hear me?
Otto Pfister trägt seinen Teil zum nebulösen Spiel ohne Ball bei. Wie es denn zu seinem Comeback am Abend vor dem Spiel gekommen sei, wollten die Journalisten nach dem Match wissen. Kein Kommentar, bellte Pfister. Und weil die Frage noch einmal auf englisch kam, noch einmal mit Nachdruck: No comment. You don't unterstand me? You can't hear me? Doch, das hatte jeder gehört. Es war laut genug. Ob man denn wenigstens zum Spiel fragen dürfe? Ja, das sei in Ordnung. Wir sind alle zu selbstsicher in das Spiel gegangen. Auch ich war mir sicher, daß wir drei Punkte holen würden, sagte Pfister. Ob man ohne die Querelen gewonnen hätte, sei eine hypothetische Frage. Er werde nun mit der Mannschaft trainieren und sie in Wangen auf das nächste Spiel vorbereiten. So ist Fußball.
Da ist Generalsekretär Assogbavi allerdings ganz anderer Meinung. Es wird Mittwoch ein Treffen geben, bei dem sich entscheidet, ob Pfister Trainer bleibt, sagte er. Es war ein Fehler, daß er zurückgekommen ist. Ich war von Anfang an gegen ihn. Er ist nicht gut für die Mannschaft. Und als wäre das alles nicht genug, fügt er hinzu: Er trinkt zuviel. Pfister hatte einmal von den Unwägbarkeiten gesprochen, die man akzeptieren müsse, wenn man in einem Land wie Togo arbeite. Vielleicht hat er solche Funktionäre gemeint. Mittlerweile hat ein Verbandssprecher die Krisensitzung wieder dementiert, was aber - soviel haben wir in den letzten Tagen gelernt - keinerlei Bedeutung hat.
Für unsere Ehre und für unser Land
Inmitten des togoischen Tohuwabohu stehen die Spieler, die sich angesichts der Umstände gegen Südkorea beachtlich aus der Affäre gezogen haben. Nach dem Spiel sind sie allerdings weniger offensiv. Ob er sich denn freue, daß Otto Pfister wieder da sei, wurde der 18 Jahre alte Assimiou Toure gefragt. Wir brauchen einen Trainer, deshalb ist es gut, daß er bleibt, meint der junge Verteidiger von Bayer Leverkusen, der in der zweiten Hälfte ins Spiel gekommen war, vielsagend. Daß die Spieler Pfister zur Rückkehr überredet haben, wie dessen Sohn Mike verbreitete, scheint eine Mär. Journalisten wollen wissen, ob die Mannschaft hinter dem Trainer steht? Von meiner Seite, ja, antwortet Toure vorsichtig, schwitzt und lächelt. Die letzten Tage müssen für ihn wie ein Crashkurs in afrikanischer Fußballdiplomatie gewesen sein - bloß kein falsches Wort. Was Verband und Trainer in den vergangenen Tagen gemacht haben, davon habe ich keine Ahnung, sagt er. Das sagen alle Spieler.
Die meiste Zeit während des Trainingsboykotts hat Toure gewartet, was die Führungsspieler Jean-Paul Abalo (Hapoel Nikosia) und Emmanuel Adebayor (FC Arsenal) vorgeben. Ich höre nur, ob wir trainieren oder nicht. Nachdem es zumindest einen Teil der geforderten Prämie gab, haben der Kapitän und der Stürmerstar das Motto für den Rest der Mannschaft vorgegeben. Wir spielen für unsere Ehre und für unser Land, die können machen, was sie wollen, sagt Toure, was in den nächsten Tagen noch zu erwarten sei, wisse er wirklich nicht.
Text: @phi
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS
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21:13 21:09Es ist traurig, wie nach Adenauer und de Gaulle ........
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