13. März 2008 ul. WARSCHAU, 13. März. Die Ukraine und Russland haben in einem Abkommen zwischen ihren Monopolunternehmen Gasprom und Naftogas Ukrainy die umstrittenen Zwischenhändler, die bisher den Gashandel zwischen beiden Ländern beherrschten, ausgeschaltet und sich auf Lieferpreise für den Rest des Jahres 2008 geeinigt. Sie beendeten damit offenbar eine Krise, die sich über Wochen hingezogen hatte und zeitweise auch den Transit russischen Gases nach Westeuropa über das ukrainische Leitungsnetz zu gefährden schien.
Die ukrainische Ministerpräsidentin Julija Timoschenko, die lange für die Ausschaltung der ihrer Ansicht nach kriminellen Zwischenhändler RosUkrEnergo und UkrGasEnergo gekämpft hatte, kündigte am Donnerstagabend an, dass diese Firmen nun im Gashandel zwischen Russland und der Ukraine keine Rolle mehr spielen sollten. Gasprom bestätigte die Einigung und teilte nach einer Meldung der Agentur Interfax Ukrainy mit, der Vorstandsvorsitzende Alexej Miller habe zusammen mit seinem Gegenüber Oleh Dubyna von Naftogas Ukrainy ein Abkommen unterzeichnet, dem zufolge Gasprom ab sofort Gas aus den Lieferländern Zentralasiens direkt und ohne Zwischenstufen an Naftogas verkaufen werde. Als Preis für diesen im Vergleich zu russischem Gas relativ billigen Rohstoff wurden für die Monate März bis Dezember 179 Dollar für 1000 Kubikmeter festgesetzt.
Auch im Streit um angeblich in den Monaten Januar und Februar zusätzlich geliefertes teureres Gas aus russischen Quellen ist offenbar eine Einigung erreicht worden. Gasprom hatte behauptet, Russland habe wegen Lieferschwierigkeiten in Zentralasien dem für die Ukraine bestimmten Gasstrom zusätzlich eigenes Gas für 315 Dollar je 1000 Kubikmeter beimischen müssen. Frau Timoschenko hatte dem entgegengehalten, die angeführten "Lieferschwierigkeiten" seien frei erfunden und überdies sei die Ukraine nicht gefragt worden, ob sie der Beimischung zustimme. Die neue Einigung sieht nun vor, dass Naftogas Ukrainy tasächlich den erhöhten Preis für die gelieferten "russischen" Kontingente bezahlt, allerdings mit der Möglichkeit, die empfangenen Mengen in Natura zurückzuerstatten.
Das Abkommen sieht außerdem vor, Gasprom für den Verlust des Zwischenhändlers UkrGasEnergo zu entschädigen, an dem der russische Gasgigant 25 Prozent der Anteile hält und der bisher die Verteilung des importierten Gases im ukrainischen Inlandsmarkt mitkontrollierte. Als Ersatz dafür erhält Gasprom nun das Recht, zehn Prozent des ukrainischen Marktes direkt zu beliefern.
Das neue Abkommen regelt allerdings offenbar nicht die Preisfindung für künftige Jahre. Die zentralasiatischen Staaten Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan, deren Lieferungen die Ukraine bisher ihren relativ günstigen Gaspreis verdankte, haben diese Woche in Moskau angekündigt, dass sie ab Januar 2009 für ihr Gas "europäische Preise" fordern werden.
Text: F.A.Z., 14.03.2008, Nr. 63 / Seite 5
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