Krise der Autoindustrie

Die Woche der Wahrheit

Von Henning Peitsmeier

Eine ganze Branche im Schleudern

Eine ganze Branche im Schleudern

01. August 2008 Die Zahl ist schwindelerregend. General Motors macht in einem einzigen Quartal einen Verlust von 15,5 Milliarden Dollar. Dabei wird der gesamte Autokonzern aus Michigan, einst eine Ikone der amerikanischen Wirtschaft, an der Börse nur noch mit 6,3 Milliarden Dollar bewertet. Selbst ein mittelständischer Motorradhersteller wie Harley Davidson ist aus Sicht der Anleger mehr wert als der noch immer größte Autohersteller der Welt.

Zahlen lügen nicht. Gemessen an dem unvorstellbar hohen Verlust des Opel-Mutterkonzerns General Motors, nehmen sich Ergebniseinbrüche von Daimler und BMW bescheiden aus. Doch die Warnungen in dieser Woche sind nicht zu überhören. Wenn sowohl Daimler als auch BMW offen über Produktionskürzungen reden, steckt dahinter die Erkenntnis, dass die Automanager selbst ihren Produkten keine verbesserten Absatzchancen mehr einräumen. Der amerikanische Automarkt steckt in einer Krise, deren Ausmaß und Reichweite derzeit niemand abschätzen kann.

Sparsamkeit ist das beherrschende Thema

In Zeiten hoher Benzinpreise ist die Sparsamkeit von Autos sowohl in Nordamerika als auch in Westeuropa zum beherrschenden Thema geworden. Der hohe Ölpreis definiert das Lastenheft für säumige Autokonstrukteure. Nun trimmen sie ihre Autos mit effizienteren Motoren, besserer Aerodynamik und Leichtbauweise auf geringeren Verbrauch.

Das kostet zunächst einmal viel Geld. Lange hat zum Beispiel der BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer die stetig sinkende Unternehmensrendite mit den Milliardeninvestitionen in umweltfreundliche Technik begründet. Jetzt muss er eingestehen, dass diese Investitionen allein nicht die Ursache für steil fallende Gewinne sind.

Die Verkäufe von gestern rächen sich heute in den Bilanzen

In Nordamerika brechen die Verkaufszahlen ein, während die Restwerte der Gebrauchtwagen fast ins Bodenlose fallen. Nun zeigen sich die „Altlasten“ in Gestalt von Leasingrückläufern. Die Verkäufe von gestern und vorgestern rächen sich heute in den Bilanzen der Autokonzerne. Wie ein Damoklesschwert hängt der schwache Dollarkurs über den exportorientierten deutschen Autoherstellern und -zulieferern.

Wie lange die heimische Vorzeigeindustrie diesen Belastungen standhält, ist ungewiss. Fast jeder siebte Arbeitsplatz hängt in Deutschland am Automobil. Welche Konsequenzen es hat, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird, auch dafür liefert General Motors die passende Zahl: In seiner Heimat streicht der Konzern 74.000 Stellen – fast die Hälfte seiner amerikanischen Mitarbeiter.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

In nur einem Quartal

GM weist 15,5 Milliarden Dollar Verlust aus

General Motors ist schon seit geraumer Zeit schwer angeschlagen - und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Für das zweite Quartal wies der Opel-Mutterkonzern einen Verlust von 15,5 Milliarden Dollar aus. Das ist der vierte Quartalsverlust in Folge und dramatisch mehr als erwartet.

BMW

Nach Daimler kappt auch BMW Gewinnprognose

Der Autokonzern BMW meldet einen scharfen Gewinneinbruch im zweiten Quartal. Eine Prognose wagen die Münchener nicht mehr, doch wird mit einem Jahresgewinn vor Steuern von 2,3 Milliarden Euro gerechnet. Bisher waren es 3,8 Milliarden Euro.

Autobauer in der Krise

Ford fährt knapp neun Milliarden Dollar Verlust ein

Der schwer angeschlagene amerikanische Autobauer Ford hat wegen hoher Abschreibungen im zweiten Quartal einen Verlust von 8,7 Milliarden Dollar verbucht. Nun soll ein Strategieschwenk helfen. Die Produktion in Nordamerika wird noch schneller von Geländewagen auf kleinere, spritsparende Autos umgestellt.

Aktienkurs bricht ein

Daimler schockiert mit Gewinnwarnung

Der Autokonzern Daimler hat trotz besser als erwartet ausgefallenen Halbjahreszahlen sein Gewinnziel für 2008 gesenkt. Gestiegene Rohstoffkosten, der starke Euro und die Schwäche der amerikanischen Konjunktur machen Daimler zu schaffen. Der Aktienkurs gibt deutlich nach.

Automobilbau

Fahrzeughersteller weltweit unter Druck

Spezial Gewinnwarnungen in Serie verderben Anlegern die Stimmung, besonders in konjunktursensitives Bereichen. Dazu zählen die Automobil- und Motorradhersteller. Die Kursentwicklung ihrer Aktien hat den Abschwung längst angedeutet.