11. September 2006 Noch immer findet sich das Klischee vom Papphaus, wenn vom Fertigbau die Rede ist. Doch die Zeiten sind längst vorüber, in denen man staunenswert zur Kenntnis nahm, daß auch dünnste Holzwände ein Dach tragen können. Eines der stärksten Werbeargumente für Wohnhäuser aus industriell vorgefertigten Holzteilen ist inzwischen das Energiesparen geworden.
Dabei kommt zunächst dem Werkstoff Holz eine tragende Bedeutung zu: Seine Wärmeleitfähigkeit ist äußerst gering. Das heißt umgekehrt, daß die Wärmedämmung besonders hoch ist. So wirbt ein Fertighaushersteller damit, daß seine 26 Zentimeter dicke Außenwand genauso gute Dämmwerte zeigt wie ein 36 Zentimeter dickes Mauerwerk im Massivhausbau. Das vergrößert zugleich die Wohnfläche.
Isolation mit Hanf, Flachs, Kork oder Schafwolle
Sowohl im Massivhausbau als auch im Holzfertigbau wird inzwischen mit ausgeklügelten zusätzlichen Isolationsschichten gearbeitet. Dabei setzt jeder Hersteller auf seine eigenen Lösungen. Gängig und am billigsten sind Stein- oder Glaswolle. Andere Anbieter benutzen Holzschnitzel oder -fasern. Inzwischen haben sich aber auch ökologisch orientierte Fertighausproduzenten etabliert, die für die Isolation Hanf, Flachs, Kork oder Schafwolle einsetzen.
Für Schafwolle wird unter anderem mit dem Argument geworben, daß sie die Feuchtigkeit der Raumluft besonders gut reguliert. Die Luftregulierung wiederum wird immer wichtiger. Das liegt am Einsatz computergesteuerter Maschinen in den Hallen der Fertigbauer. Damit lassen sich die Bauteile so genau fertigen, daß Außenwände und Dächer luftdicht zusammengefügt werden können.
Ökologisches Bauen hat seinen Preis
Die computergesteuerte Vorfertigung ermöglicht den Bauherren, statt dem Haus von der Stange individuelle Fertigbaulösungen zu bestellen - ohne das Energiesparen aus dem Auge zu verlieren. Nach den Erkenntnissen des Bundesverbands Deutscher Fertigbau sind mehr oder weniger alle neuen Fertighäuser auch Niedrigenergiehäuser. Fast 37 Prozent dieser Gebäude erfüllen die strengen Kriterien des mehrstufigen KfW-Förderprogramms Ökologisch Bauen.
Gut ein Viertel aller Fertighäuser werden mit Haustechnik auf der Basis erneuerbarer Energien ausgerichtet, also mit Fotovoltaikanlagen, deren Solarzellen sich bei der Vorfertigung in der Fabrikhalle bereits auf Dächern und an Wänden montieren lassen. Ebenfalls gut ein Viertel der Häuser werden mit Wärmepumpen ausgerüstet. Das ökologische Bauen hat indes seinen Preis.
Während das durchschnittliche Fertighaus schlüsselfertig rund 170.000 Euro kostet und handwerklich versierte Bauherren Bausätze für 50.000 Euro erstehen können, kostet das Fertighaus mit allen ökologischen Finessen von der vom öffentlichen Stromnetz unabhängigen Haustechnik über aufwendige Baumaterialien bis hin zu teuren Türen und Fenstern von 300.000 Euro an aufwärts.
Text: pso. / F.A.Z., 9.9.2006
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