Aluminium-Industrie

Alcoa will den führenden Aluminiumkonzern schmieden

Aluminium-Produktion bei Alcoa

Aluminium-Produktion bei Alcoa

07. Mai 2007 Der amerikanische Aluminiumkonzern Alcoa will den kanadischen Wettbewerber Alcan übernehmen und sich damit seine Position als Weltmarktführer zurückholen. Alcoa startete am Montag ein feindliches Übernahmeangebot und will 26,9 Milliarden Dollar für Alcan bezahlen. Sollte das Vorhaben gelingen, würde Alcoa zusammen mit Alcan der erst im März entstandenen United Company Rusal vorbeiziehen, die über eine Dreierfusion zum weltgrößten Aluminiumhersteller geworden ist.

Alcoa machte aus dem feindlichen Charakter seines Manövers am Montag kein Hehl: „Dieses Angebot folgt auf fast zwei Jahre dauernde Diskussionen zwischen unseren Unternehmen mit Blick auf eine Vielzahl möglicher Transaktionen, darunter gescheiterte Gespräche auf Verwaltungsratsebene über eine Fusion im vergangenen Herbst“, sagte Alcoa-Vorstandschef Alain Belda in einer Mitteilung. Belda zeigte sich „sehr enttäuscht“ über den ergebnislosen Ausgang der Gespräche und fügte hinzu, sein Unternehmen hätte eine einvernehmliche Transaktion „stark vorgezogen“. Nun aber werde sehe man sich gezwungen, mit dem Angebot direkt an die Aktionäre von Alcan zu gehen.

Noch nicht das letzte Wort?

Alcoa bietet Alcan nun je Aktie 73,25 Dollar. Das bedeutet einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Dieser Kurs war für Alcan ein Allzeithoch. Das Papier hat seit vergangenem Oktober kontinuierlich an Wert gewonnen und notierte am Freitag im Vergleich zu damals um 50 Prozent höher. Auch die Aktie von Alcoa hat seit diesem Zeitpunkt deutlich um rund ein Drittel an Wert gewonnen. Vom Kaufpreis will Alcoa 58,60 Dollar oder 80 Prozent in bar bezahlen und den Rest in eigenen Aktien.

Die Finanzmärkte wetteten sofort darauf, dass die Alcoa-Offerte noch nicht das letzte Wort ist: Der Alcan-Kurs sprang am Montag im Handelsverlauf um 34 Prozent auf 31,80 Dollar. Auch das Papier von Alcoa legte um mehr als 6 Prozent auf knapp 38 Dollar zu.

Spektakuläre Dreierfusion im Herbst

Die Aluminiumbranche hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Zusammenschlüssen gesehen. So hat Alcan eine ganze Reihe von Akquisitionen hinter sich gebracht und ist mit unfreundlichen Übernahmen vertraut: Im Jahr 2003 kaufte Alcan in einer feindlichen Transaktion den französischen Wettbewerber Pechiney. Diese Übernahme wird bis heute in Frankreich als schwerer Schlag für die einheimische Wirtschaft empfunden. Im Jahr 2000 hatte Alcan bereits die Schweizer Alusuisse übernommen.

Im vergangenen Herbst kam es zu einer spektakulären Dreierfusion in der Branche: Die beiden russischen Aluminiumkonzerne Rusal und Sual kündigten den Zusammenschluss mit dem Aluminiumgeschäft des Schweizer Glencore-Konzerns zur United Company Rusal an. Die Transaktion, die im März abgeschlossen wurde, ließ den gemessen an der Produktionsmenge größten Aluminiumkonzern der Welt entstehen. Das wegen der niedrigen Energie- und Arbeitskosten in Russland besonders ertragsstarke Unternehmen kommt nach eigenen Angaben auf eine Jahresproduktion von knapp 4 Millionen Tonnen Hüttenaluminium und beschäftigt weltweit 100.000 Mitarbeiter.

Alcoa will politischem Widerstand zuvorkommen

Alcoa käme zusammen mit Alcan auf insgesamt 188.000 Mitarbeiter. Die jährliche Produktionskapazität für Aluminium würde nach Angaben von Alcoa bei 7,8 Millionen Tonnen liegen. Alcoa hat im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 30,4 Milliarden Dollar einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Dollar erzielt. Alcan kam auf einen Umsatz von 23,6 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 1,8 Milliarden Dollar.

Bei allem feindlichen Charakter der Übernahme gab sich Alcoa große Mühe, politischem Widerstand in Kanada zuvorzukommen. So versprach Alcoa dem Standort neue Investitionen. Das kombinierte Unternehmen solle einen Doppelsitz in New York und Montreal, den bisherigen Standorten der Hauptverwaltungen, haben. Alcoa war selbst in jüngster Zeit im Zentrum von Übernahmespekulationen. So gab es zuletzt im Februar Gerüchte, wonach die Bergbaukonzerne BHP Billiton und Rio Tinto an Alcoa interessiert seien.

Gegenwärtig werden in der ganzen Welt knapp 35 Millionen Tonnen Aluminium produziert. In der Branche geht man davon aus, dass die Nachfrage bis 2013 mindestens auf 42 Millionen Tonnen wachsen wird. Noch sind Westeuropa, Japan und die Vereinigten Staaten die Marktregionen mit dem höchsten Aluminiumverbrauch. Aber in jüngerer Zeit holt China auf. Wegen des hohen und teuren Stromkostenanteils in den Hütten verliert die Produktion in Westeuropa an Bedeutung.



Text: lid. / St. / F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 
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