Konzernumbau

Siemens streicht bis zu 15.000 Stellen

“Es geht jetzt um die Lehmschicht“

"Es geht jetzt um die Lehmschicht"

26. Juni 2008 Der von der Konzernspitze angekündigte Stellenabbau bei Siemens wird nach Medieninformationen höher ausfallen als von Arbeitnehmervertretern zunächst befürchtet. Weltweit sollten bis zu 15.000 Arbeitsplätze in Vertrieb und Verwaltung wegfallen, berichtet das Handelsblatt mit Berufung auf Arbeitnehmerkreise. Ein Siemens-Sprecher bestätigte die Zahl nicht und erklärte lediglich: „Wir werden uns sehr bald dazu äußern.“

Siemens-Chef Peter Löscher hatte zuvor angekündigt, dass die Vertriebs- und Verwaltungskosten des Konzerns bis zum Jahr 2010 um zehn Prozent und damit um 1,2 Milliarden Euro verringert werden sollen und klar gemacht, dass dies auch Arbeitsplätze kosten werden. Zuletzt war von bis zu 10.000 bedrohten Stellen die Rede (siehe Siemens-Vorstand macht Ernst mit dem Stellenabbau).

In Branchenkreisen wird derzeit davon ausgegangen, dass der Konzern Anfang Juli verkünden wird, wie viele Beschäftigte von den Einsparplänen im In- und Ausland betroffen sein werden. Derzeit stünden die Zahlen noch nicht fest, hieß es. In Deutschland rechnet laut „Welt“ ein Arbeitnehmervertreter mit dem Abbau von 3.000 bis 4.000 Jobs. Die Kürzungen sollen vor allem Stabsabteilungen betreffen, die nach dem von Löscher verordneten Konzernumbau überflüssig geworden sind.

Löscher: „Es geht jetzt um die Lehmschicht“

Siemens-Chef Peter Löscher kündigte an, vor allem im oberen und mittleren Management sparen zu wollen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. „Es kann nicht sein, dass wir nur bei den Arbeitern Opfer einfordern. Es geht jetzt um die Lehmschicht - vor allem das obere und mittlere Management“, sagte Löscher. Nach Informationen der „SZ“ sollen konzernweit 15.000 Stellen auf der Kippe stehen. Siemens wolle 1,2 Milliarden Euro Verwaltungskosten einsparen.

Löscher kündigte zudem an, die Führungsschicht des Unternehmens internationalisieren zu wollen. „Ein sehr großer Teil der 600 Führungskräfte ist deutsch und männlich. Das muss sich in den nächsten Jahren ändern“, sagte er. Quoten lehnte er ab. „Aber ich hätte gerne, dass ein richtig guter Chinese das China-Geschäft führt und ein richtig guter Inder für Indien zuständig ist.“

Tiefgreifender Konzernumbau

Siemens vollzieht unter der Führung Löschers einen tiefgreifenden Konzernumbau. Dabei wurden die Führungsgremien verkleinert und das Geschäft in den drei Säulen Energie, Gesundheit und Industrie zusammengefasst, denen 15 Sparten untergeordnet sind. Diese Verschlankung der Strukturen will Siemens nun auch beispielsweise in der Personalorganisation nachvollziehen. Erst kürzlich hatte Siemens- Chef Peter Löscher noch einmal deutlich gemacht, dass Einsparungen nicht immer nur von den Arbeitnehmern in den Fabriken verlangt werden könnten, sondern dass auch Vertrieb und Verwaltung ihren Teil dazu beitragen müssten. Insgesamt hat Siemens derzeit rund 435.000 Mitarbeiter, knapp ein Drittel davon in Deutschland.

Dem Siemens Management stehen weitere Umwälzungen bevor. Bei den Verhandlungen mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC um ein möglicherweise milliardenschweres Bußgeld gegen den Konzern wegen des Korruptionsskandals wolle Siemens jetzt aufs Gas drücken berichtet die Zeitung. Rechtsvorstand Peter Solmssen solle bis zum Herbst ein Ergebnis erreichen.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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