
Erwartet das "schwächste Weihnachtsgeschäft, das wir uns vorstellen können": Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub
15. Oktober 2008 Die Edeka-Gruppe hält trotz des verschlechterten konjunkturellen Umfelds an seinen Expansionsplänen fest. Demnach sollen von 2008 bis Ende 2010 rund 1000 Edeka- und Netto-Läden neu eröffnet werden. Das bekräftigte ein Sprecher von Deutschlands größtem Lebensmitteleinzelhändler. Die Mitarbeiterzahlen in den Filialen der Gruppe sind sehr unterschiedlich. Viele Geschäfte der Discount-Kette Netto kommen mit 10 bis 15 Beschäftigten aus. In den Edeka-Läden arbeiten zuweilen mehr als 70 Menschen. Insgesamt, so der Sprecher, entstünden bis Ende 2010 rund 25.000 neue Arbeitsplätze. Aktuell arbeiten 253.000 Menschen für die Edeka-Gruppe, darunter 13.000 Auszubildende.
Im Gespräch mit der F.A.Z. hatte Vorstandssprecher Markus Mosa betont, dass Edeka dank der zweigliedrigen Geschäftsstruktur gut aufgestellt sei für die sich verändernden Konsumgewohnheiten: Die Entwicklung in unserer Gesellschaft spiegelt sich auch in unseren Märkten wider. Die Mitte bricht weg. Der Kunde kauft entweder extrem preisbewusst, oder er greift genuss- und qualitätsorientiert zu Premium- und Markenartikeln. In beiden Segmenten sind wir mit unternehmergeführten Edeka-Geschäften auf der einen und Netto Marken-Discount auf der anderen Seite hervorragend aufgestellt.
Discounter profitieren von der Finanzkrise
Unterdessen erwartet der Mülheimer Handelskonzern Tengelmann (Obi, Kik) durch die weltweite Finanzkrise harte Zeiten für den Einzelhandel in Deutschland. Die Finanzkrise wird drastische Konsequenzen haben, prognostizierte Konzernchef Karl-Erivan Haub in Mülheim an der Ruhr. Der Handel werde über Jahre unter den Nachwirkungen der Krise leiden. Dies würden viele finanzschwache Unternehmen nicht überleben. Insbesondere im Textilhandel und bei den Baumärkten sei eine weitere Konsolidierung zu erwarten, sagte Haub.
Der Branche drohe angesichts der wachsenden Verunsicherung der Verbraucher das schwächste Weihnachtsgeschäft, das wir uns vorstellen können, prognostizierte der Tengelmann-Chef. Wir gehen davon aus, dass noch viele Wettbewerber angesichts der schwierigen Zeiten, die Segel streichen müssen. Das eigene Unternehmen sieht der Konzernchef allerdings gut auf die zu erwartenden Krise vorbereitet. Wir haben rechtzeitig finanzielle Reserven aufgebaut, meinte Haub. Auch der Erlös aus dem Verkauf der Mehrheit an seiner Discount-Tochter Plus an Edeka solle angesichts der drohenden Rezession erst einmal zurückgelegt werden, sagte er.
Die Discounter werden nach Haubs Einschätzung von Finanzmarktkrise und Konjunkturabkühlung profitieren. Discount ist noch wertvoller geworden, sagte er. Tengelmann wird am neuen Lebensmittel-Discountriesen Netto/Plus voraussichtlich mit 20 Prozent beteiligt sein und könne damit an dem zu erwartenden Erfolg teilhaben. Der Firmenchef hofft den vom Kartellamt unter harten Auflagen genehmigten Verkauf zum Jahresende endlich abschließen zu können. Dem Kartellamt lägen inzwischen zwei Vorschläge zur Erfüllungen der Forderungen vor. Ab Januar 2009 sollen dann die Plus-Filialen in das Netz der Edeka-Discount-Tochter Netto integriert werden.
Tengelmann will im Ausland wachsen
Im Ende April abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008 hatte Tengelmann seinen Umsatz um 2,5 Prozent auf knapp 20 Milliarden Euro gesteigert. Umsatzzuwächse im Ausland konnten dabei leichte Einbußen in Deutschland mehr als wettmachen. Vor allem Deutschlands größte Baumarktkette Obi litt auf dem Heimatmarkt unter der Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Dagegen befindet sich der Textil-Discounter Kik weiter auf einem stürmischen Wachstumskurs. Die vor dem Verkauf stehende Discount-Kette Plus und die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann meldeten zumindest bescheidene Umsatzzuwächse. Das operative Ergebnis (Ebitda) habe des Konzerns mit rund 400 Millionen Euro ungefähr auf Vorjahresniveau gelegen. Genau Gewinnangaben macht das Familienunternehmen traditionell nicht.
Generell will Tengelmann in Zukunft vor allem im Ausland wachsen. Der Auslandsanteil am Umsatz soll in den nächsten beiden Jahren von derzeit 43 auf 50 Prozent steigen. Das Hauptaugenmerk liege dabei auf Osteuropa, sagte Haub. In Deutschland will das Unternehmen dagegen geplante Investitionen angesichts der erwarteten Konjunkturflaute noch einmal auf den Prüfstand stellen.
Text: rit./tih./FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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