20. Dezember 2007 Die problembeladene Investmentbank Bear Stearns hat wegen der Immobilienkrise in Amerika den ersten Verlust ihrer Geschichte erlitten. Nach Milliardenabschreibungen rutschte die Bank im vierten Quartal mit 854 Millionen Dollar tief in die roten Zahlen. Wegen fauler Kreditpapiere bereinigte Bear Stearns Wertverluste von unter dem Strich 1,9 Milliarden Dollar. Wir sind offenkundig bestürzt, gestand der 73-jährige Bankchef James Cayne am Donnerstag in New York.
Bear Stearns schnitt damit weit schlechter ab als von Experten ohnehin erwartet. Die Bank reihte sich in die lange Liste großer Häuser mit dramatischen Wertverlusten ein. Die führenden amerikanischen Banken haben bisher über 60 Milliarden Dollar wegen der Probleme an den Hypothekenmärkten abgeschrieben.
Gewinn bricht auf ein Zehntel ein
In dem am 30. November beendeten Gesamtjahr brach der Gewinn bei Bear Stearns um fast 90 Prozent auf 233 Millionen Dollar ein. Die Erträge fielen von 9,2 auf 5,9 Milliarden Dollar (4,1 Mrd Euro). Den Problemen durch die Kreditkrise standen Erfolge anderer Sparten gegenüber. Sonst wäre die Bank noch tiefer ins Minus gestürzt.
Die Aktie gewann zum Handelsauftakt rund 1,3 Prozent auf 91,77 Dollar. Die Anleger hoffen wie auch bei anderen Banken, dass Bear Stearns nun alle Lasten im vierten Quartal verdaut hat und befreit ins neue Geschäftsjahr geht. Seit Jahresbeginn ist der Börsenwert der Bank allerdings um fast die Hälfte eingebrochen.
Kein Bonus fürs Top-Management
Das Top-Management bekommt angesichts des Misserfolgs wie auch beim Wettbewerber Morgan Stanley in diesem Jahr keine Bonuszahlungen. Bear Stearns war vergleichsweise stark in den schwach besicherten Kreditgeschäften (Subprime) engagiert. Im Sommer strauchelten zwei Hedge-Fonds der Bank spektakulär. Gegen einen der Fondsmanager, der das Haus inzwischen verlassen haben soll, laufen Berichten zufolge Ermittlungen. Unterdessen wurde Bear Stearns amerikanischen Medienberichten zufolge von der britische Bank Barclays mit dem Vorwurf verklagt, über die Lage des Fonds getäuscht worden zu sein.
Die zweitgrößte Investmentbank Morgan Stanley war noch tiefer als der weit kleinere Konkurrent Bear Stearns in die Verlustzone gerutscht und musste diese Woche einen chinesischen Investor mit einer Kapitalspritze an Bord nehmen. Im Gegensatz dazu meisterte die mit Abstand führende Investmentbank Goldman Sachs die Kreditkrise besser und legte Rekordergebnisse vor.
Text: DPA-AFX
Bildmaterial: REUTERS
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