Telekommunikation

In Helsinki entsteht „Nokia Siemens Networks“

Chef-Netzwerker: Simon Beresford-Wylie

Chef-Netzwerker: Simon Beresford-Wylie

19. Juni 2006 Der Münchener Technologiekonzern Siemens und die finnische Nokia legen ihr Geschäft mit Telefon-Netzwerken zusammen. An dem eigens dafür gegründeten Gemeinschaftsunternehmen werden beide Unternehmen jeweils zur Hälfte beteiligt sein, wie Siemens mitteilt. Durch die Fusion entsteht das weltweit drittgrößte Unternehmen der Branche nach Ericsson und Lucent/Alcatel. Nokia und Siemens wollen vor allem durch die Zusammenlegung ihrer Entwicklungsteams auf dem umkämpften Markt für Telefon- und Mobilfunknetze besser bestehen können.

Die Kooperation soll Synergieeffekte von 1,5 Milliarden Euro bringen, die stufenweise bis 2010 erreicht werden sollen. Das Joint Venture mit dem Namen „Nokia Siemens Networks“ werde seinen Hauptsitz in Helsinki haben. Die Unternehmen sprachen von einer „Anpassung“ der insgesamt rund 60.000 Arbeitsplätze um 10 bis 15 Prozent. Eine genaue Analyse müsse mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt werden.

Auch wenn Siemens und Nokia zu gleichen Teilen an dem neuen Ausrüster beteiligt sind, spielen die Finnen eine größere Rolle. Nokia Siemens Networks wird seinen Hauptsitz in Helsinki haben, der Nokia-Manager Simon Beresford-Wylie übernimmt den Vorstandsvorsitz. Siemens stellt mit Peter Schönhofer, Mitglied des Vorstands der Siemens AG Österreich, den Finanzvorstand von Nokia Siemens Networks. Während das Joint Venture bei Nokia konsolidiert wird, bewertet Siemens die Gesellschaft in ihren Bilanzen nur anteilsmäßig (“at equity“).

Beide Aktien profitieren

Kurz nach Handelsauftakt am Montag legte die Siemens-Aktie um 5,41 Prozent auf 66,21 Euro zu, später wurden es rund 9 Prozent. „Das ist für Siemens ein weiterer Schritt nach vorne“, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing in Frankfurt. „Siemens hat einen Katalysator gebraucht, um anzuspringen, das ist der Katalysator.“ Auch Nokia-Papiere waren in Helsinki am Montag morgen gefragt: Sie gewannen 2,43 Prozentpunkte auf 16,03 Euro.

Siemens sucht bereits seit längerem eine Lösung für seine ertragsschwache Festnetzsparte. Bis zum nächsten Jahr sollen alle Geschäftsbereiche die ehrgeizigen Renditevorgaben des Konzerns erfüllen. Die Kommunikationssparte Com () ist davon meilenweit entfernt. Daher war mit radikalen Schritten gerechnet worden. Für das Geschäft mit firmeninternen Netzwerken sucht Siemens noch eine Lösung. Verhandlungen über eine Konsolidierung der Branche würden bereits geführt, hieß es. Der Bereich „Wireless Modules“ werde in die Automatisierungs-Sparte von Siemens eingegliedert. Die verlustreiche Handy-Sparte hatte Siemens bereits an den taiwanesischen Konzern Benq abgegeben.

Bezogen auf das Kalenderjahr 2005 weise Nokia Siemens Networks einen Pro-Forma-Umsatz von 15,8 Millarden Euro aus. Nokia und Siemens erwarten nach eigenen Angaben, daß sich die Transaktion vor Restrukturierungskosten bis Ende des Jahres 2007 positiv auf ihre Ergebnisse je Aktie auswirke.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, dpa, AFP
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

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