Autozulieferer

Familie Schaeffler will Continental kaufen

Von Carsten Knop

13. Juli 2008 Die Schaeffler-Gruppe, ein Autozulieferer aus Herzogenaurach im Besitz der Familie Schaeffler, will den wesentlich größeren Continental-Konzern aus Hannover übernehmen. Nach Informationen der F.A.Z. sind über das Wochenende konkrete Übernahmeverhandlungen geführt worden. Geplant wird das Geschäft von Schaeffler aber schon seit Wochen.

Die Continental AG hat einen Börsenwert von knapp 9 Milliarden Euro - die nicht börsennotierte Schaeffler-Gruppe will den Conti-Aktionären dem Vernehmen nach etwas mehr als 10 Milliarden Euro zahlen. Hinzu kommt die Übernahme von Schulden in Höhe von rund 11 Milliarden Euro. Wie zu hören ist, hat sich die Schaeffler KG die nötigen Finanzierungszusagen von Banken schon beschafft. Gesellschafter des Unternehmens sind Maria-Elisabeth und ihr Sohn Georg Schaeffler. Eine Übernahme von Continental wäre der größte Unternehmenskauf in diesem Jahr in Europa.

Börsennotierung von Conti würde eingestellt

Das Vorhaben wird von verschiedenen Quellen unabhängig voneinander bestätigt, offiziell war von den beteiligten Unternehmen allerdings kein Kommentar zu erhalten. Angestrebt wird eine Transaktion, die von der Unternehmensführung von Continental unterstützt wird. Gelingt dies nicht, würde Schaeffler aber wohl auch vor einem sogenannten feindlichen Übernahmeversuch nicht zurückschrecken. Kommt die Übernahme zustande, wird die Börsennotierung von Continental eingestellt. Dies würde einen Wert betreffen, der mit seinen Papieren im Deutschen Aktienindex Dax enthalten ist.

Mit der Übernahme von börsennotierten Unternehmen hat Schaeffler Erfahrung: Im Jahr 2001 wurde der Autozulieferer FAG Kugelfischer gegen den Willen der dortigen Unternehmensführung übernommen - und danach von der Börse genommen. Zur Finanzierung des Continental-Kaufs wird erwogen, das Reifengeschäft vom Rest der Continental-Gruppe abzuspalten, die sich erst vor einem Jahr durch den Kauf von Siemens VDO erheblich vergrößert hatte. Das Reifengeschäft macht Continental zur Zeit ohnehin nur wenig Freude - es leidet unter hohen Rohstoffpreisen und einer schleppenden Autonachfrage. Das Unternehmen hat daher soeben eine weitere Preiserhöhung für einen Teil seiner Produkte angekündigt. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Börsenwert von Continental halbiert, was Schaeffler den Einstieg nun erheblich erleichtert.

Rund 66.000 Mitarbeiter der Schaeffler-Gruppe erwirtschafteten 2007 einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro. Der Continental-Konzern gehört mit einem für das laufende Jahr angestrebten Umsatz von mehr als 26,4 Milliarden Euro zu den fünf führenden Automobilzulieferern der Welt. Zu den Produkten zählen längst nicht mehr nur Reifen, die zuletzt einen Umsatz von rund 6,5 Milliarden Euro beisteuerten.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa

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