VW-Skandal

Fluchtgefahr: Früherer VW-Betriebsratschef Volkert verhaftet

Über die VW-Affäre gestolpert: Klaus Volkert

Über die VW-Affäre gestolpert: Klaus Volkert

21. November 2006 Der ehemalige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert ist verhaftet worden. Das teilte die Braunschweiger
Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Es bestehe Verdunklungsgefahr, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. Der Haftbefehl stütze sich „zum einen auf den dringenden Tatverdacht einer Anstiftung zur Untreue, zum anderen hat das Gericht die Auffassung der Staatsanwaltschaft geteilt, daß Verdunkelungsgefahr die Inhaftierung des Beschuldigten erforderlich macht“, teilte das Amtsgericht Braunschweig zur Begründung mit.

Hintergrund der Inhaftierung seien Angaben des Mitbeschuldigten Klaus-Joachim Gebauer, wonach Volkert im Beisein seines Rechtsanwaltes am 1. November dieses Jahres Gebauer während eines Treffens in Magdeburg bedrängt hat, seine bisherigen Angaben bezüglich seiner Person abzuschwächen oder zu relativieren, um auf diese Art und Weise unbestraft zu bleiben oder zumindest milder bestraft zu werden.

Drohung gegenüber Gebauer

Peter Hartz und Klaus Volkert

Peter Hartz und Klaus Volkert

Dazu sei Gebauer angeboten worden, ihm einen kostenlosen Verteidiger zu verschaffen und dafür zu sorgen, daß Gebauer keine Zahlungen an seinen bisherigen Rechtsbeistand zu leisten brauche, so die Staatsanwaltschaft. Ansonsten könne das weitere Verfahren zu einem „Gemetzel“ führen. Diese Äußerung habe die Staatsanwaltschaft als Drohung gegenüber Gebauer aufgefaßt, falls er sich auf das Angebot nicht einlasse.

Daher bestehe der Verdacht, daß Volkert Gebauer oder andere Beteiligte zu einer wahrheitswidrigen Aussage bewegen und die Aufklärung der Sache um jeden Preis verhindern wollte. Volkert war ebenso wie der VW-Personalvorstand Peter Hartz zurückgetreten, kurz nachdem die VW-Affäre um Bestechungsgelder und Lustreisen bei dem Autokonzern 2005 ins Rollen gekommen war.

Sachlich nicht begründete Geldleistungen

In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen Hartz erhoben. Er soll dem Unternehmen innerhalb von fast zehn Jahren einen Gesamtschaden von fast 2,5 Millionen Euro zugefügt haben. Die Vorwürfe gegen Hartz beziehen sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf sachlich nicht begründete Geldleistungen an den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Volkert.

Dieser soll den Ermittlungen zufolge von 1994 bis 2005 neben seinem Gehalt so genannte Sonderbonuszahlungen in einer Gesamthöhe von rund 1,95 Millionen Euro von Hartz erhalten haben, ohne das dies bei VW offen gelegt worden sei.

„Großzügig und wertschätzend“

Weiter wird Hartz vorgeworfen, zwischen 2000 und 2004 Barauszahlungen in Höhe von knapp 400.000 Euro an Volkerts damalige brasilianische Geliebte Adriana Barres freigegeben zu haben. Ferner geht es um eine Reihe weiter Vergünstigungen, die Volkert und Barres von Harzt erhalten haben sollen. So soll Hartz seinen Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer 1997 angewiesen haben, den Betriebsratsvorsitzenden Volkert „großzügig und wertschätzend“ zu behandeln und dabei „nicht kleinlich“ zu sein.

Zwischen Gebauer sowie Volkert und dessen Anwalt Peter-Michael Diestel ist es unterdessen zu einem Justizstreit gekommen. Diestel und Volkert veranlaßten Strafanzeige gegen Gebauer, wie Diestel am vergangenen Wochenende in Potsdam mitteilte. Hintergrund ist ein Bericht des Magazins „Focus“, wonach Volkert und Diestel Gebauer finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt haben sollen, wenn dieser seine Aussagen vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig zu Gunsten Volkerts relativiere. Diestel wies dies zurück.

Text: FAZ.NET mit Material von AP, DDP, DPA, Dow Jones
Bildmaterial: ddp, dpa

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