Automobile

Medien: Bis zu 30.000 Jobs bei VW in Gefahr

VW-Markenvorstand Bernhard macht Ernst in Wolfsburg

VW-Markenvorstand Bernhard macht Ernst in Wolfsburg

17. Juni 2006 VW-Personalvorstand Horst Neumann hat einen Medienbericht zurückgewiesen, wonach bei dem Wolfsburger Autobauer weit mehr als die angekündigten 20.000 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen sollen. „Eine solche Aussage habe ich nicht gemacht. Die Lage bei VW ist zwar ernst, aber es besteht kein Grund zu Panik, und schon gar nicht zur Panikmache“, zitierte ein Sprecher den VW-Arbeitsdirektor am Samstag in Wolfsburg.

Die Zeitschrift „Spiegel“ hatte berichtet, Neumann habe Arbeitnehmervertretern angekündigt, daß über die bedrohten 20.000 Arbeitsplätze hinaus bei VW weitere 10.000 Stellen in Gefahr seien. Grund sei, daß die nächste Generation des Verkaufsschlagers Golf wegen der derzeit hohen Arbeitskosten nicht mehr rentabel in Wolfsburg gebaut werden könne und nur ein kleiner Teil der Produktion in dem niedersächsischen Werk bleibe.

Scirocco wird in Portugal gebaut

Auch VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatte bereits mit der Drohung, die Golf-Produktion ins Ausland zu verlagern, Druck auf die Arbeitnehmer ausgeübt. Im Zuge seiner Sanierung stellt der Autobauer bis zu 20.000 Arbeitsplätze in Frage - ein Fünftel der Belegschaft in Westdeutschland. Analysten gingen bereits davon aus, daß VW 30.000 Stellen zuviel hätte, wenn die Arbeitszeit verlängert würde. Die wöchentliche Arbeitszeit in den sechs schwach ausgelasteten westdeutschen Montage- und Komponentenwerken will VW auf 35 Stunden zu gleichen Löhnen verlängern, trifft bei diesen Plänen jedoch auf den Widerstand von Gewerkschaft und Betriebsrat. Bei VW gilt derzeit die Vier-Tage-Woche mit 28,8 Stunden.

Die Belegschaft am Stammsitz von Europas größtem Autobauer in Wolfsburg kann sich laut Spiegel“ zudem keine Hoffnungen auf einen neuen Produktionsauftrag machen. Der VW-Vorstand habe entschieden, daß der geplante neue Scirocco aus Kostengründen nicht in Wolfsburg, sondern in Portugal gebaut werde, berichtete das Magazin in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe ohne Nennung von Quellen.

Fox in Europa - Polo billiger

Unterdessen prüfe Bernhard, ob sich der gegenwärtig in Brasilien produzierte Kleinwagen Fox auch in Europa Gewinn bringend fertigen lasse, meldete die „Automobilwoche“ vorab aus ihrer neuen Ausgabe. Derzeit sei der Verkauf des Kleinwagens aufgrund des stark gestiegenen brasilianischen Real in Europa ein Zuschußgeschäft. In der engeren Auswahl seien das Seat-Werk im spanischen Matorell und die VW-Fabrik im slowakischen Bratislava, meldete das Blatt weiter. Konzernchef Bernd Pischetsrieder habe die Pläne wegen der dann nötigen hohen Investitionen aber vorerst gestoppt. Ein VW-Sprecher wollte die Meldungen nicht kommentieren.

Die nächste Modellversion des Kleinwagens Polo will Bernhard der „Automobilwoche“ zufolge durch eine kräftige Preissenkung ankurbeln. Der Wagen soll rund 2000 Euro je Stück günstiger produziert werden.

Text: dpa, Reuters
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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