Für 4,5 Milliarden Dollar

Warren Buffett kauft Mischkonzern Marmon

Von Norbert Kuls

Investor Warren Buffett: Erst Industriebeteiligungen, dann Banken?

Investor Warren Buffett: Erst Industriebeteiligungen, dann Banken?

26. Dezember 2007 Die vom Investor Warren Buffett kontrollierte Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway erwirbt für 4,5 Milliarden Dollar einen Anteil von 60 Prozent am amerikanischen Mischkonzern Marmon Holdings. Marmon steht mit einem Jahresumsatz von rund 7 Milliarden Dollar unter den nicht börsennotierten amerikanischen Unternehmen auf Platz 35. Das Unternehmen befand sich bisher im Besitz der Unternehmerdynastie Pritzker aus Chicago, die unter anderem als Gründer und Mehrheitseigner der Hotelkette Hyatt bekannt ist. Unter dem Dach von Marmon befinden sich mehr als 125 verschiedene Produktions- und Dienstleistungsunternehmen. Unter anderem stellt Marmon Tankwaggons für Eisenbahnen, Elektrokabel sowie Abflussrohre für Häuser her. Für Marmon arbeiten rund 21 500 Angestellte in Nordamerika, Europa und China.

Die Brüder Jay und Robert Pritzker, Enkel des Gründers Nicholas Pritzker und lange Jahre die Führer des Imperiums, hatten Marmon 1953 gekauft, als der Konzern ein kleines Unternehmen in Ohio gewesen war. Für Buffetts Berkshire Hathaway, zu der mehr als 60 Unternehmen gehören, ist Marmon die bisher größte Akquisition außerhalb der Versicherungsbranche. Zu Berkshire gehören der große Rückversicherer General Re sowie der Autoversicherer Geico. Berkshire besitzt auch einige Industrieunternehmen, darunter Johns Manville, ein Hersteller von Baumaterialien. Im vergangenen Jahr hatte Buffett zudem für 4 Milliarden Dollar einen Anteil von 80 Prozent am israelischen Maschinenhersteller Iscar erworben.

Kurze Verhandlungen

Berkshire wird auch die verbleibenden Anteile von Marmon bis zum Jahr 2014 in Schritten erwerben. Der endgültige Kaufpreis wird von der zukünftigen Geschäftsentwicklung des Unternehmens abhängen. Der Verkauf ist nach Angaben von Buffett innerhalb von nur zwei Wochen zustande gekommen, nachdem ein Investmentbanker von Goldman Sachs den Kontakt hergestellt hatte. Marmon wäre nach Ansicht von Buffett wegen seiner vielfältigen Geschäftsbereiche für viele potentielle Käufer nicht in Frage gekommen. "Ich habe nichts dagegen, wenn man uns als Konglomerat bezeichnet. Jetzt sind wir eben noch mehr Konglomerat", sagte Buffett, dessen Gesellschaft den Unternehmen in ihrem Besitz bei der Führung der Geschäfte große Freiheiten lässt.

Buffett ist auch als erfahrener Anleger in unterbewertete Aktien bekannt. Es gibt deswegen immer wieder Gerüchte, dass Berkshire größere Anteile an einer der im Zuge der Hypothekenkrise unter Druck geratenen Banken erwerben könnte. Berkshire verfügt aktuell über 45 Milliarden Dollar an Barmitteln. Buffett besitzt schon größere Minderheitsanteile an Finanzdienstleistern wie American Express, Wells Fargo oder U.S. Bancorp. In den vergangenen Monaten hatte er die Anteile an den stark im Hypothekengeschäft engagierten Banken Wells Fargo und U.S. Bancorp aufgestockt. In größerem Stil beteiligen sich an den krisengeschüttelten amerikanischen Banken allerdings zunächst Großanleger aus Asien und dem Nahen Osten. So erwirbt die staatliche Investmentgesellschaft Temasek aus Singapur für rund 5 Milliarden Dollar einen Anteil von knapp 10 Prozent an der New Yorker Investmentbank Merrill Lynch. Buffett gilt jedoch als Kenner der Wall Street. Er führte Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts das später in der Großbank Citigroup aufgegangene Wertpapierhaus Salomon Brothers aus einer Krise.

Mit dem geplanten Erwerb von Marmon konzentriert sich Buffett aber vorerst auf Industriebeteiligungen. Der Verkauf von Marmon ist eine Folge der geplanten Aufteilung des Pritzker-Imperiums. Nach einem nach dem Tod von Jay Pritzker vor acht Jahren ausgebrochenen Streit hatten sich die Familienmitglieder darauf geeinigt, dass die Vermögenswerte bis zum Jahr 2011 unter elf Cousins der Familie aufgeteilt werden. Eingeschlossen der Marmon-Transaktion haben die Pritzkers in den vergangenen sechs Jahren Anlagen im Wert von mehr als 10 Milliarden Dollar veräußert. Anfang dieses Jahres hatten sie für 1 Milliarde Dollar eine Minderheitsbeteiligung an Hyatt an Goldman Sachs sowie an eine von Robson Walton kontrollierte Anlagegesellschaft verkauft. Walton ist einer der Erben von Sam Walton, des Gründers des weltgrößten Einzelhandelskette Wal-Mart Stores.



Text: nks./F.A.Z., 27.12.2007, Nr. 300 / Seite 15
Bildmaterial: dpa

 
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