Commerzbank kauft Dresdner

Der Preis der Übernahme

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01. September 2008 Die Commerzbank lässt sich die Fusion mit der Dresdner Bank fast 10 Milliarden Euro kosten und will radikal Stellen streichen: 9.000 Arbeitsplätze, das sind mehr als 13 Prozent der 67.000 Stellen beider Häuser, sollen wegfallen. Commerzbank-Chef Martin Blessing kündigte an, die Commerzbank rechne mit Synergieeffekten im Umfang von rund 5 Milliarden Euro bis 2012. Mittelfristiges Ziel sei eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 15 Prozent. Die Commerzbank werde 700 Kernfilialen der Dresdner übernehmen. Gemeinsam mit den eigenen Zweigstellen komme das neue Institut auf 1.200 Filialen. Dennoch fallen damit Hunderte Filialen weg.

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Ein Drittel des angekündigten Stellenabbaus auf dem Heimatmarkt will die Bank in den Bereichen Privat- und Geschäftskunden erreichen. Von den angekündigten 6.500 Stellen, die in Deutschland wegfallen, sollen 2.200 auf diese Bereiche entfallen, kündigte die Bank am Montag in Frankfurt an - rund zehn Prozent der Gesamtbeschäftigten in diesem Bereich. Grund sei die geplante Ausdünnung des Filialnetzes und die Zusammenlegung der Kreditbearbeitung.

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Weitere 700 Stellen sollen in der Mittelstandsbank der Commerzbank wegfallen, 1.600 durch die Zusammenlegung der zentralen Konzernsteuerung und 2.000 durch den Zusammenschluss der Service-Bereiche beider Banken. Den Stellenabbau will die Commerzbank weitgehend ohne Kündigung erreichen. Gerade in den Filialen gehe man davon aus, dass der Abbau durch Nichtbesetzung freiwerdender Stellen erreicht werden könne. Daneben sind ein Einstellungsstopp und die Förderung freiwilligen Ausscheidens geplant, Vorruhestand und Altersteilzeit sollen als Möglichkeit geprüft werden.

Verdi fordert Beschäftigungssicherung

Die Gewerkschaft Verdi dringt auf Verhandlungen über den geplanten Abbau. Bisher gebe es nur eine Zusage des Vorstands, bis 2011 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, sagte Uwe Foullong vom Verdi-Bundesvorstand der Deutschen PresseAgentur. „Das ist ein Ergebnis, das uns noch nicht ausreicht. Wir fordern jetzt Verhandlungen zur Integration der Dresdner Bank, in denen weitere Vereinbarungen zur Standort- und Beschäftigungssicherung getroffen werden.“

Heute soll es nicht um die Risiken gehen: Blessing (l.) und Diekmann

Heute soll es nicht um die Risiken gehen: Blessing (l.) und Diekmann

Vor allem das Investmentbanking soll drastisch eingedampft werden. Insgesamt will sich die Bank von zahlreichen nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten trennen und dadurch die Bilanzsumme deutlich reduzieren. Letztendlich wäre die neu formierte Bank in diesem Punkt nur um rund ein Drittel größer als die bisherige Commerzbank. Zudem solle bei der Refinanzierung die Abhängigkeit vom Kapitalmarkt verringert werden. Hier setzt Commerzbank-Chef Martin Blessing vor allem auf steigende Kundeneinlagen. Vor allem Kosten sollen nun gesenkt werden. Zusätzliche positive Ertragseffekte werden aus dem Zusammenschluss nicht erwartet. Mit der Übernahme sieht sich die Commerzbank bis auf weiteres voll ausgelastet und hat keine Ambitionen, auch für die zum Verkauf stehende Postbank zu bieten.

Ein Markenname verschwindet

Unter welchem Namen die neue Großbank am Markt auftreten wird, ist laut Blessing noch nicht entschieden. Beide Namen hätten einen hohen Wert, gerade auch der Slogan „Dresdner Bank, die Beraterbank“ sei sehr bekannt. Denkbar sei etwa „Commerzbank, die Beraterbank“. In jedem Fall sei es wenig sinnvoll, zwei Marken zu behalten.

Hier sind Arbeitsplätze keine Bank mehr

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Die Commerzbank will sich auf das Privat- und Firmenkunden konzentrieren und das verlustreiche Investmentbanking-Geschäft eindampfen. „Wir bleiben unserer bisherigen Linie treu und konzentrieren uns alleine auf kundengetriebenes Geschäft“, sagte Blessing. Alle anderen Bereiche im Investmentbanking werde man entweder reduzieren oder aufgeben. Die Verluste der Investmentsparte der Dresdner Bank hatten die Bilanz des Allianz-Konzerns in den vergangenen Quartalen deutlich belastet. Blessing sieht eine wesentliche Herausforderung künftig im Wettbewerb mit den Sparkassen. „Wir werden uns auf die Kunden und die Gewinnung von Marktanteilen konzentrieren“, sagte er. Filialen sollten nur dort geschlossen werden, wo sie sich in unmittelbarer Nachbarschaft befänden. Das fusionierte Institut habe künftig das dichteste Filialnetz aller deutschen Banken.

Zwei Allianz-Vertreter in den Aufsichtsrat

Der Chef der Dresdner Bank, Herbert Walter, wird Vertriebs- und Marketingchef bei der neuformierten Commerzbank. Mit der Übernahme der Dresdner Bank werde Walter im Vorstand der Commerzbank die Funktion des Chief Marketing Officers übernehmen, sagte Blessing. Walter sei der einzige Dresdner-Vorstand der ins Management-Team der Commerzbank wechsele. Das Führungsgremium des Frankfurter Geldhauses werde nach der Übernahme der Dresdner Bank insgesamt neun Mitglieder haben.

Dresdner-Chef Walter (r.) bekommt eine neue Aufgabe zugeteilt

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Der Aufsichtsrat der Commerzbank wird weiter von Klaus-Peter Müller geführt. Allianz-Chef Michael Diekmann soll Vize-Aufsichtsratschef werden. Neu in das Kontrollgremium soll der Finanzchef des Versicherungskonzerns, Helmut Perlet, kommen.

Eurohypo-Chef Bernd Knobloch verlässt den Commerzbank-Konzern. Der 56-Jährige werde sein Amt als Vorstandvorsitzender der Eurohypo und als Commerzbank-Vorstand zum 30. September niederlegen. Knobloch war seit 2006 Mitglied im Vorstand der Commerzbank und seit 2004 Vorstandschef der Commerzbank-Tochter Eurohypo. Nachfolger von Knobloch bei der Eurohypo wird Frank Pörschke, der seit einem Jahr bei dem Immobilienfinanzierer ist. Im Vorstand der Commerzbank übernimmt Stefan Schmittmann zum 1. November die Aufgaben von Knobloch. Der 51-Jährige war bis April dieses Jahres Vorstand der HVB in München.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa, reuters

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