Pharma und Diagnostika

Roche erwartet weitere Marktanteilsgewinne

14. Oktober 2004 Der Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern Roche erwartet in seinem Kerngeschäft weitere Marktanteilsgewinne und profitiert von modernen Biotechnologie-Präparaten, die von der Tochtergesellschaft Genentech aus San Francisco zugeliefert werden. Das Unternehmen hat in der Branche zwar schon immer als klar fokussiert gegolten. Doch erst nach dem Verkauf der rezeptfreien Medikamente an den deutschen Bayer-Konzern glaubt der Vorstandsvorsitzende Franz B. Humer, die ideale Struktur für sein Unternehmen gefunden zu haben.

"Jetzt sind wir so positioniert, wie wir uns das immer vorgestellt haben", sagte Humer auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Das Geschäft mit Diagnostika und Pharmapräparaten werde sich in Zukunft angesichts der Erfordernisse der Behandlung mit neuen Biotech-Medikamenten auch noch stärker als in der Vergangenheit gegenseitig befruchten. Denn immer häufiger würden Patienten vor dem Einsatz dieser Präparate darauf getestet, ob die Medikamente überhaupt die erwartete Wirkung versprechen. Entsprechende Pakete von Test und Medikament wird Roche künftig aus einer Hand anbieten können.

Schon in der jüngsten Vergangenheit hat das Umsatzwachstum bei Pharma und Diagnostika bei Roche deutlich über dem Durchschnitt der Wettbewerber gelegen. Und auch die Stärke beim Angebot moderner Krebsmedikamente zahlt sich aus. Die Fortschritte spiegeln sich in der Bilanz von Roche wider: Das Unternehmen hat seine Nettoliquidität von nur 600 Millionen Franken vor zwei Jahren auf heute 7 Milliarden Franken verbessert. Die Eigenkapitalquote ist in derselben Zeitspanne auf 55 von zuvor 40 Prozent gestiegen. Im laufenden Geschäft erwartet Humer für die Pharmasparte im Jahr 2004 eine Betriebsgewinnmarge vor Sonderpositionen von 26 Prozent. "Diese Marge werden wir im kommenden Jahr halten", kündigte Humer an.

Das sei aber nicht etwa eine Stagnation, sondern eine Leistung, denn für die Einführung und Entwicklung von neuen Produkten fielen zusätzliche Kosten an. In der Diagnostika-Sparte bleibt es beim Ziel, 2006 eine Betriebsgewinnmarge vor Sonderpositionen von 23 Prozent zu erreichen; im ersten Halbjahr habe dieser Wert oberhalb von 20 Prozent gelegen. Der Roche-Konzernumsatz ist vor allem wegen des stark gestiegenen Absatzes von Krebsmedikamenten in den ersten drei Quartalen 2004 in Landeswährung um 14 Prozent auf 21,90 Milliarden Franken (14,1 Milliarden Euro) geklettert.

Der Umsatz des Krebsmedikaments Mabthera (Rituxan), des umsatzstärksten Produkts von Roche, wuchs um 31 Prozent auf 2,50 Milliarden Franken. Im gesamten Bereich Pharma erhöhte sich der Umsatz in lokalen Währungen um 17 Prozent auf 16,13 Milliarden Franken und bei den Diagnostika um 8 Prozent auf 5,76 Milliarden Franken. Das Pharmageschäft soll auch im gesamten Jahr "sehr solide zweistellige Wachstumsraten" erzielen, die Diagnostika um einen hohen einstelligen Prozentsatz wachsen. Roche bekräftigte, daß der Betriebsgewinn zweistellig steigen und das Konzernergebnis substantiell höher ausfallen werde. Im Jahr 2003 hatte Roche ein Betriebsergebnis vor Sonderposten von 6,10 Milliarden Franken und einen Konzerngewinn von 3,07 Milliarden Franken erzielt.

Die Zürcher Kantonalbank sprach von einem Ausblick, der das Vertrauen in die zukünftige Ergebnisentwicklung festige, und die Investmentbank Merrill Lynch von "starken Zahlen". Im Durchschnitt hatten die Analysten allerdings sogar mit einem Umsatz von 22,09 Milliarden Franken gerechnet. Den Aktienkurs, der im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent zugelegt hat, drückte diese Zielverfehlung im Handelsverlauf zunächst leicht ins Minus.

Mit der europäischen Zulassung für das von Genentech entwickelte Darmkrebsmedikament Avastin rechnet Roche noch im laufenden Quartal. Im Laufe des ersten Halbjahres 2006 soll das Präparat dann in den einzelnen Staaten der Europäischen Union auf den Markt gebracht werden. In den Vereinigten Staaten ist das Medikament schon seit Februar zugelassen, der seither erzielte Umsatz liegt bei 450 Millionen Franken. "Der schnelle Markterfolg dort hat mich selbst überrascht", sagte Humer. Nach seinen Worten befindet sich Roche mit den amerikanischen Behörden in Gesprächen über mögliche zusätzliche Lieferungen für das Grippemedikament Tamiflu. Roche könnte dabei in eine Lücke springen, die der Impfstoffhersteller Chiron, der Produktionsprobleme hat, für die Saison 2004/05 hinterläßt. In den ersten neun Monaten 2004 hat sich der Tamiflu-Umsatz wegen des Aufbaus von Vorräten in verschiedenen Ländern auf 237 Millionen Franken mehr als verdoppelt.

In Deutschland beschäftigt Roche rund 10 000 Mitarbeiter und hat in den ersten neun Monaten 2,4 Milliarden Euro umgesetzt. Im oberbayerischen Penzberg entsteht für 290 Millionen Euro eine neue Biotech-Produktionsanlage. Dadurch werden 150 neue Arbeitsplätze geschaffen. (Kno.)

Roche Holding AG, Basel. Der Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern Roche erwartet in seinem Kerngeschäft weitere Marktanteilsgewinne und profitiert von modernen Biotechnologie-Präparaten, die von der Tochtergesellschaft Genentech aus San Francisco zugeliefert werden. Das Unternehmen hat in der Branche zwar schon immer als klar fokussiert gegolten. Doch erst nach dem Verkauf der rezeptfreien Medikamente an den deutschen Bayer-Konzern glaubt der Vorstandsvorsitzende Franz B. Humer, die ideale Struktur für sein Unternehmen gefunden zu haben.

"Jetzt sind wir so positioniert, wie wir uns das immer vorgestellt haben", sagte Humer auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Das Geschäft mit Diagnostika und Pharmapräparaten werde sich in Zukunft angesichts der Erfordernisse der Behandlung mit neuen Biotech-Medikamenten auch noch stärker als in der Vergangenheit gegenseitig befruchten. Denn immer häufiger würden Patienten vor dem Einsatz dieser Präparate darauf getestet, ob die Medikamente überhaupt die erwartete Wirkung versprechen. Entsprechende Pakete von Test und Medikament wird Roche künftig aus einer Hand anbieten können.

Schon in der jüngsten Vergangenheit hat das Umsatzwachstum bei Pharma und Diagnostika bei Roche deutlich über dem Durchschnitt der Wettbewerber gelegen. Und auch die Stärke beim Angebot moderner Krebsmedikamente zahlt sich aus. Die Fortschritte spiegeln sich in der Bilanz von Roche wider: Das Unternehmen hat seine Nettoliquidität von nur 600 Millionen Franken vor zwei Jahren auf heute 7 Milliarden Franken verbessert. Die Eigenkapitalquote ist in derselben Zeitspanne auf 55 von zuvor 40 Prozent gestiegen. Im laufenden Geschäft erwartet Humer für die Pharmasparte im Jahr 2004 eine Betriebsgewinnmarge vor Sonderpositionen von 26 Prozent. "Diese Marge werden wir im kommenden Jahr halten", kündigte Humer an.

Das sei aber nicht etwa eine Stagnation, sondern eine Leistung, denn für die Einführung und Entwicklung von neuen Produkten fielen zusätzliche Kosten an. In der Diagnostika-Sparte bleibt es beim Ziel, 2006 eine Betriebsgewinnmarge vor Sonderpositionen von 23 Prozent zu erreichen; im ersten Halbjahr habe dieser Wert oberhalb von 20 Prozent gelegen. Der Roche-Konzernumsatz ist vor allem wegen des stark gestiegenen Absatzes von Krebsmedikamenten in den ersten drei Quartalen 2004 in Landeswährung um 14 Prozent auf 21,90 Milliarden Franken (14,1 Milliarden Euro) geklettert.

Der Umsatz des Krebsmedikaments Mabthera (Rituxan), des umsatzstärksten Produkts von Roche, wuchs um 31 Prozent auf 2,50 Milliarden Franken. Im gesamten Bereich Pharma erhöhte sich der Umsatz in lokalen Währungen um 17 Prozent auf 16,13 Milliarden Franken und bei den Diagnostika um 8 Prozent auf 5,76 Milliarden Franken. Das Pharmageschäft soll auch im gesamten Jahr "sehr solide zweistellige Wachstumsraten" erzielen, die Diagnostika um einen hohen einstelligen Prozentsatz wachsen. Roche bekräftigte, daß der Betriebsgewinn zweistellig steigen und das Konzernergebnis substantiell höher ausfallen werde. Im Jahr 2003 hatte Roche ein Betriebsergebnis vor Sonderposten von 6,10 Milliarden Franken und einen Konzerngewinn von 3,07 Milliarden Franken erzielt.

Die Zürcher Kantonalbank sprach von einem Ausblick, der das Vertrauen in die zukünftige Ergebnisentwicklung festige, und die Investmentbank Merrill Lynch von "starken Zahlen". Im Durchschnitt hatten die Analysten allerdings sogar mit einem Umsatz von 22,09 Milliarden Franken gerechnet. Den Aktienkurs, der im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent zugelegt hat, drückte diese Zielverfehlung im Handelsverlauf zunächst leicht ins Minus.

Mit der europäischen Zulassung für das von Genentech entwickelte Darmkrebsmedikament Avastin rechnet Roche noch im laufenden Quartal. Im Laufe des ersten Halbjahres 2006 soll das Präparat dann in den einzelnen Staaten der Europäischen Union auf den Markt gebracht werden. In den Vereinigten Staaten ist das Medikament schon seit Februar zugelassen, der seither erzielte Umsatz liegt bei 450 Millionen Franken. "Der schnelle Markterfolg dort hat mich selbst überrascht", sagte Humer. Nach seinen Worten befindet sich Roche mit den amerikanischen Behörden in Gesprächen über mögliche zusätzliche Lieferungen für das Grippemedikament Tamiflu. Roche könnte dabei in eine Lücke springen, die der Impfstoffhersteller Chiron, der Produktionsprobleme hat, für die Saison 2004/05 hinterläßt. In den ersten neun Monaten 2004 hat sich der Tamiflu-Umsatz wegen des Aufbaus von Vorräten in verschiedenen Ländern auf 237 Millionen Franken mehr als verdoppelt.

In Deutschland beschäftigt Roche rund 10 000 Mitarbeiter und hat in den ersten neun Monaten 2,4 Milliarden Euro umgesetzt. Im oberbayerischen Penzberg entsteht für 290 Millionen Euro eine neue Biotech-Produktionsanlage. Dadurch werden 150 neue Arbeitsplätze geschaffen. (Kno.)

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2004, Nr. 241 / Seite 19

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