Von Joachim Herr
14. Mai 2008 Der Druck auf Wolfgang Ziebart, den Vorstandsvorsitzenden des Münchner Halbleiterkonzerns Infineon, wird stärker. Der Aufsichtsrat kreidet ihm schon seit längerem strategische Fehler an. Es gibt berechtigte Kritik“, war auch am Mittwoch aus dem Kontrollgremium zu hören. So habe Infineon die zum Teil mangelhafte Vermarktung der Produkte seit Ziebarts Amtsantritt im September 2004 nicht verbessert.
Zumindest einige Aufsichtsräte sind aber auch damit unzufrieden, dass vermutete Differenzen zwischen Ziebart und Max Dietrich Kley, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, in die Schlagzeilen geraten sind. Es muss personell etwas passieren“, sagte ein Aufsichtsrat. So kann es nicht weitergehen.“ Die Art und Weise, wie der Konflikt zwischen beiden Führungskräften ausgetragen werde, schade Infineon.
Angeblich ausgemachte Sache, dass Ziebart aufgibt
Im Unternehmen ist es nach einem Bericht der Financial Times Deutschland“ ausgemachte Sache, dass Ziebart nach einem Gespräch mit Kley in den kommenden Tagen seinen Posten aufgibt. Grund sei eine Auseinandersetzung über die Strategie. Kley habe angeregt, eine Fusion mit dem niederländischen Halbleiterunternehmen NXP zu prüfen und schon ein Gespräch mit Johannes Huth, dem Europachef des NXP-Hauptgesellschafters KKR, geführt. Ziebart sei aber gegen einen solchen Plan. Weder die amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR noch Infineon oder Kley wollten den Bericht kommentieren. Im Februar hatte Kley auf Gerüchte über Ziebart noch mit der Beteuerung reagiert, eine Ablösung des Managers sei trotz der hohen Verluste von Infineon kein Thema. Der Kurs der Infineon-Aktie stieg am Mittwoch zunächst um fast 3 Prozent, drehte später aber ins Minus.
Im Aufsichtsrat heißt es, es sei kein Geheimnis, dass in der Halbleiterindustrie angesichts der Branchenkonsolidierung jeder mit jedem rede. Über NXP habe Infineon schon vor einem Jahr diskutiert. Angesichts der steigenden Kosten für neue Chipfabriken stelle sich für Infineon generell die Frage, die Halbleiterherstellung vollständig an Auftragsfertiger zu vergeben oder mit einem Partner zu fusionieren. Das muss man sich in dieser Branche dauernd überlegen“, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrats.
Idealer Partner?
Ob NXP, die frühere Halbleitersparte von Philips, der ideale Partner ist, wird unterschiedlich eingeschätzt. Im Infineon-Konzern heißt es warnend, die Geschäfte ergänzten sich nicht besonders gut. Offenbar ist dies auch Ziebarts Ansicht. NXP sei vor allem im Konsumentengeschäft tätig, eine Überlappung gebe es nur im Chipkartensegment. Am interessantesten sei die Kommunikationstechniksparte. Doch für das Geschäft mit Mobiltelefonchips hat NXP vor einem Monat mit dem französisch-italienischen Konzern ST Microelectronics (STM) ein Gemeinschaftsunternehmen vereinbart. Im Aufsichtsrat wird außerdem darauf hingewiesen, dass NXP im Segment der Chips für Autoelektronik nicht besonders stark sei. Auf dem Gebiet der Chipkarten, auf dem Infineon der größte Anbieter der Welt ist, könnte es kartellrechtliche Hindernisse geben.
Eine Partnerschaft von NXP und Infineon müsste wohl auch mit STM abgestimmt werden, vermutet Unicredit-Analyst Stephan Haber. Generell nimmt er an, dass sich Infineon eher mit einem europäischen als mit einem amerikanischen oder asiatischen Konkurrenten verbündet. Dafür wäre am ehesten die Zustimmung der Arbeitnehmerseite zu bekommen“, sagt Haber. Auch die Politik würde wohl ein Wörtchen mitreden.“ Folge einer Fusion mit einem amerikanischen oder asiatischen Unternehmen wäre nach Ansicht des Analysten, dass an den deutschen Standorten von Infineon wegen der relativ hohen Kosten viele Arbeitsplätze aufgegeben würden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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