07. Oktober 2008 Aus der deutschen Realwirtschaft gibt es mehr und mehr Zeichen dafür, dass die Finanzmarktkrise nun auch immer stärker die Unternehmen betrifft. Die jüngsten Meldungen vom Dienstag betreffen Opel, Mercedes, BMW: Mehrere Automobilhersteller müssen ihre Produktion aufgrund schwächelnder Nachfrage drosseln. Die VW-Tochterfirmen Seat und Skoda haben bereits angekündigt, die Produktion in Spanien und in Prag zu drosseln.
Bei Opel bricht der Absatz ein. Wie das Unternehmen am Dienstag in Rüsselheim berichtete, wird deshalb im Opel-Werk im thüringischen Eisenach ab der kommenden Woche für drei Wochen die Produktion eingestellt. Im Bochumer Opel-Werk stünden die Bänder bereits seit der vergangenen Woche still.
Die Menschen halten ihr Geld fest
Wie ein Opel-Unternehmenssprecher zu den jüngsten Produktionskürzungen sagte, sollen bis Jahresende rund 40.000 Autos weniger gebaut werden. Wir spüren die Auswirkungen der Finanzkrise, sagte Krömer: Die Menschen halten ihr Geld fest und bestellen keine Autos. Opel werde keine Autos auf Halde produzieren: Das würde auf die Neuwagenpreise und die Zeitwerte der Autos im Markt drücken.
In Bochum und Eisenach würden die Mitarbeiter im Frühjahr geleistete Mehrarbeit abfeiern. Zum Jahresbeginn seien in beiden Werken noch Sonderschichten gefahren worden. Bochum werde in der kommenden Woche die Produktion wieder aufnehmen. Nach Krömers Worten sind die Opel-Werke in Kaiserslautern und Rüsselsheim von der Absatzkrise noch nicht betroffen. In beiden Werken gebe es eine Sondersituation durch den Anlauf der Großserienfertigung des neuen Insignia. Dadurch seien beide Werke derzeit gut ausgelastet.
Auch der Autobauer BMW drosselt seine Produktion und richtet sich auf stabilere Märkte aus. Betroffen seien 40.000 Autos, die eigentlich für den amerikanischen Markt geplant waren, erklärte ein Sprecher am Dienstag. Etwa die Hälfte davon solle nun in absatzstärkere Märkte wie etwa China oder Russland gehen. Rund 20.000 Autos sollen gar nicht erst gebaut werden, sagte der Sprecher. BMW wolle seine Produktion stärker auf die Nachfrage ausrichten. Auch Daimler und Ford haben in Deutschland Produktionskürzungen angekündigt. Als besonders absatzschwache Märkte gelten derzeit die Vereinigten Staaten, Italien, Großbritannien und Spanien, sagte der BMW-Sprecher. Beim derzeitigen Stand seien aber keine weiteren Entlassungen über den bereits beschlossenen Abbau von 8.100 Stellen bis zum Jahresende notwendig.
Der Autobauer Daimler drosselt die Produktion. Unternehmenssprecher Florian Martens sagte am Dienstag in Stuttgart: Es ist unser generelles Ziel, die Fahrzeugbestände auf möglichst niedrigem Niveau zu halten. Produktionsanpassungen betreffen den Angaben zufolge die Mercedes-Benz Pkw-Werke in Deutschland sowie Tuscaloosa in Amerika. Im größten inländischen Mercedes-Werk in Sindelfingen beginnen die Weihnachtsferien in diesem Jahr deutlich früher. Dort stehen die Bänder ab 17. Dezember still. Ein Termin zur Wiederaufnahme im Januar war noch nicht bekannt, wie es hieß.
Porsche voll ausgelastet
Beim Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche gibt es im Moment dagegen keine Pläne für Produktionsanpassungen. In Stuttgart und Leipzig herrsche volle Auslastung, sagte Sprecher Albrecht Bamler. Aber: Man fahre auf Sicht. Das Unternehmen könne flexibel reagieren. In Stuttgart läuft der 911-er vom Band und in Leipzig der Cayenne.
Auch Europas größtes Softwarehaus SAP hat in der Folge der Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten in den zurückliegenden zwei Wochen ein nahezu völliges Einfrieren der Geschäfte erlebt. Vor allem der unternehmerische Mittelstand trat hart auf die Kostenbremse. Er legte nahezu alle Investitionen auf Eis. Das zog tiefe Spuren durch die Gewinn- und Verlustrechnung der SAP. Der Geschäftsverlauf des Walldorfer Softwarekonzerns wird aufgrund der weiten Verbreitung seiner Produkte und Dienstleistungen von vielen Analysten als ein Frühindikator für der konjunkturelle Entwicklung angesehen (siehe auch: Softwarekonzern SAP gerät in Sog der Finanzkrise ).
Gestern legte dann auch noch die neue Studie Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand des Verbands der Vereine Creditreform nahe, dass sich das Geschäftsklima für den deutschen Mittelstand klar verschlechtert hat, die Umsätze auf dem absteigenden Ast sind und auch der Beschäftigungsmotor Mittelstand stottert (siehe auch: Neue Studie: Der Mittelstand spürt die Finanzkrise).
Wirtschaftsverbände verteidigen Umgang der Regierung mit Finanzkrise
Große Wirtschaftsverbände haben jedoch den Umgang der Bundesregierung mit der Finanzkrise verteidigt. Es sei richtig, die Banken mit in die Verantwortung zu nehmen, sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, der Neuen Osnabrücker Zeitung (Dienstag). Auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, sagte der Financial Times Deutschland (Dienstag), er kenne aus der Industrie keine Kritik an der Bundesregierung. Der Staat muss handeln und diese schwere Krise in den Griff bekommen. Das ist das Gebot der Stunde.
Die Verbände sind allerdings uneins bei der Einschätzung der Auswirkungen der Finanzkrise auf die Unternehmen und damit die Konjunktur. Es wird für die Unternehmen schwieriger und teurer werden, Kredite zu bekommen, sagte Schnappauf. Das Exportwachstum werde deutlich nachlassen. Treier sieht hingegen in der Entwicklung in der Bankenbranche eine Chance etwa für mittelständische Unternehmen. Viele Banken würden anderen Instituten kaum noch etwas leihen, griffen dafür aber verstärkt auf den Mittelstand als Kunden zurück, sagte er. Kreditabsagen habe es bisher kaum gegeben. Es werde als Konsequenz aus der Krise jedoch stärker auf die Bonität der Kreditnehmer geachtet.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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