15. September 2007 Die Banken räumen weitgehende Versäumnisse in der Entstehung der derzeitigen Krise an den Finanzmärkten ein. Es ist für die Finanzindustrie peinlich, dass die Zentralbanken und Finanzminister ihr nun beispringen müssen“, sagte Charles Dallara, Geschäftsführer des Institute of International Finance (IIF). Chairman des Verbandes, dem gut 370 der führenden Finanzinstitute der Welt angehören, ist Josef Ackermann, der Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Dieser werde bei der Jahrestagung des Verbandes im Oktober in Washington eine Reihe von Verbesserungen für die Mitgliedsinstitute etwa im Risikomanagement vorschlagen, kündigte Dallara in Singapur an.
Das IIF sieht den Tiefpunkt der Krise um die Hauskredite in Amerika erreicht: Wir werden aber noch drei bis sechs Monate mit den Folgen zu kämpfen haben“, sagte Dallara. Auch im besten Fall würden die Ergebnisvorlagen der Banken in den kommenden Wochen die Versäumnisse der Branche widerspiegeln. Die Verluste aber bewegten sich in diesem Szenario in einer Größenordnung, die die Banken bewältigen könnten. Im schlechtesten Fall setze sich die Liquiditätskrise so weit fort, bis die Umsätze der Banken ernsthaft betroffen seien und sich dies dann auf die Volkswirtschaften niederschlage. Das Risiko einer Rezession in Amerika schätzt das IIF inzwischen mit 30 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Vor wenigen Monaten lag sie noch bei 10 Prozent“, sagte Dallara.
Währungsspekulationen birgt Unsicherheit
Er warnte vor weiteren Risiken, die neben dem Kreditgeschäft derzeit im globalen Finanzgewerbe lauerten: Laut IIF zählt dazu die Währungsspekulation im sogenannten Carry Trade vor allem mit dem japanischen Yen. Im jüngsten Bericht des Institutes heißt es: Die größte Unsicherheit liegt darin, welches Volumen der Carry Trades nun aufgelöst wird und wie die lokalen Finanzmärkte damit umgehen werden.“ Mit dem Fachbegriff werden Spekulationen bezeichnet, bei denen Investoren etwa japanische Yen in neuseeländische Dollar tauschen, um in den Genuss deutlich höherer Zinsen in Neuseeland zu gelangen.
Aber auch die Blase am chinesischen Aktienmarkt und der Zustand der russischen Banken bereiteten wachsende Sorgen, sagte Dallara: Das russische Bankensystem ist insgesamt weder reformiert noch gesund. Seit einigen Wochen stellen wir nun starke Liquiditätsabflüsse aus dem System fest, weil die Banken im Westen vorsichtiger werden. In den vergangenen Jahren hatten sie viel Geld in den Markt gepumpt. Diese Tendenz kehrt sich gerade um.“ Zwar hätten die chinesischen Banken ebenfalls noch einen langen Weg vor sich. Doch sei der Reformprozess in China inzwischen wesentlich weiter fortgeschritten als derjenige in Russland.
Es ist keine gesunde Situation
Das Hauptproblem in China liege darin, die an der Spitze der Banken angestrebten Verbesserungen an der Basis zu verankern. Dafür muss erst beim lokalen Filialleiter, aber auch beim lokalen Parteisekretär eine andere Mentalität geschaffen werden.“ Die Blasenbildung am innerchinesischen Aktienmarkt sehen die internationalen Banken ebenfalls sehr kritisch: Es ist keine gesunde Situation, so viel Liquidität in einem geschlossenen Markt zu binden. Wir haben schon oft gesehen, zu welch scharfen Korrekturen so etwas führt.“ Zwar sei es aufgrund der finanziellen Stärke Chinas eher unwahrscheinlich, dass aus einer deutlichen Korrektur in Schanghai und Shenzhen eine globale Krise entstünde. Aber natürlich gehen mit solchen Einbrüchen immer soziale und politische Konflikte einher“, warnte Dallara.
Von den Schwierigkeiten wegen der Immobilienkredite dagegen seien die Schwellenländer nach heutigem Wissensstand nur minimal betroffen. Wir haben alle Grund zu glauben, dass der Einfluss so gering bleiben wird. Die hiesigen Investoren waren noch zurückhaltend, in solche Finanzprodukte zu investieren. Zudem stehen die Schwellenmärkte, vor allem Asien, heute besser da als vor Jahren.“ Allerdings sollte den Schwellenländern auch eingeräumt werden, größere Verantwortung auszuüben: Die G 7 hat sich immer noch nicht in eine G 11 verwandelt, in der Brasilien, China, Indien und Russland mit am Tisch sitzen“, kritisierte Dallara. Der Westen aber dürfe nicht nur Korrekturen und Anpassungen von diesen Ländern einfordern, sondern müsse sie auch an Entscheidungen beteiligen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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