Versicherer

Allianz poliert mit Beiersdorf-Gewinn schwache Zahlen auf

23. Oktober 2003 Die Allianz gleicht mit einem milliardenschweren Buchgewinn aus dem Verkauf ihres Beiersdorf-Anteils überraschende neue Sonderbelastungen aus. Dies geht aus einer Mitteilung des Versicherungskonzerns hervor. Durch den Buchgewinn werde die Allianz 2003 ein "deutlich positives Ergebnis ausweisen", heißt es.

"Aber auch ohne den Buchgewinn hätte die Allianz trotz der neuen Sonderbelastungen 2003 die Gewinnzone erreichen können", betonte ein Allianz-Sprecher. Auch ohne Beiersdorf hätte die Allianz nicht noch einmal einen Jahresverlust ausweisen müssen, sagte er. 2002 war ein Fehlbetrag von 1,2 Milliarden Euro angefallen.

Von den 4,4 Milliarden Euro Verkaufserlös für Beiersdorf bleiben der Allianz ungefähr 2,2 Milliarden Euro als Gewinn, rechnet Analyst Michael Haid von Sal. Oppenheim vor. Die 43,6-Prozent-Beteiligung steht in den Allianz-Büchern mit 1,62 Milliarden Euro, wie aus dem bei der amerikanischen Börsenaufsicht eingereichten 20F-Dokument hervorgeht. Vom gesamten Gewinn von rund 2,8 Milliarden Euro steht nach Haids Schätzung eine halbe Milliarde Euro den Kunden der Allianz Lebensversicherung zu. Die Allianz gab zur Frage des Buchgewinns keine Stellungnahme ab. Der Verkauf werde im wesentlichen im vierten Quartal ergebniswirksam.

Steuerlicher Mehraufwand

Wie die Allianz überraschend schreibt, wird die veränderte steuerliche Belastung der Verluste und Abschreibungen auf Fonds bei Leben- und Krankenversicherungen auf Basis der aktuellen Beschlußlage zu einem steuerlichen Mehraufwand von 600 Millionen Euro führen, der das Konzernergebnis netto mit 150 Millionen belastet.

Ein beschleunigter Abbau der Risikoaktiva im nicht strategischen Portfolio der Dresdner Bank könne weitere "zusätzliche Belastungen auslösen, die bei der Bank für das Gesamtjahr zu einem negativen operativen Ergebnis führen können", heißt es. Bisher sollte die Dresdner operativ ausgeglichen abschließen. Eine rückwirkend für 2000 bis 2002 durchgeführte Bilanzierungsänderung bei Pimco belastet das Nachsteuerergebnis mit 111 Millionen Euro. Operativ sieht die Allianz nach neun Monaten aber eine Fortsetzung der positiven Tendenz des ersten Halbjahres.

"Die Beiersdorf-Transaktion ist ein gutes Ergebnis für die Aktionäre und Kunden der Allianz", wird Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner zitiert. Analysten kommentierten, die Allianz habe mit durchschnittlich 130 Euro einen fairen Preis erzielt. Vertreter von Allianz und Tchibo hätten am Mittwoch bis in die Nacht hinein verhandelt, hieß es. Ein Konkurrenzangebot durch den vielfach genannten amerikanischen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P & G) habe der Allianz allerdings nicht vorgelegen, heißt es in P & G nahestehenden Kreisen. "Da hat die Allianz ein gutes Spiel gespielt." Achleitner hat seit zwei Jahren versucht, das Beiersdorf-Paket zu verkaufen. "Tchibo hat schlichtweg das attraktivere Angebot gemacht", kommentierte der Finanzvorstand.

Viele Branchenkenner und Analysten glauben allerdings, daß P & G der Allianz einen höheren Preis geboten hätte. J.P. Morgan kalkuliert, daß P & G angesichts der zu erwartenden Synergien 140 Euro je Aktie hätte zahlen können. "Der Vorteil der Lösung mit Tchibo ist, daß sie schnell und einfach zu realisieren ist", heißt es bei der Allianz. P & G hätte sich noch mit Tchibo als weiterem Minderheitsaktionär verständigen müssen.



Text: mag. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2003, Nr. 247 / Seite 14

 
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