Großkonflikt mit Arbeitnehmern droht

Mehr Billigarbeitsplätze bei der Telekom

Von Helmut Bünder

Es droht ein Großkonflikt mit den Arbeitnehmern

Es droht ein Großkonflikt mit den Arbeitnehmern

21. August 2008 Die Deutsche Telekom hat bestätigt, dass sie mehr als 6000 Beschäftigte in eine Untergesellschaft mit niedrigeren Löhnen und längeren Arbeitszeiten versetzen will. Das teilte das Unternehmen an diesem Donnerstag auf einer Pressekonferenz mit.

Dabei handelt es sich, wie schon zuvor von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mitgeteilt, um Mitarbeiter in der Netztechnik. Sie sollen künftig in der Deutschen Telekom Netzproduktion GmbH untergebracht werden. Das ist eine von drei Untergesellschaften, die im vorigen Jahr nach wochenlangen Streiks gegründet worden waren.

„Die Mitarbeiter werden beispielsweise die gleiche Wochenarbeitszeit wie ihre Kollegen haben, also statt 34 dann 38 Stunden arbeiten“, sagte der Personalchef von T-Home, Dietmar Weslau. „Und auch das Gehalt soll auf das Niveau der Servicegesellschaften gebracht werden, natürlich mit den bekannten Abfederungen.“

Gewerkschaft will sich mit allen Mitteln wehren

Rund 50.000 Mitarbeiter aus der Kundenbetreuung und dem technischen Service sind schon mit schlechteren Konditionen in eine der „T-Service-Gesellschaften“ verschoben worden. Ein Verdi-Sprecher kündigte an, dass sich die Gewerkschaft mit allen Mitteln gegen weitere Einschnitte zur Wehr setzen werde.

Der Konzern erläuterte am Nachmittag außerdem die Pläne für einen Umbau der Call-Center. Das Unternehmen bestätigte, dass die Call-Center in 39 Städten geschlossen werden sollen, weil sie für einen wirtschaftlichen Betrieb zu klein seien. Von den rund 18.000 Stellen in dem Bereich sind etwa 8000 Beschäftigte von den Umstrukturierungsplänen betroffen. Lediglich 24 Standorte blieben bundesweit erhalten.

Die Telekom sichert zwar allen Mitarbeitern neue Arbeitsplätze zu. Viele von ihnen müssten künftig aber weite Wege in Kauf nehmen. „Natürlich wird es für einen Teil der Mitarbeiter dadurch längere Fahrzeiten geben“, sagte Thomas Berlemann, Geschäftsführer der Kundenservice GmbH der Telekom.

Ein Verdi-Sprecher befürchtet deshalb: „Bei den hohen Spritpreisen und ohne Pendlerpauschale lohnt sich das für viele Kollegen nicht. Die Telekom nimmt billigend in Kauf, dass sie das Unternehmen dann lieber verlassen.“

In diesen Städten werden Call-Center dicht gemacht:

Heilbronn, Karlsruhe, Passau, Ansbach, Detmold, Osnabrück, Bremen, Leer, Münster, Dresden, Hagen, Meschede, Krefeld, Mönchengladbach, Wesel, Koblenz, Köln, Aachen, Trier, Mainz, Giessen, Halle/Saale, Potsdam, Bad Kissingen, Würzburg, Kassel, Gera, Mannheim, Neustadt, Saarbrücken, Schwerin, Lübeck, Konstanz, Freiburg, Uelzen, Ulm, München, Weilheim, Berlin.

In diesen Städten bleiben Telekom-Call-Center erhalten:
Augsburg, Bielefeld, Bonn, Chemnitz, Dortmund, Düsseldorf, Erfurt, Eschborn, Frankfurt/Oder, Fulda, Hannover, Hamburg, Kempten, Kiel, Leipzig, Ludwigshafen, Magdeburg, Nürnberg, Oldenburg, Recklinghausen, Rottweil, Stuttgart, Traunstein, Weiden.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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