
Schwere Zeiten für die Mitarbeiter von Infineon. Es werden schon Stellen abgebaut; doch die Kosten, die das erst einmal verursacht, treiben das Unternehmen weiter in die Miesen
03. Dezember 2008 Die Absatzkrise der Hauptkundschaft reißt den Münchner Halbleiterkonzern Infineon immer tiefer in die Verluste. Der Fehlbetrag verzehnfachte sich im Geschäftsjahr 2007/08 nahezu auf 3,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die Ausweitung ist vor allem auf die schwere Krise der Speicherchiptochter Qimonda, zahlreiche Abschreibungen und den laufenden Stellenabbau zurückzuführen. Der Umsatz im Kerngeschäft ohne Qimonda sei um gut 200 Millionen Euro auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen.
Für die absehbare Zukunft zeichnete Infineon-Chef Peter Bauer ein düsteres Bild. Der Umsatz werde im laufenden Geschäftsjahr (zum 30. September) um mindestens 15 Prozent schrumpfen. Das operative Ergebnis werde auch ohne Sondereffekte negativ ausfallen. Die ehemalige Siemens-Tochter sieht sich vor allem vom Nachfrageeinbruch in der Automobilindustrie und eine Flaute im Mobilfunkgeschäft erfasst.
Der Halbleiterkonzern will noch mehr sparen
Infineon kündigte an, noch mehr sparen zu wollen. Das Unternehmen habe zusätzliche substanzielle Einsparmöglichkeiten identifiziert, die über die schon angekündigten 200 Millionen Euro bis Ende des Geschäftsjahres 2009 hinausgingen, teilte der Konzern mit. Die zusätzlichen Einsparungen werden jedoch wahrscheinlich durch den gleichzeitigen Rückgang des voraussichtlich unter den ursprünglich geplanten Werten liegenden Umsatzes mehr als ausgeglichen.
Zudem ist der langersehnte und noch vor Februar angestrebte Ausstieg bei der gebeutelten Qimonda offenbar vorerst vom Tisch. Angesichts des Kursniveaus von unter 20 amerikanischen Cent je Qimonda-Anteil sei Infineon vom Plan abgekommen, die Papiere als Sachdividende an seine Aktionäre zu verschenken. Bauer hofft auf einen Verkauf. Es gibt keine Sicherheit, dass Infineons Vorhaben, seine Beteiligung an Qimonda weiter zu verringern, erfolgreich umgesetzt werden kann oder dass Infineon bis zur Hauptversammlung 2009 eine Minderheitsposition bei Qimonda einnehmen wird, hieß es.
Infineon wird Fertigungsstätte Altis nicht los
Infineon ist zudem seine französische Fertigungsstätte Altis nicht wie geplant losgeworden. Die Verhandlungen mit der Advance Electronic Systems (AES) hätten zum Ende des Geschäftsjahres 2008/2009 im September nicht abgeschlossen werden können, teilte Infineon mit. Aus diesem Grund musste der Konzern Altis wieder auf die eigene Bilanz nehmen, nachdem das Geschäft zuletzt als zur Veräußerung stehend galt. Das führte zu einer Wertberichtigung mehr als 59 Millionen Euro.
Im vergangenen Quartal wies das Unternehmen vor allem wegen des Stellenabbaus und wegen der Abschreibungen auf Altis im Kerngeschäft einen Verlust von 244 Millionen Euro aus. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Gewinn von 28 Millionen Euro angefallen. Der Quartalsumsatz stieg um zwei Prozent auf 1,15 Milliarden Euro.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, FAZ.NET
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