
Beton Schühchen anzulegen ist in der Tat nicht die gewohnte Art mit neuen Wettbewerbssituationen umzugehen. Eine jahrhunderte alte Zunft adaptiert sich nun mal schwer an neue Verhältnisse. Welche Rufe im- oder explizit ausgesprochen wurden, wissen die Mitglieder der Apothekerschaft sicher selbst am besten.

Als in Norwegen lebender Apotheker verfolge ich die Diskussion über das Fremdbesitzverbot von Apotheken, also die Regel dass nur ein Apotheker eine Apotheke besitzen darf, mit Spannung. Vor einigen Jahren wurde hier das Verbot aufgehoben und die meisten Apotheken sind in den Besitz weniger Handelsketten (Oligopol) übergegangen. Deren Tätigkeit wird wesentlich aus den Konzernzentralen (von Kaufleuten) bestimmt. Ich persönlich erlebe bei Apothekenbesuchen diesen Wande als eine Veränderung in der Auswahl der verfügbaren Arzneimittel und in der Qualität der Beratung. War in der Vergangenheit jedes in Norwegen legale Arzneimittel in jeder Apotheke problemlos verfügbar und die Beratungstätigkeit individuell am Wohl der Patienten orientiert, so ist heute an Arzneimitteln am Lager was Kaufleute in der Zentrale glauben mit Gewinn verkaufen zu können und in der Beratung hat der Apothekenmitarbeiter vor Ort kaum noch Spielraum seine persönliche, fachlich fundierte Wahl zu treffen. Die Beratung ist dadurch zweifellos standardisierter und Ausreisser seltener geworden, meiner Erwartung in der Apotheke von einem Arzneimittelfachmann auf der Basis eines Studiums individuell beraten zu werden entspricht das nicht! Hände weg vom Fremdbesitzverbot!