03. Dezember 2007 Fünf Millionen Laptops werden in diesem Jahr produziert und verteilt, hat Nick Negroponte, der Initiator des Projektes, im vergangenen Januar auf der Internetkonferenz "Digital - Life - Design" in München versprochen. Tatsächlich hat im vergangenen Monat bei der Quanta Computer Inc. in China die Produktion der Laptops begonnen, hergestellt werden zunächst aber nur 300.000 Stück.
Und selbst von dieser geringen Zahl gehen längst nicht alle in die von Negroponte ursprünglich adressierten Länder, sondern im Rahmen einer besonderen Verkaufsförderungsaktion auch an Privatkunden in den Vereinigten Staaten, die mit jedem Kauf zugleich ein Gerät für ein Entwicklungsland spenden. Von einem Laptop für 100 Dollar ist ebenfalls nicht mehr die Rede. Vielmehr wird das Gerät für 188 Dollar angeboten, zuzüglich Versandkosten.
Viele haben die Idee aufgegriffen
Negroponte, einer der Pioniere des Internets und derzeit freigestellter Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT), hatte wohl nicht damit gerechnet, dass sein Projekt so potente Technologieunternehmen wie den Softwarekonzern Microsoft und Intel, den größten Hersteller von Computerprozessoren der Welt, zu Wettbewerbern machen würde. Und er hat die Bereitschaft der Regierungen in den erhofften Abnehmerländern unterschätzt, für ein Gerät Geld auszugeben, das nicht mit dem Betriebssystem Windows von Microsoft arbeitet, das zu einer Art Weltstandard geworden ist. Es gibt aus solchen Ländern sogar schon bissige Kommentare, man wolle nicht zur Müllhalde für die Geräte von Negroponte werden.
Intel hat für das Projekt von Negroponte zwar einiges Geld gespendet und bekleidet auch einen Sitz im Verwaltungsrat der One Laptop per Child-(OLPC-)Initiative. Zugleich hat Intel-Vorstandsvorsitzender Paul Otellini aber auch schon im Mai 2006 einen eigenen abgespeckten Laptop vorgestellt, der zu vergleichbaren Zwecken eingesetzt werden kann wie das Gerät von Negroponte. Der wesentliche Unterschied: Der Classmate-Laptop von Intel nutzt anders als das OLPC-Gerät keinen Prozessor des Intel-Wettbewerbers Advanced Micro Devices (AMD) und auch kein Linux-Betriebssystem, sondern Windows. Intel verkauft sein Gerät zu Preisen zwischen 230 und 300 Dollar - und erzielt damit einigen Erfolg. Nigeria zum Beispiel hat jüngst 17.000 Classmate-Computer gekauft. Microsoft bietet in Entwicklungsländern seinerseits schon für 3 Dollar ein Softwarepaket an, das neben Windows das Büroprogramm Office und einige Ausbildungsprogramme enthält. Libyen und Ägypten sind dem Vernehmen nach sehr daran interessiert, auf dieser Basis mit dem Softwarekonzern ins Geschäft zu kommen. Das Geschäft mit den Entwicklungs- und Schwellenländern wollen Microsoft und Intel ganz offensichtlich nicht den ärgsten Wettbewerbern überlassen.
Bestellung aus Uruguay
Negroponte, der seine Idee erstmals auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2005 vorgestellt hat, muss trotz aller Schwierigkeiten und Zielverfehlungen gleichwohl nicht befürchten, dass ihm kurzfristig das Geld ausgehen könnte. Tatsächlich hat die OLPC-Initiative allein in diesem Jahr mehr als 16 Millionen Dollar an Spenden eingenommen. Im Jahr 2006 lagen die Einnahmen bei 7,6 Millionen Dollar, und das Budget für das laufende Jahr erreicht 9,5 Millionen Dollar. Der Bestand an liquiden Mitteln hat Ende September 8,7 Millionen Dollar erreicht - und von jedem verkauften Computer wird künftig 1 Dollar zur Deckung von Verwaltungskosten einbehalten. Der 63 Jahre alte Negroponte bekommt für seine unermüdliche Arbeit an dem Projekt kein Geld. Zu den Spendern der ersten Stunde gehören der Internetkonzern Google, das Medienunternehmen News Corp. und der Chiphersteller AMD.
Ursprünglich sollten die kleinen grünen OLPC-Computer, die nun XO heißen, ihren Strom von einer Handkurbel beziehen, inzwischen wurde auf Solarzellen umgestellt. Auch die Rechenleistung und der Arbeitsspeicher sind größer geworden. Das macht den Computer ebenso teurer wie die fehlenden Größenvorteile aus der Massenproduktion. Die einzige wirklich große Bestellung scheint zurzeit ein Auftrag über 100.000 Stück aus Uruguay zu sein. Immer wieder muss sich Negroponte Bedenken zur künftigen Wartung der Geräte und zur Einweisung der künftigen Nutzer anhören.
Im Januar hat Negroponte in weiser Voraussicht auch schon gesagt, dass sein Projekt "kein Laptop-Projekt, sondern ein Bildungsprojekt" sei. Letztlich gehe es darum, an alle Kinder in Entwicklungsländern einen tragbaren Computer mit Internetzugang zu verteilen, damit sie besser lernen können. Viele Schwierigkeiten der Welt wie die Überbevölkerung oder der Klimawandel seien nur mit Hilfe der Bildung zu lösen. Der Laptop sei der Schlüssel zu mehr Bildung - und dazu dienen natürlich auch Geräte wie der "Classmate" von Intel.
Text: F.A.Z., 03.12.2007, Nr. 281 / Seite 18
Bildmaterial: AP
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