Marketing

Prince düpiert die Musikindustrie

Von Ulrich Friese

18. Juli 2007 Leser der „Mail on Sunday“ haben am vergangenen Sonntag kostenlos zur Wochenzeitung die neue CD von Prince bekommen. Die Masche hatte sich der amerikanische Rockmusiker mit dem bürgerlichen Namen Prince Rogers Nelson von seinem Kollegen Peter Gabriel abgeguckt. Denn der ehemalige Frontmann der Poplegende „Genesis“ beglückte erst Mitte Juni die Leser der „Mail on Sunday“ mit einem kostenlosen "Best-of"-Album.

Im Gegensatz zu Gabriel wusste Prince Fans wie Geschäftspartner gleich mehrfach zu verblüffen: Denn mit dem exklusiven Vertrieb über die Sonntagszeitung konterkarierte der exzentrische Künstler die Pläne seines Schallplatten-Labels „Columbia“, das den Verkaufsstart seines Albums „Planet Earth“ ursprünglich für den 24. Juli terminiert hatte. Gleichzeitig setzt er mit seinem forschen Marketing-Vorstoß den traditionellen Musikhandel unter Druck. Der Branche gingen nach Schätzungen wohl Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe verloren.

Verändertes Verhaltens junger Musikfans

Prince selbst, der sein Millionenvermögen 1984 durch den Verkauf von 13 Millionen Exemplaren seiner CD „Purple Rain“ begründete, findet für die Bedenken in Industrie und Handel wenig Verständnis: „Mit dem Vertrieb über die Zeitung kann ich meine Zuhörerschaft direkt erreichen“, sagt er, „und ich bleibe zudem von Problemen verschont, mit denen die Musikindustrie konfrontiert ist.“ Ähnlich wie Prince hatten sich zuvor auch Kollege Gabriel oder der britische Musiker Mike Hucknall kritisch über die Zukunft der großen Musikkonzerne geäußert.

Angesichts der Zunahme illegaler Raubkopien via Internet und des veränderten Verbraucherverhaltens junger Musikfans hätte sich das Geschäftsmodell von Traditionsfirmen wie EMI, Sony oder Warner Music längst überlebt, lautet der Tenor der Kritik aus dem Lager der etablierten Künstler. Der Londoner Großverlag Daily Mail & General Trust, in dem der Sonntagstitel erscheint, verkaufte am vergangenen Sonntag landesweit 3 Millionen Exemplare. Bislang lag die Druckauflage bei fast 2 Millionen Exemplaren, wobei bis zu 1,5 Millionen Zeitungen am Kiosk verkauft werden. Ein Sprecher des Musikkonzerns Sony BMG, zu dem „Columbia“ gehört, versucht indessen den Schaden gering zu halten: „Wir werden Prince auch in Zukunft unterstützen.“ Intern revidierten die britischen Statthalter ihren Plan, mit dem landesweiten Verkauf von "Planet Earth" in dieser Woche zu beginnen.



Text: ufe./F.A.Z., 18.07.2007, Nr. 164 / Seite 14
Bildmaterial: AFP, dpa

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