Im Porträt: Mustafa Koç

Der globale Herausforderer

Von Rainer Hermann

21. Mai 2008 Dieser Titel gefällt Mustafa Koç. Eine amerikanische Consultingfirma attestierte seiner Koç Holding, sie sei ein "global challenger". Bestätigt fühlte sich der Verwaltungsratsvorsitzende der größten türkischen Unternehmensgruppe, als er vor wenigen Tagen die Studie der "Boston Consulting Group" zu den "100 Global Challengers" aus den Schwellenländern vorzeigte. Die Autoren der Studie preisen die Holding als Beispiel, dass nicht nur Unternehmen schnell wachsen, die sich auf eine Branche spezialisiert haben. Auch Mischkonzerne wie die Koç Holding schreiben Erfolgsgeschichte.

Das ist bei Koç der Fall. Professionalisierung, Konzentration und Globalisierung lauten die Vorgaben. Vor zwei Jahren hatte Mustafa Koç die Devise ausgegeben, die Spielwiese der Holding sei die Welt. Denn zum einen soll sie vom volatilen türkischen Inlandsmarkt unabhängiger werden, zum anderen will Koç von der Globalisierung profitieren. Bereits die Hälfte seines Umsatzes von umgerechnet 27 Milliarden Euro erzielen die über hundert Unternehmen der Holding aus dem Export und dem Auslandsgeschäft. Noch vor zehn Jahren hatte die Holding nur das Innere der Türkei im Blick. Nun trägt sie die Hälfte zum türkischen Automobilexport bei, und Koç ist Europas zweitgrößter Fernsehhersteller.

Vom Krämerladen zum führenden Mischkonzern

Die Unternehmen der Holding beschäftigen zwar 85 000 Arbeitnehmer. Die Zahl der Unternehmen schrumpft aber. Denn Mustafa Koç lässt keine Gelegenheit aus zu verkünden, dass sich die Holding auf vier Kerngeschäfte konzentriert. Der Großvater Vehbi Koç hatte aus einem Krämerladen, den er 1917 in Ankara gründete, den führenden Mischkonzern der Türkei gemacht, der wuchs, als sich die Türkei für eine Politik der Importsubstitution entschieden hatte. Der Vater Rahmi Koç testete neue Branchen und baute den Konzern aus.

Vor drei Jahren begann der 1960 geborene Mustafa Koç, der an der amerikanischen Georgetown University Betriebswirtschaft studiert hatte und 2003 seinen Vater an der Spitze der Holding ablöste, Unternehmen zu verkaufen, die nicht rentabel waren oder nicht in das neu definierte Portfolio passten. In Zukunft will sich die Holding nur noch auf Automobile (Fiat und Ford), dauerhafte Konsumgüter wie Haushaltsgeräte (Arcelik) und Unterhaltungselektronik (Beko), Energie und Finanzen konzentrieren. Alles andere wird abgestoßen. Die Supermarktkette Migros wurde an die britischen Investoren BC Partners verkauft, zwei Versicherungen an die Allianz, der Heizgerätehersteller Demirdöküm an Vaillant, die Supermarktkette Ramstore in Russland an das türkische Bauunternehmen Enka. Die Erlöse summierten sich auf deutlich mehr als 2 Milliarden Dollar. Diese Liquidität war willkommen, um offene Positionen und die Verschuldung abzubauen. Denn tief hatten die Manager von Koç in die Tasche gegriffen, um vom Staat Tüpras zu erwerben, die größte Raffinerie um das Mittelmeer, und die zwangsverkaufte Yapi Kredi, die viertgrößte Bank der Türkei, die nun mit der Koçbank fusioniert wird.

„Stelle Leute ein, die besser sind als du“

Entschiedener als andere Familienkonzerne der Türkei haben die Mitglieder der Familie Koç das operative Geschäft an erfahrene Manager übertragen. In der Unternehmensführung ist Mustafa Koç der einzige seiner Brüder. Einmal sagte er: "Stelle Leute ein, die besser sind als du, und lerne von ihnen." Und so berief die Familie Koç, die weiter 70 Prozent der Anteile an der Holding hält, John McArthur, Helmut Maucher, Heinrich von Pierer und Dieter Urban in den Vorstand. Nach außen aber vertritt Mustafa Koç die nach der Familie benannte Holding.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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