Im Gespräch: Puma-Chef Jochen Zeitz

„Ich habe immer genug Handlungsspielraum“

Hat gut lachen: Puma-Chef Jochen Zeitz

Hat gut lachen: Puma-Chef Jochen Zeitz

03. Februar 2008 Viele kleine Dinge, die in der Summe sehr hilfreich sind: Die Zusammenarbeit mit dem neuen Großaktionär PPR beschreibt Jochen Zeitz als reibungslos. Gegen eine Entscheidung, Puma von der Börse zu nehmen, hätte er nichts einzuwenden.

Puma rüstet neun der 16 Fußballmannschaften aus, die bis zum 10. Februar in Ghana um den Afrika-Cup spielen. Adidas und Nike lästern über Masse statt Klasse, wenn sie auf Ihr Engagement in Afrika angesprochen werden...

... es ist doch klar, dass die Wettbewerber angesichts unserer Dominanz in Afrika nicht so viel davon halten. Gleichzeitig versuchen sie aber, uns Mannschaften abzujagen.

Gelingt es ihnen?

Nein, sie kamen nicht zum Zug, auch wenn ihre Wunschliste sehr lang war. Wir konnten mit allen Top-Mannschaften die Verträge langfristig verlängern - zum Beispiel mit Ghana, Kamerun und der Elfenbeinküste.

Geht das nur mit Bestechung? Beim Afrika-Cup gab es bisher schon mindestens zwei Versuche, Spiele zu manipulieren.

Mit den Verbänden, mit denen wir zusammenarbeiten, gibt es diese Problematik nicht. Wo Bestechung eine Rolle spielen könnte, würde es bei uns gar kein Gespräch geben.

Wie überzeugt Puma die Afrikaner dann?

Fast jedes afrikanische Team käme am liebsten zu uns. Wir geben ihnen nicht nur einen Ausrüstervertrag und Geld. Wir sind echte Partner, unterstützen zum Beispiel die Jugendarbeit, organisieren Testspiele und finden Trainingslager. Außerdem engagieren wir uns grundsätzlich für Afrika, zum Beispiel mit der Kampagne „United for Africa“ oder „Peace One Day“, und wir lancieren innovative Ideen weltweit über Afrika. Damit haben wir zum Bild des afrikanischen Fußballs positiv beigetragen. Solch ein tiefgreifendes Engagement bietet keiner unserer Wettbewerber.

Mit neuen Ideen wie dem Kurzarmtrikot oder dem Einteiler der Spieler von Kamerun provozieren Sie immer wieder die Konkurrenz und den Weltfußballverband Fifa. Sind das nicht nur Werbegags?

Nein, es geht um das innovative Design der Produkte verbunden mit der Funktionalität, zum Beispiel mit dem Ziel, das geringste Gewicht für ein Trikot zu erreichen. Mit unseren Innovationen verstoßen wir nicht gegen Spielregeln, sondern interpretieren diese immer wieder neu und verschieben damit manchmal auch die Grenzen.

Der Sportartikelmarkt Afrika ist noch winzig. Warum engagieren Sie sich dort trotzdem so stark?

Dafür gibt es zwei gute Gründe. Zum einen ist Afrika ein Zukunftsmarkt. Zum anderen passt der afrikanische Fußball perfekt zur Marke Puma mit seiner Farbenfreude und Vielfalt, der Leidenschaft der Spieler und der Fans, dem Spaß am Sport. Es geht nicht nur um das Gewinnen. Das Motto „Dabeisein ist alles“ gilt dort noch.

Puma hat aber auch Weltmeister Italien im Portfolio. Den Ausrüstervertrag haben Sie schon vor der WM 2006 für sieben Jahre bis 2014 verlängert. Müssen Sie nun auch erheblich mehr zahlen - wie Adidas für die deutsche Mannschaft?

Der Preis ist zwar gestiegen, aber nicht in die Dimensionen, die jetzt gehandelt werden. Zahlen nenne ich aus Wettbewerbsgründen allerdings nicht.

Würden Sie in einem Bieterwettbewerb mitmischen, in dem es um 20 oder 25 Millionen Euro im Jahr geht? Nike hatte dem DFB sogar 62 Millionen Euro im Jahr geboten.

Das schließe ich nicht aus. Es hängt von der Strategie ab, von der Mannschaft und den Marktpotentialen. Deutschland war für uns aber kein Thema.

Warum nicht?

Der Preis war uns viel zu hoch.

Das teuerste Engagement von Puma ist in diesem Jahr das Volvo Ocean Race. Dort sind Sie mit einem eigenen Boot zum ersten Mal dabei. Was versprechen Sie sich davon? Segeln ist im Gegensatz zum Fußball kein Massensport.

Segeln ist eine unserer neuen Produktkategorien. Wie in anderen Sportarten sehen wir hier für uns die Möglichkeit, sportliche Hochleistung in innovative und designorientierte Produkte zu übersetzen. Die Schuhe, Jacken oder Hosen sollen dann auch für Nichtsegler attraktiv sein. Außerdem sind wir wieder einmal die erste Sportmarke, die sich mit dem Segelsport ein neues Segment erschließt.

Als wichtigster Segelwettbewerb der Welt gilt aber der America's Cup.

Das Volvo Ocean Race ist dafür der härteste Wettbewerb, sozusagen der Everest des Segelns: 38.000 Seemeilen, in acht Monaten einmal um den Globus.

Hart ist auch das Geschäft in den Vereinigten Staaten. In den ersten neun Monaten 2007 ist Ihr Umsatz dort um zehn Prozent gesunken, vor allem wegen der Schwierigkeiten Ihres größten Kunden, der Sporthandelskette Foot Locker. Wann rechnen Sie mit einer Besserung?

Wir haben in den vergangenen Monaten immer wieder darauf hingewiesen, dass es frühestens zum Ende des ersten Quartals eine Besserung geben wird.

Bleibt es bei dieser Prognose?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Das Marktumfeld sowie das getrübte Konsumklima in den Vereinigten Staaten bleiben herausfordernd. Ich hoffe aber auf eine Besserung.

Ist die Vorhersage also unsicherer geworden?

Dass sich die Rahmenbedingungen nicht verbessert haben, ist allseits bekannt und zeigt sich - allein schon an den Börsen in der ganzen Welt.

Im vergangenen Quartal ist der Umsatz von Puma überraschend stark um zehn Prozent auf 504 Millionen Euro gestiegen. Ist das die Rückkehr zu alter Wachstumsstärke nach dem leichten Rückgang in den ersten neun Monaten zuvor?

Wir sind 2006 um 34 Prozent gewachsen. Das musste erst einmal verdaut werden. Das Geschäft in Europa ist zuletzt etwas besser gelaufen als erwartet. Amerika hat nicht so stark negativ zu Buche geschlagen wie in den Quartalen zuvor. Und Asien hat sich positiv entwickelt. Wir haben in den meisten Ländern dazugewonnen, was im ersten Halbjahr so nicht der Fall war. Man darf aber nicht den Effekt unterschätzen, den in der ersten Hälfte des Vorjahres die Fußball-WM in Deutschland hatte.

Was bringt Puma die Zusammenarbeit mit Ihrem französischen Großaktionär PPR? Konkrete Projekte nennen Sie immer noch nicht.

Wir werden nicht alles, was wir vorhaben, groß veröffentlichen. Aber zum Beispiel haben wir unser erstes Geschäft in Westafrika, in Ghana, mit Hilfe einer Tochtergesellschaft von PPR vor dem Afrika-Cup eröffnet. PPR kann uns in Afrika mittelfristig auch im Vertrieb unterstützen. Es sind insgesamt viele kleine Dinge in vielen Bereichen, die in der Summe sehr hilfreich sind, weil sie unser Geschäft stärken.

Wie ist das Verhältnis zu PPR? Haben Sie jetzt wieder mehr Freiheiten als mit dem früheren Großaktionär, den Geschwistern Herz?

(lacht) Ich hatte und habe immer genug Handlungsspielraum. Der wesentliche Unterschied ist, dass PPR als strategischer Investor in einem Geschäft tätig ist, in dem auch wir tätig sind. Das macht die Zusammenarbeit leichter als mit einem reinen Finanzinvestor.

PPR hält mittlerweile 64 Prozent der Puma-Aktien und will langsam weiter aufstocken. Ist es für Sie wichtig, ob Puma an der Börse bleibt oder nicht?

Ob börsennotiert oder nicht - an meiner Arbeit und an unserer Strategie würde sich nichts ändern. Auch mit dem Einstieg von PPR hat sich die Unternehmensführung nicht verändert. Wir haben uns noch nie an Quartalen und kurzfristigen Erfolgen orientiert. Indirekt würden wir ohnehin an der Börse verbleiben, weil PPR dort notiert ist.

In den vergangenen Jahren haben Sie mit Ihren Aktienoptionen allerdings stark von dem kräftig gestiegenen Börsenkurs profitiert.

Die Höhe des Verdiensts beeinflusst ja nicht die Art der Unternehmensführung. Ich führe ein Unternehmen nicht, um mit Aktienoptionen Geld zu verdienen, sondern so, wie ich es für richtig halte.

Das Gespräch führte Joachim Herr

Text: F.A.Z., 04.02.2008, Nr. 29 / Seite 14
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS

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