Kein Verzicht auf Kündigungen

Arbeitszeitverlängerung bei Stada gescheitert

Von Thorsten Winter

Stada zählt in Bad Vilbel und Florstadt derzeit 900 Vollzeitstellen - ob es weniger werden, lässt das Unternehmen offen

Stada zählt in Bad Vilbel und Florstadt derzeit 900 Vollzeitstellen - ob es weniger werden, lässt das Unternehmen offen

12. November 2009 Auch in Zukunft werden die gewerblich Beschäftigten der Stada Arzneimittel AG in Bad Vilbel 37,5 Stunden je Woche arbeiten statt der 39, die eine Übereinkunft von Konzern und Betriebsrat vorgesehen hatte. Denn die Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie trägt die Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich nicht mit. Sie vermisst nach den Worten der Frankfurter Bezirksleiterin Catharina Clay die Zusage von Stada, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. In Bad Vilbel zählt Stada etwa 900 Mitarbeiter.

Nun scheinen die Fronten verhärtet zu sein. „Der Vorstand sieht die Verhandlungen als gescheitert an und wird nach alternativen Möglichkeiten suchen, die erwarteten Einsparungen bei den Personalkosten zu erreichen“, teilte Stada im Bericht zum dritten Geschäftsquartal mit, nach dem der Hersteller von Nachahmer-Medikamenten (Generika) zuletzt vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 74,1 Millionen Euro verdient hat - acht Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der Umsatz sank dagegen um sechs Prozent auf 383,3 Millionen Euro.

„Mitarbeiter müssen vor Entlassung geschützt werden“

Findet die Stada-Argumentation für die Arbeitszeitverlängerung nicht schlüssig: Catharina Clay, Frankfurter Bezirksleiterin der Chemiegewerkschaft BCE

Findet die Stada-Argumentation für die Arbeitszeitverlängerung nicht schlüssig: Catharina Clay, Frankfurter Bezirksleiterin der Chemiegewerkschaft BCE

Um die Ertragskraft mittel- und langfristig zu stärken, hat Stada das Projekt „Build the future“ aufgelegt, infolge dessen die Konzernstrukturen vereinfacht und Kosten schneller als bisher verringert werden sollen. Die zu diesem Zweck laufende Analyse soll im ersten Quartal 2010 abgeschlossen sein, wie Stada weiter mitteilte.

Hintergrund der gescheiterten Übereinkunft zur Verlängerung der Arbeitszeit ist, dass Rabattverträge mit Krankenkassen zu Arzneien die Erträge schmälern. Auch erwartet der Kapitalmarkt von Stada schlicht mehr Gewinn, wie Vorstandschef Hartmut Retzlaff der Rhein-Main-Zeitung gesagt. Mit Blick auf die Beschäftigung am Stammsitz fügte er hinzu: „Wir haben nie von Arbeitsplatzabbau in Bad Vilbel gesprochen. Wir haben es nur nicht ausdrücklich ausgeschlossen.“ Ein möglicher Abbau sei nie vom Tisch, „denn wir müssen immer optimieren“.

Gewerkschaftssekretärin Clay hält dagegen: „Für uns ist es wichtig, dass jene, die ohne Lohnausgleich länger arbeiten sollen, dann vor Entlassungen geschützt werden.“ Der Betriebsrat war für eine Aussage nicht erreichbar.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, Wonge Bergmann

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