Bildung

Wer bezahlt mein Studium?

Von Swantje Wallbraun

26. Juli 2006 Die älteren Semester fühlten sich ins Jahr 1968 versetzt: Der größte Protestzug der Stadtgeschichte wälzte sich in der vergangenen Woche durch Darmstadt; in Offenbach bauten Studenten Hütten auf dem Campus und gründeten eine Protest-Kommune, in Bochum besetzten sie Universitätsgebäude, in Tübingen das Schloß.

Das Thema Studiengebühren treibt derzeit junge Akademiker auf die Straße. Während sie protestieren, haben die Banken reagiert: Sie werben mit zahlreichen Angeboten, die die magere staatliche Förderung ergänzen sollen.

Ausnahme Mecklenburg-Vorpommern

Denn in sechs Bundesländern sind allgemeine Hochschulgebühren bereits Gesetz und der Protest der Studenten nur noch ein wirkungsloser Ausdruck von Wut. In Baden-Württemberg und Bayern werden vom Sommersemester 2007 an alle Studenten zur Kasse gebeten. Ebenso in Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen; Studienanfänger müssen dort sogar schon im kommenden Wintersemester zahlen. Das Saarland hat eine Gebührenpflicht vom Wintersemester 2007/2008 an verabschiedet. In Hessen gibt es dazu bereits konkrete Pläne.

Bremen kassiert ab dem Wintersemester Gebühren von Studenten, deren Erstwohnsitz nicht in der Hansestadt liegt. Eine ähnliche Regelung hat auch das Landeskabinett in Rheinland-Pfalz beschlossen.

Ob solch findige Gesetze Bestand haben werden, ist ungewiß: Auch Hamburg wollte Landeskinder von den Studiengebühren ausnehmen, das Gesetz wurde aber vom Oberverwaltungsgericht außer Kraft gesetzt. Einzig die Regierung von Mecklenburg-Vorpommern hat noch nicht öffentlich über eine Gebührenpflicht nachgedacht.

Kosten: 40.000 Euro plus Studiengebühren

Je Semester müssen die Studenten in den meisten Ländern 500 Euro an ihre Hochschule überweisen. Schon heute kostet ein Studium ohne die Gebühren im Schnitt 40.000 Euro, vor allem für Lebenshaltung und Bücher.

Wenn die Eltern ihren Nachwuchs nicht unterstützen können, der Nebenjob nicht genug abwirft und kein Stipendium in Sicht ist, können sich junge Leute von Staat, Banken und Investoren Geld leihen, um ihr Studium zu finanzieren. Vier Modelle stehen ihnen zur Verfügung.

BaföG. Die Förderung durch den Staat ist die günstigste Finanzierung für ein Studium - denn maximal die Hälfte muß der Student zurückzahlen, und für diesen Anteil werden keine Zinsen berechnet. Die Vergabe hängt vor allem vom Einkommen der Eltern ab. Nur 25 Prozent der Studenten werden derzeit gefördert, davon knapp die Hälfte mit dem Höchstsatz. Der liegt derzeit bei 585 Euro inklusive Mietzuschuß; wer bei den Eltern wohnt, bekommt maximal 432 Euro.

Bildungskredit. Studenten nach der Zwischenprüfung können bei der KfW Förderbank einen Kredit aufnehmen. Die Konditionen sind günstig, weil der Staat eine Bürgschaft für den Studenten übernimmt und damit das Ausfallrisiko trägt. Der Bildungskredit wird unabhängig von Elterneinkommen und Noten gewährt, solange genug Fördermittel da sind. Ab Oktober ist das Kontingent meist erschöpft, ein Antrag zum Jahresbeginn verspricht mehr Erfolg. Beim Sparkassen-Bildungskredit handelt es sich dagegen um einen Studienkredit ohne staatliche Bürgschaft.

Bildungsfonds. Für das Geld aus einem Fonds zahlt der Student keine Zinsen. Statt dessen vereinbart er mit dem Anbieter des Fonds, welchen Prozentsatz seines späteren Einkommens er wie lange zurückzahlt. Verdient der Student mehr als erwartet, zahlt er auch mehr zurück; verdient er weniger, muß er weniger zurückzahlen. Ist er über die gesamte Rückzahlungsphase arbeitslos, zahlt er gar nicht.

Das Kapital der Fonds stammt von Stiftungen, Unternehmen und Privatleuten, die damit Renditen von derzeit 6,7 Prozent erzielen. Sie tragen auch das Risiko, daß ein Student weniger zurückzahlt, als er bekommen hat. Deshalb fördern Fonds nur Studenten, die ein Auswahlverfahren bestehen. Dabei kommt es auf Lebenslauf und Noten an, aber auch auf das Studienfach: Studenten mit guten Aussichten auf ein hohes Gehalt wie etwa Ingenieure, Betriebswirte und Juristen haben bessere Chancen.

Auch das Angebot der Deutschen Kreditbank (DKB) bezeichnet sich als Fonds. Die Studenten werden ebenfalls streng ausgewählt, zahlen aber verdienstunabhängig in festen Raten zurück.

Studienkredit. Er wird von Banken angeboten. Im Unterschied zu einem gewöhnlichen Darlehen, bei dem die Summe auf einmal ausgezahlt wird, landet bei einem Studienkredit jeden Monat eine Rate auf dem Konto des Studenten. Die Zinsen sind häufig niedrig, die Gewinnmargen für die Banken daher gering - sie hoffen vor allem, später gut verdienende Akademiker als Kunden zu gewinnen, und verlangen deshalb in regelmäßigen Abständen Leistungsnachweise. Experten schätzen, daß jeder zehnte der derzeit zwei Millionen Studenten ein Darlehen aufnehmen wird.

Einige Kredite sind auf Regionen oder bestimmte Hochschulen beschränkt; manche Banken bieten Darlehen speziell für Studiengebühren an, die direkt an die Hochschule ausgezahlt werden. Es lohnt sich also, sich am Ort der Hochschule genauer über lokale Angebote zu informieren. Die Studentenwerke können dabei meist Tips geben. Der Studienkredit ist die teuerste Variante, das Studium zu finanzieren.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.07.2006, Nr. 29 / Seite 39
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/ dpa

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.272,21 -1,28
TecDax 734,26 -0,60
DowJones 11.288,54 +0,65
Nasdaq 2.245,38 -0,27
STOXX 50 3.275,20 -1,67
Nikkei 225 13.237,89 -0,21
S&P 500 Zert. 12,61 +0,08
Euro/Dollar 1,57 +0,01
Bund Future 111,54 +0,36
Gold 933,45 +0,16
Öl 145,16 +0,10
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche