Bankensystem

Das Vertrauen ist erschüttert

Ohne mit der Wimper zu zucken, hat die amerikanische Notenbank die taumelnde Investmentbank Bear Stearns aufgefangen. Es ist das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass die Notenbanken ernsthaft darauf achten müssen, eine systemische Bankenkrise zu vermeiden. Von Bettina Schulz

Lesermeinungen zum Beitrag

17. März 2008 12:01

Re: Bankensystem

Freddi Frohsinn (Frid0lin)

Bis in die 80er Jahre des 20ten Jahrhunderts galt die Devise: Produktion. Je mehr Sachen produziert werden, desto höher das Einkommen, egal ob Währung oder Realeinkommen, abhängig von Fabriken, Land und (rohstoff- + energielieferndem) Boden. Dann kam der Umschwung zur Marke. Statt zu produzieren wurde ein Erzeugnis gekauft und unter einer Marke wiederveräussert.
Dadurch wuchs das virtuelle Einkommen, nicht jedoch wirklich das reale. Gleichzeitig brachte das auch einen (virtuellen) Finanzmarkt mit sich; Entfernungen wurden durch neue (high-tech) Produkte wie Mikroelektronik geschrumpft, Kapital konnte in Sekundenbruchteilen einemal um den Globus verschoben werden - das virtuelle Kapital wuchs, das rale blieb bestenfalls stabil (gleich) oder schrumpfte sogar.

PS: das mit dem Zinseszins, das war Silvio Gesell :D

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17. März 2008 11:27

Marktwirtschaft II

gisbert heimes (gisbert4)

Die Marktwirtschaft würde bestens funktionieren, wenn die Menschen gleich wären.
Gleich schlau, gleich fleißig, gleich kreativ usw.

Dann wäre (sic!) dem 'Hans im Glück' seine Unbill nicht widerfahren. So aber steht die Grimm'sche Parabel für die Funktionsweise der Marktgesetze.

Auch in der jetzigen Krise werden wieder die Konjunktive beschworen: hätte, sollte, müßte, könnte usw. Das der Natur entlehnte Konkurrenzprinzip stößt als Wirtschaftsmodell an seine Grenzen. Das ist ganz einfach daran abzulesen, daß die Menschen unter seiner Ägide dabei sind, das Biosystem des Planeten zu ruinieren, ehe sie etwas überlebensfähiges Neues entwickelt haben.

Mag sein, daß auch hier der Markt noch einmal einen Ausweg findet. Aber das wird noch unsägliche Opfer kosten.

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17. März 2008 09:33

Bleibt alles noch an der Oberfläche

Rudolf Ortwein (rudi.rotwein)

Die Kritik ist noch nicht tiefgehend genug. Alle waren einverstanden mit der Finanzkonstruktion, welche Kredite verbriefte und hebelte, solange alle Profite,Zinsen, Erträge und Gebühren absahnen konnten. Jetzt kommt das Pyramidenspiel ans Ende und jemand muß bezahlen. Entweder aus den realen Erträgen, da die aber in den USA nicht vorhanden sind, wird Geld gedruckt und die Währung einfach inflationiert. In Europa zahlt der Steuerzahler die Verluste, bisher. Wenn das nicht mehr geht, wird ebenfalls inflationiert. Kennen wir alles aus der Weimarer Republik. Zitat Marx: "Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn.(...) 20 Prozent, es wird lebhaft, 50 Prozent, positiv waghalsig, für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß,(...). Den Rest kann jeder selbst nachlesen.

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17. März 2008 09:18

Es ist nicht allein die Gier

Rudolf Ortwein (rudi.rotwein)

Es ist das System. Seit den 90er Jahren hatte sich unabhängig von der Realwirtschaft eine Finanzblasenwirtschaft ausgehend von den USA entwickelt, gedeckt durch die Theorie der Neocons. Es sollten Profite generiert werden, egal woher, unabhängig von realen Erträgen. Deswegen diese Privatisierungseuphorie und Buyout-Geschäfte. Milliarden-Anlagegelder, welche auf dem Realmarkt zu wenig Profit abwarfen, wurden in eine Finanzblasenökonomie gesteckt. Das trieb alle Werte. Zusätzlich wurde der Boom angeheizt durch billiges Geld der FED. Solange Super-Profite lockten und das Pyramidenspiel nicht aufflog, wollte jeder mitverdienen. Den letzten beissen die Hunde, wenn das Spiel aus ist. Das ist jetzt der Fall, und diejenigen welche auf den wertlosen Papieren sitzen, müssen bluten.
Allerdings ist nun das weltweite Finanzsystem kurz vor dem Kollaps.

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17. März 2008 00:51

Bankensystem

Konrad Fit (Einstein-1)


Zur Zeit ist jeder Dollar ca 84 Mal verliehen .
Zur Zeit bekommt fast jeder Inflationsängste und
möchte an sein Geld um es sicher an zu legen .
Zur Zeit rasen 90 % künstliches Geld um unseren
Globus , hinter dem 10 % an Waren stehen .

Und da es für alles eine Zeit gibt ,
wird aller Wahrscheinlichkeit nach, das Jahr 2008,
dass welches im Wirtschafts- und Finanzbereich
die Naturgesetze aktiviert .

Einstein würde sagen : Die stärkste Macht der Welt
ist nicht die USA , sondern der Zinseszins .

Nun , für die , welche ihn nicht verstehen .
= Zuviel zerreisst den Sack !

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16. März 2008 23:56

Nachher sind alle klug - aber wie gehts weiter ?

FK Taunus (KFrieder1)

Zunächst: Ich glaube der letzte Kommentator hat etwas verwechselt: Nicht IVG war ein Problem, sondern IKB - oder ? Ansonsten: Als Laie verstehe ich das so: Jeder hat sich gedacht: Der Preis der Kreditrisiken kann sich verändern; dann mache ich weniger Gewinn oder etwas Verlust. Aber keiner hat sch vorstellen können, dass gar keine Kredite mehr angeboten werden und die Risiken gar nicht mehr platzierbar sind. Übertragen aufs das Leben des Autofahrers: Dass Benzin teurer wird, planen wir ein. Dass es keins gibt, erwartet kein Autokäufer.
Schon beim Immobilienflop Ost, beim Neuen Markt ua. war es so: Erst war jeder dabei und nachher heisst es: Wie konnten die nur ????

Interessanter als die nachträgliche Empörung finde die Frage: Wie kommt man raus. Als Laie: Wenn keiner Kredite gibt, muß die Notenbank eben die Kredite geben und sich das Geld durch eine Mindestreserve von den Banken wiederholen. Auch wenn der Staat damit Risiken nimmt.
Und soweit dem Sekundärmarkt "nur" Liquidität fehlt, also Kredite nicht zum erwarteten Erlös ./. Gewinn verkauft werden können, muß es sich doch eigentlich lohnen, ein Vehikel aufzusetzen, dass die Kredite zum erwarteten Erlös abzüglich Abschlag kauft und später mit Gewinn verwertet ?

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16. März 2008 23:25

Marktwirtschaft

Magnus Heinen (magnus54)

Tja, post festum stellen sich drängende Fragen. Aber war da nicht was? Sollte der Staat sich nicht aus der Marktwirtschaft heraus halten? Und jetzt plötzlich hat er sich zu wenig eingemischt? Und ist die FAZ, solange ich sie lese, nicht Anhänger von Deregulierung und Bürokratieabbau? Weil die Wirtschaftsakteure doch viel klüger und effektiver sind als die staatlichen Instanzen. Weil "die Wirtschaft" doch um so kräftiger wächst, je weniger sie eingeengt wird. Und jetzt sind die Aufsichtsbehörden und Notenbanken schuld, weil sie das Wachstum der Kredite und die Erfindung neuer Finanzierungsinstrumente nicht eingeschränkt haben?

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16. März 2008 22:30

wie kann es sein ...

Frank Geiser (geiser123)

... das mal wieder nichts gelernt wurde ... die Antwort ist einfach: Gier ohne Ruecksicht auf Verlusste.

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16. März 2008 22:24

Würde die Mehrheit der Bevölkerung verstehen ...

Christine Jakeman (Ruben2)

Was gibt es denn da zu verstehen? Was da schiefgelaufen ist, kapiert jede Hausfrau. Man kann nicht mehr Geld ausgeben als man hat.
Und daß die Gier gut ist, das ist Quatsch. Die Gier ist nicht gut.

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16. März 2008 21:09

Würde die Mehrheit der Bevölkerung verstehen...

gisbert heimes (gisbert4)

was in der Realität des herrschenden ökonomischen Systems (und nicht nur des Finanzwesens) abläuft - die Frage mag sich jeder selbst beantworten.

Die Wie-konnte-es-sein-Fragen der Autorin lassen sich genauso leicht beantworten: hinter all den rechtlichen Gebilden von Hedge-Fonds, Banken, Kapitalgesellschaften, Holdings, Konzernen, Rating-Agenturen etc. stecken Menschen aus Fleisch und Blut. Habgierige Menschen. So einfach ist das leider. Deren Kreativität in Sachen Kapitalverwertung hinken die Aufsichtsbehörden, Notenbanken und die nationales wie internationales Recht setzenden Institutionen hinterher.

Der von der Realwirtschaft weit abgehobene und überdimensionierte Finanzsektor ("32 Mal hebeln") hat sich seit langem zur Spielwiese für ökonomisch völlig sinnlose Aktivitäten entwickelt - allein der Handel mit den Finanzkonstrukten macht die Akteure satt; deren Besitz ist im Zweifel wertlos, wie sich jetzt herausstellt.

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16. März 2008 20:44

Die Wahrheit zu Zertifikaten

Stephan Rawolle (StephanRawolle)

Da kommt die Antwort, zur Frage "Wie gut und sicher sind Zertifikate?": Wer Zertifikate kauft(e) muss wissen was man tut. Denn Zertifikate sind i.d.R. auf eine bestimmte Bank bezogen, an einen Emittenten. Sicher ist es schön, wenn man von "Beratern" hört, dass man doch hier ein Garantiezertifkat habe - unklar ist oftmals nur, dass die Garantie zerbröselt, wenn es die Bank nicht mehr gibt. Wer Zertifikate sein eigen nennt, sollte diese abstoßen! Denn das Risiko (da ein Emittent) ist i.d.R. überproportional und ungleich größer gegenüber einem soliden Aktienfonds mit hoher Streuung - bei gleichzeitig hoher Verfügbarkeit. Falsche Beratung und die Pflicht von Produktverkäufern aber treiben nicht-informierte Kunden in Produkte die niemdand braucht und nur Provision der Vertreibenden generieren. Die "Finanzkrise" sorgt hoffentlich für ein reinigendes Gewitter und ein Bewusst-werden für die Fragilität unseren monetären Systems. Somit gilt: ABS, Hedge Fonds, Kredite geschlossene Beteiligungen, Zertifikate: machen Sie nur das, was Sie verstehen - von allem andern lässt man am besten die Hände.

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