Schmiergeldskandal

Weiterer Siemens-Vorstand tritt zurück

23. April 2008 Siemens-Vorstand Erich Reinhardt ist über die Korruptionsaffäre gestürzt. Der langjährige Chef der Medizintechnik trete als Konsequenz aus Schmiergeldfällen in seinem Bereich Medizintechnik Ende April zurück, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Reinhardt sei nach heutigen Erkenntnissen nicht persönlich beteiligt gewesen.

„Ich habe diese persönliche Entscheidung gestern getroffen, weil sie meinem Verständnis von Führungskultur und unternehmerischer Gesamtverantwortung entspricht“, erklärte Reinhardt. Er war der letzte Manager im Siemens-Vorstand, der noch aus der Riege um Ex-Konzernlenker Heinrich von Pierer kam. Konzernchef Peter Löscher äußerte Respekt für Reinhardts Entscheidung: „Dies zeugt einmal mehr von seinem beispielhaften Verantwortungsbewusstsein und Führungsverständnis.“

Die von Siemens mit der internen Aufklärung beauftragte US-Kanzlei Debevoise & Plimpton habe Reinhardt über neue Schmiergeldfälle in der Medizintechnik informiert, die er seit 1994 leitet. Anschließend habe er das Gespräch mit den Anwälten und dem Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gesucht. Der oberste Kontrolleur stellte Reinhardt, der seit 2001 im Vorstand sitzt, einen Persilschein aus: „Es gibt keinerlei Zweifel an der persönlichen Integrität Professor Reinhardts. +

Jim Reid-Anderson wird Nachfolger

Nach allem, was wir wissen, ist er persönlich unbeteiligt an fragwürdigen Aktivitäten. Wir mussten aber feststellen, dass es in dem ehemaligen Bereich Medizintechnik Fehlverhalten gegeben hat, das nicht akzeptabel ist.“ Siemens hatte die fragwürdigen Zahlen aus dem Bereich Medizintechnik Ende Januar über die vergangenen Jahre mit 44 Millionen Euro beziffert.

Reinhardts Nachfolger an der Spitze der Medizintechnik werde der 49-jährige Jim Reid-Anderson. Der in Bagdad geborene Brite war bis zur Übernahme durch Siemens 2007 Chef des amerikanischen Diagnostikspezialisten Dade Behring. Seit Jahresanfang leitete der Physiker, der auch einen US-Pass besitzt, die neu zusammengekaufte Diagnostiksparte bei Siemens.

Der Konzern hatte zuletzt die Summe der fragwürdigen Zahlungen in den Jahren 1999 und 2006 auf insgesamt 1,3 Milliarden Euro beziffert. Der gesamte durch den Schmiergeldskandal entstandene Schaden hat nach Angaben von Finanzvorstand Joe Kaeser
Ende bis Ende Januar 1,6 Milliarden Euro betragen.



Text: Reuters
Bildmaterial: Siemens

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