Wirschaftskriminalität

Korruption beim Metro-Konzern

24. August 2006 Im Elektro-Fachhandel ist an diesem Donnerstag ein Korruptionsskandal bekannt geworden. Ehemalige Mitarbeiter des niederländischen Haushaltsgeräteherstellers Philips werden beschuldigt, Mitarbeiter von Media-Markt und Saturn bestochen zu haben.

Die zur Metro AG gehörende Media-Saturn Holding bestätigte, daß Arbeitskräfte aus den beiden Elektro-Ketten in den Fall verwickelt sind. Auch Philips bestätigte, daß die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen frühere Mitarbeiter wegen des Verdachts der Bestechung ermittelt. Die Ermittlungen deuten nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft auf eine Korruptionsaffäre großen Ausmaßes hin.

Insgesamt 100 Beschuldigte

„Wir haben am 7. Juni insgesamt 116 Durchsuchungsbeschlüsse in 14 Bundesländern vollstreckt. Daran können Sie die Dimension erkennen, die das Verfahren hat“, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Rüdiger Bagger, am Donnerstag in Hamburg.

Insgesamt gehe die Staatsanwaltschaft in 250 Einzelfällen einem Bestechungsverdacht nach. „Wir gehen im Augenblick von acht Mitarbeitern aus der Leitung Vertrieb und zirka 15 Außendienstmitarbeitern der Firma Philips aus.“ Insgesamt führe die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen 100 Beschuldigte.

Kein zentraler Einkauf

Ein Sprecher der Metro-Tochter sagte: „Uns ist ein Liste von der Staatsanwaltschaft Hamburg zugeleitet worden, auf der Namen von Mitarbeitern verzeichnet sind, die bestochen worden sind“. Die Liste enthalte jedoch auch „eine ganze Reihe fingierter Namen“, die definitiv nicht bei Media-Markt oder Saturn beschäftigt seien. Media-Saturn kooperiere voll umfänglich mit der Staatsanwaltschaft Hamburg bei der Aufklärung der Fälle.

Philips hatte es bei Media-Markt und Saturn offenbar leicht, Mitarbeiter mit umsatzgebunden Sachprämien zu bestechen, um den Absatz zu erhöhen. Beide Elektronikfachmärkte verfügen nicht über einen zentralen Einkauf. Für ihn sind abteilungsbezogen Mitarbeiter in den Märkten verantwortlich, wie der Sprecher erläutert.

Personelle Konsequenzen

Mehrfach hat die Metro-Tochter ihren Lieferanten solche „verkaufsfördernden Maßnahmen“,
wie sie Philips jetzt offenbar vorgenommen hat, „schriftlich untersagt“, so der Sprecher weiterhin. „In einem Brief an unseren Partner haben wir auch unser Unverständnis geäußert, daß diese Regeln gebrochen wurden“, sagte der Media-Saturn-Sprecher der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

Wenn Klarheit darüber herrsche, welche Mitarbeiter Vorteile angenommen haben, werde das auch zu personellen Konsequenzen führen.



Text: FAZ.NET mit Material von Dow Jones, Reuters und dpa
Bildmaterial: dpa

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