Künftig auch unter den Fittichen von Infraserv Höchst: Industriepark Griesheim, wie der Industriepark Höchst früher ein Werk der Hoechst AG
09. Juli 2009 Der Industriepark-Betreiber Infraserv Höchst meldet einen ersten Schritt auf dem Weg zur Expansion außerhalb seines Stammgeländes im Frankfurter Westen: Das Unternehmen betreibt fortan auch den Industriepark Griesheim. Der Übernahmevertrag ist am Mittwoch unterzeichnet worden, wie Infraserv-Geschäftsführer Jürgen Vormann vor der Presse sagte. Über den Preis des Geschäfts machte er keine Angaben, sagte aber: Die Summe ist für beide Parteien irrelevant.“
Nach Angaben von Geschäftsführer Roland Mohr erwirbt Infraserv auch mobile Assets“, also Anlagen in Griesheim. Das drei Kilometer entfernt vom Industriepark Höchst, dem früheren Hauptwerk der Hoechst AG, gelegene Gelände selbst bleibt weiter im Besitz von Clariant. Der Grund: Im Boden befinden sich Altlasten, wie Clariant-Standortleiter Werner Brodt sagte. Clariant habe die Pflicht, die Altlasten auf dem Areal zu sichern und zu sanieren. Diese Aufgabe übernehme nun die neue Betreibergesellschaft Infrasite Griesheim, eine Infraserv-Tochter.
Kräftiger Aderlass bei Chemiebetrieben
Der Industriepark Griesheim zählt wie Höchst zu den ehemaligen Arealen der Hoechst AG, ist aber ungleich kleiner als das Stammwerk des früheren Chemie- und Pharmakonzerns: Griesheim misst rund 60 Hektar gegenüber 460 Hektar in Höchst. Auch arbeiten dort 1400 Beschäftigte, während es mainabwärts etwa 23 000 sind. Und im Gegensatz zum Industriepark Höchst hat der kleine Bruder“ in Griesheim in den vergangenen Jahren einen erheblichen Aderlass hinnehmen müssen. Wurden 1990 noch 2700 Beschäftigte gezählt, so sind es derzeit noch 1400. Clariant zog sich vor zwei Jahren als Produzent von Chemikalien von diesem Gelände zurück. Zuvor hatte der Konzern einen Betrieb, in dem Vorprodukte für Gelbpigmente hergestellt wurden, ebenso geschlossen wie die Bayer AG einen Betrieb für Pflanzenschutzmittel mit 35 Mitarbeitern.
Die Rolle als Standort zur Produktion von Vorprodukten für Chemikalien hat Griesheim längst verloren. Brodt führte als Gründe die aufstrebende chinesische Chemieindustrie an, die seit Ende der achtziger Jahre zunehmend chemische Rohstoffe und Zwischenprodukte auf den Markt gebracht hat und mit günstigeren Preisen aufwartet als mitteleuropäische Anbieter. Darüber hinaus ergibt es nach seinen Worten für Clariant keinen Sinn, einen Standort selbst zu betreiben.
Warten auf neues Gaskraftwerk
Aus der Sicht von Infraserv ist die Übernahme der Betreiberrolle in Griesheim dagegen logisch, wie Vormann sagte. Auf dem eigenen Gelände stoße Infraserv nach der Ansiedlung des Kelsterbacher Kunststoffherstellers Ticona fast schon an die Grenzen des Wachstums. Wie auf der Internetseite von Infraserv zu lesen ist, sind in Höchst nur noch 50 Hektar für neue Betriebe frei. Auch Griesheim zu betreiben, sei gut für die Region und das Bestreben, weiter wettbewerbsfähige Industriegelände anzubieten. An einer Übernahme des früheren Hoechst-Areals in Offenbach hat Infraserv laut Vormann aber kein Interesse. Nach der Schließung der Fabrik des Faserherstellers Invista sei der Zug für Offenbach abgefahren“, da in Gestalt der Allessa-Chemie nur noch ein Chemieunternehmen am Ort sei.
Ein wichtiges Argument für Griesheim ist laut Mohr auch die Nähe des Standorts zu Höchst. Zudem sind beide Industrieparks durch Gas-, Strom-, Wasserstoff- und Stickstoffleitungen miteinander verbunden, wie der bisherige Griesheimer Standortleiter Michael Molter erläuterte. Molter hatte sich zuletzt bemüht, Griesheim als Standort für Energie- und Recyclingbetriebe zu profilieren. Durchaus mit Erfolg: Der zwischenzeitlich vom Vattenfall-Konzern übernommene Versorger Nuon will dort ein Gaskraftwerk bauen. Die geben richtig Geld aus, und ich gehe davon aus, dass es kommt“, sagte Molter.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Christian Burkert, F.A.Z.
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