18. Mai 2006 Es kommt nicht alle Tage vor, daß ein Unternehmen vom Frankfurter Umland in die Mainmetropole zieht, aber dann und wann doch. Bei etwas großzügiger Betrachtung läßt sich derzeit sogar von einer Häufung sprechen: Vor kurzem war es die Deutschlandzentrale des Sportartikelherstellers Nike, die von Mörfelden ans Fußballstadion verlegt wurde, nun eröffnete die Sparkassen-Informatik ihre Zentrale an der Theodor-Heuss-Allee gegenüber der Frankfurter Messe, was die Verlagerung von mehr als 200 Arbeitsplätzen von Offenbach zur Folge hat.
Was die Sparkassen-Informatik genau macht, sollte man besser nicht fragen, wenn man nichts von Netzwerken und technischem Support versteht, aber jedenfalls ist das Unternehmen nach eigenen Angaben der größte IT-Dienstleister der deutschen Sparkassen; 229 derartigen Kreditinstituten in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz helfen die Mitarbeiter bei der Arbeit. Die Computerspezialisten gaben sich aber ganz untechnisch und ließen sich ein wenig dafür feiern, daß sie vor der Tür ihres Neubaus ein sechs Meter hohes Kunstwerk aufgestellt haben, das unweigerlich Kindheitserinnerungen weckt.
Reitender Bote
Denn die Skulptur ist einem Spielzeug nachempfunden, das einmal größere Verbreitung hatte. Wie es richtig heißt, wußte beim Festakt auch Udo Kittelmann in seinen erläuternden Worten nicht zu sagen (vielleicht gibt es dafür gar keinen Namen). Von einem Daumendrück-Tierchen sprach jedenfalls der Direktor des Museums für Moderne Kunst. Um so besser konnte er aber erläutern, warum es sich bei dem Tierchen um ein Pferd handelt, steht es doch für reitende Boten und damit den Datentransport früherer Zeiten.
Das Kunstwerk des Berliner Duos Christiane Dellbrügge und Ralf de Moll heißt allerdings nicht nur einfach Horse, sondern Morse by Horse, denn es zählen auch noch zwei Leuchten auf hohen Masten dazu - eine vor dem Gebäude, eine drin -, die sich angeblich mit Morsezeichen gegenseitig Witze erzählen. Leider ist ja das Morsealphabet etwas aus der Mode gekommen, so daß das schwer zu überprüfen ist.
17.800 Quadratmeter Nutzfläche
Die eigenwillige Kunst ließ bei der Feier den 70 Meter hohen Neubau selbst etwas in den Hintergrund treten, für den das Büro MOW Architekten verantwortlich zeichnet - dabei zählt das Gebäude künftig zu den ersten, die Frankfurt-Besucher wahrnehmen, wenn sie von Westen kommen. Auf 17.800 Quadratmeter Nutzfläche bietet der Bau 500 Arbeitsplätze, wovon aber nur die Hälfte durch Festangestellte besetzt ist, die andere wird für Projekte freigehalten. Drehscheibe Frankfurt nennt das Unternehmen seinen neuen Sitz; bisher hatte es der über verschiedene Bundesländer verstreuten Sparkassen-Informatik an einem Zentrum gefehlt.
Geschäftsführer Harald Lux berichtete, auf Frankfurt sei man nicht einfach so gekommen, sondern durch spezielle Berechnungen, wo denn der am günstigsten gelegene Standort sei. Damit es auch jeder findet, gibt es Lichtspiele an der Fassade, die schon in den vergangenen Tagen auffielen. Daß die Computerspezialisten am Finanzplatz als blasse Technologen abgetan werden, müssen sie jedenfalls angesichts soviel spielerischer Kunst am Bau nun wirklich nicht mehr befürchten.
Text: F.A.Z., 18.05.2006
Bildmaterial: F.A.Z. - Bergmann
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