Finanzkonzern

Allianz wagt keine Prognose für die Dresdner Bank

Tief in Frankfurt

Tief in Frankfurt

09. Mai 2008 Die Allianz wagt wegen der Finanzkrise keine Prognose für ihre mit Verlusten kämpfende Tochter Dresdner Bank. „Wir können nicht ausschließen, dass weitere Abschreibungen künftige Quartalsergebnisse beeinträchtigen“, teilte der Finanzkonzern am Freitag mit. Angesichts der Unsicherheit über die weitere Marktentwicklung und der anhaltenden Preisschwankungen bei vielen strukturierten Anleihen sei eine genaue Prognose derzeit aber nicht möglich. Die Dresdner Bank hat noch Wertpapiere in Höhe von knapp 1,9 Milliarden Euro im Handelsbuch, die als kritisch einzustufen sind. Hierzu gehören amerikanische Hypothekenpapiere und strukturierte Anleiheprodukte (CDOs).

„Im gegenwärtigen Umfeld wird 2008 kein leichtes Jahr“, erklärte der Münchener Konzern. Wann sich die Kurse an den Kreditmärkten stabilisierten, sei nicht abzusehen. Wegen Abschreibungen auf diese Papiere in der Investmentbanking-Sparte Dresdner Kleinwort wies das Institut im ersten Quartal einen weiteren Nettoverlust von 513 Millionen Euro aus nach knapp 600 Millionen Euro im letzten Vierteljahr 2007. Die Krise führte in den ersten drei Monaten zu neuen Wertberichtigungen auf forderungsbesicherte Papiere in Höhe von 845 Millionen Euro - insgesamt summieren sich die bisherigen Belastungen damit auf gut 2,3 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank muss etwa doppelt soviel verschmerzen.

Renditeziel nicht mehr erreichbar

Die Allianz bekräftigte angesichts der Verluste der Problemtochter, dass das Renditeziel für das Bankgeschäft von mindestens 15 Prozent bis 2009 nicht mehr erreichbar sei. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Ergebnisse in diesem und nächstem Jahr so gut ausfielen, dass der Rückstand aus 2007 kompensiert werde. „Für die Zukunft“ werde eine solche Rendite auf das eingesetzte Risikokapital aber weiter angestrebt.

Die Dresdner Bank ist seit langem ein Bremsklotz für den Allianz-Konzern, der auch die mittelfristigen Gruppenziele wegen der Probleme der Tochter mittlerweile nur noch für schwer erreichbar hält. Analysten rechnen daher zunehmend damit, dass sich der Versicherer über kurz oder lang von dem Institut trennen wird. Dabei steht besonders das Privatkundengeschäft im Fokus potenzieller Interessenten, da die Bank hier weiter schwarze Zahlen schreibt. Die Allianz will diese Sparte in eine eigene Tochter auslagern (Geänderte Aufspaltungspläne: Allianz will Dresdner-Privatkunden ausgliedern). Die Aufspaltung solle bis Ende August unter Dach und Fach sein, sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet am Freitag in einer Telefonkonferenz. Für die Gründung der Gesellschaft für das Privat- und Firmenkundengeschäft (PCC) könne dann die Bilanz des Jahres 2007 als Grundlage dienen. Für die Gründung einer eigenständigen Gesellschaft für die Investmentbank gebe es noch keinen Zeitplan.

Der Überschuss des Konzerns ging in den ersten drei Monaten um zwei Drittel auf 1,15 Milliarden Euro zurück. Der Versicherungsriese hatte diesmal auf Aktienverkäufe verzichtet, wie sie das Ergebnis im Vorjahr in die Höhe getrieben hatten. So hatte sich die Allianz damals unter anderem von Aktienbeständen an BMW und KarstadtQuelle - jetzt Arcandor - getrennt.

Verhaltener Ausblick

Auch im restlichen Geschäft lief es für den Konzern, der 2007 auf einen Rekordgewinn von acht Milliarden Euro kam, nicht rund: Der Überschuss der Kernsparte Schaden/Unfallversicherung ging auf 1,05 (Vorjahr 1,18) Milliarden Euro zurück, in der Leben- und Krankenversicherung auf 452 (553) Millionen sowie in der Vermögensverwaltung auf 78 (99) Millionen.

Der Ausblick der erfolgsverwöhnten Allianz fiel entsprechend verhalten aus: „Obwohl wir eine leichte Erholung an den amerikanischen Hypothekenmärkten und den Aktienmärkten sehen, bleibt es schwer, vorherzusagen, wann sich die Turbulenzen an den Märkten legen werden“, sagte Finanzchef Perlet. „2008 wird ein schwieriges Jahr bleiben und je länger dieser Zustand anhält, desto schwieriger wird es, unser mittelfristiges Ergebnisziel zu erreichen.“ Die Münchner haben sich vorgenommen, den operativen Gewinn von 2007 bis 2009 um durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr zu steigern. Am Ende der Zeitspanne soll ein Ergebnis von 13,3 Milliarden Euro stehen.



Text: FAZ.NET mit Material von Reuters und dpa
Bildmaterial: dpa

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 4.127,41 -2,20
TecDax 432,48 +0,23
DowJones 8.046,42 +6,54
Nasdaq 1.384,35 +5,18
STOXX 50 2.165,91 -2,70
Nikkei 225 7.910,79 +2,70
S&P 500 Zert. 7,72 -3,26
Euro/Dollar 1,26 -0,07
Bund Future 120,75 -0,58
Gold 799,25 +0,00
Öl 48,25 -1,65
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche